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WÄRME:
Kein Königsweg zur Wärmewende in Sicht
In einem Online-Forum der Gasag diskutierten Energieexperten, wie die nötige Dekarbonisierung im Gebäudebereich am besten gelingen kann. Einen sicheren Königsweg sehen sie noch nicht.
 
Allein der Wärmesektor muss bis 2030 mindestens 72 Mio. t weniger CO2 eimittieren, so sieht es der deutsche Klimaschutzplan von 2019 vor. Das werde angesichts der verschärften EU-Klimaschutzziele von 55 % weniger CO2 bis 2030 noch nicht reichen, kündigte Patrick Graichen, Direktor der Agora Energiewende, an. „Im Gebäudebereich werden wir fünf bis sieben Millionen Tonnen CO2 mehr als geplant reduzieren müssen“, rechnet Agora. Er diskutierte im „Gasag Warm-up“ am 24. Februar mit Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW.

Diese resümierte, dass die einfachen Maßnahmen in den letzten 30 Jahren umgesetzt wurden und zu 40 % weniger Klimagasemissionen aus dem Wärmesektor geführt hätten. „Jetzt müssen wir noch einmal 40 Prozent in den nächsten zehn Jahren schaffen, das wird äußerst herausfordernd“, sagte Andreae. Die Bestandsgebäude müssen schneller saniert werden, damit weniger Heizenergie benötigt wird. „Ich plädiere für einen ganzheitlicher Ansatz bei der Wärme über Haus, Heizung und Eigentümer für effektive Veränderungen“, sagte sie.

CO2-Preis schneller anheben

Graichen nannte die seit diesem Jahr geltende CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe von 25 Euro je Tonne CO2 einen Anfang, der aber noch keinen echten Druck erzeuge. „Der Preis muss schneller als in Fünf-Euro-Schritten erhöht werden nach der Bundestagswahl, vielleicht auch der Handel früher eingeführt werden“, forderte er. Länder wie Schweden, die schon im Jahr 2000 einen Preis eingeführt haben, der inzwischen über 100 Euro liegt, hätten jetzt schon 86 % Reduktion der Klimagasemissionen im Heizungsbereich erreicht. Auch die Einführung einer Warmmiete habe dazu beigetragen.

Andreae mahnte, die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung zu verwenden, um die Energiewende im Gebäudebereich weiter zu unterstützen. „Eine Verdopplung der Sanierungsquote bedeutet aber auch doppelt so viele Baustellen, Handwerker und Baumaterial, das ist nicht so einfach umzusetzen“, erinnerte sie. Elektrische Wärmepumpen passten nur in Neubauten oder energieoptimierten Bestandshäusern. Fernwärme sei ein guter Weg vor allem in Städten. „Eine dritte Möglichkeit ist Erdgas statt Ölheizung im ersten Schritt mit der künftigen Option, ins vorhandene Gasnetz klimaneutrale Gase einzuspeisen“, sagte sie.

Nicht genug grüne Gase zum Verheizen

Graichen widersprach ihr hier. Er warnte vor der Hoffnung der Gasbranche, dass alles so bleiben kann, wie es ist, wenn man nur Wasserstoff oder ein anderes erneuerbares Gas ins vorhandenen Netz speist. „Der Traum der grünen Gase wird sich von der produzierbaren Menge nur dort verwirklichen lassen, wo Strom und Fernwärme absolut nicht machbar sind“, meinte er.

„Erdgas wird sein Ende finden“, bestätigte Andreae. Allerdings sehe sie noch keine Antwort, wie genau die Wärmeversorgung der Zukunft aussehen wird. Die Hälfte aller Gebäude hänge aktuell am Gasnetz, diese große Menge abzulösen sei eine enorme Herausforderung. „Auch Wärmepumpen brauchen viel Strom, der erneuerbar zusätzlich hergestellt werden muss“, gab Andreae zu bedenken.

Wärmewende als Maßnahmenmix

Graichen antwortete mit einem Fünf-Punkte-Plan: „Erstens muss der CO2-Preis erhöht werden, zweitens muss Fernwärme grüner werden. Drittens muss beim Ordnungsrecht nachgelegt werden, damit Neubauten künftig klimaneutral sind. Viertens muss die Gebäudesanierung erweitert werden. Fünftens muss der Anreiz für eine Sanierung beim Vermieter landen.“ Einig waren sich beide Diskutanten, dass das Thema Wärmeversorgung der Zukunft noch nicht den nötigen Stellenwert in der Politik erreicht habe.

Heizen muss bezahlbar bleiben

Gasag-Vorstandschef Gerhard Holtmeier als Gastgeber erinnerte: „Für die gesellschaftliche Akzeptanz sind am Ende immer die Kosten entscheidend. Insbesondere in einer Mieterstadt wie Berlin müssen daher die sozialverträglichen Lösungen für die Wärmewende beachtet werden.“

Der Kunde sollte darüber mitentscheiden können, mit welchem Ansatz die Wärmewende in Angriff genommen wird. „Rahmenbedingungen müssen unbedingt technologieoffen und wettbewerbsorientiert ausgestaltet werden. Ein Ordnungsrecht mit Technologievorgaben steht dem aber entgegen“, sagte der Vorstandsvorsitzende.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 25.02.2021, 09:02 Uhr

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