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Enerige & Management > Gas - Katar kündigt Gaslieferungen nach Deutschland an
Quelle: Shutterstock / Wojciech Wrzesien
GAS:
Katar kündigt Gaslieferungen nach Deutschland an
Ab dem Jahr 2026 sollen in Deutschland jährlich 2 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas aus dem Golfemirat ankommen.
 
Das Golfemirat Katar und Deutschland haben sich auf einen Vertrag über die Lieferung von Gas geeinigt. Katar werde Deutschland ab dem Jahr 2026 mindestens 15 Jahre lang jährlich 2 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas (LNG) liefern, sagte der katarische Energieminister Saad Scherida Al-Kaabi in Doha. Damit wolle Katar Deutschland und Europa bei ihren Bemühungen um Energiesicherheit unterstützen.

Das Gas solle an das US-Unternehmen Conoco Phillips verkauft werden, das es weiter nach Brunsbüttel liefere, sagte der Minister am Dienstag bei der Vertragsunterzeichnung in der katarischen Hauptstadt Doha. In Brunsbüttel soll noch in diesem Winter ein schwimmendes LNG-Terminal in Betrieb gehen. Das Terminal, eine sogenannte Floating Storage and Regasification Unit (FSRU), kann Flüssiggas von Tankern aufnehmen und es noch an Bord in Gas umwandeln, um es dann ins Versorgungsnetz einzuspeisen.

Katar will seine Produktion von LNG bis 2027 um 60 Prozent steigern. Dann will das Land 126 Millionen Tonnen jährlich herstellen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte bei seinem Besuch in Katar im September von Fortschritten bei den Verhandlungen über Gaslieferungen gesprochen. Deutschland muss die ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland zum Teil ersetzen.

"Handel mit Katar darf nicht überbewertet werden"

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat zu der angekündigten Lieferung von Flüssigerdgas von Katar nach Deutschland keine konkrete Bewertung abgegeben. "Die politischen Gespräche waren immer nur Rahmengespräche, danach sind die Unternehmen im Gespräch geblieben", sagte Habeck. "Das war immer bekannt."

Es sei Aufgabe der Unternehmen, ihre Verträge selbst zu schließen. "Deswegen kann ich dazu und möchte ich dazu wenig im Konkreten sagen", betonte der Wirtschaftsminister, der Anfang des Jahres nach Katar gereist war, um über LNG-Lieferungen zu sprechen. Habeck sagte, die Unternehmen kauften auf dem Weltmarkt ein, dort gebe es verschiedene Anbieter. "Es ist schlau von den Unternehmen, die günstigsten Angebote für die Verbraucherinnen und Verbraucher auf dem Weltmarkt einzukaufen. Das schließt Katar mit ein, ist aber auch nicht der einzige Anbieter auf dem Weltmarkt", sagte er.

Timm Kehler, Vorstand des Branchenverbands Zukunft Gas, begrüßte das Abkommen und sprach von einem positiven Signal für die landbasierten LNG-Terminals: „Das Abkommen zwischen Qatar Energy und dem US-Konzern Conoco Philipps ist ein wichtiger erster Schritt auf einer langen Reise. Positiv ist, dass mit den langfristigen Lieferungen über 15 Jahre ab 2026 eine gute Perspektive für die landbasierten Terminals eröffnet wird. Wir fordern schon lange, nicht nur auf die kurzfristige Versorgung über die schwimmenden Terminals, die sogenannten FSRUs, zu blicken. Insbesondere mit dem Blick auf die Transformation der Branche und einem späteren Umstieg auf grüne Gase sind die landbasierten Terminals von elementarer Bedeutung."

Der Handel mit Qatar Energy dürfe aber auch nicht überbewertet werden, so Kehler: "2 Millionen Tonnen im Jahr entsprechen knapp 30 Terawattstunden und damit etwa 3 Prozent des deutschen Jahresbedarfs. Wir müssen aber knapp 500 Terrawattstunden ersetzen, die bislang über russische Gaslieferungen gedeckt wurden. Das bedeutet aber auch, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, um die Versorgung langfristig zu sichern.“

"Hilft weder für diesen noch für den nächsten Winter"

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW äußerte sich in einem ersten Statement zu den Vereinbarungen ebenfalls positiv: "Jedes zusätzliche Angebot erhöht die Versorgungssicherheit", so die BDEW-Vorsitzende Kerstin Andreae. "Langfristige Lieferverträge stabilisieren das Gesamtsystem. Insofern profitieren sowohl private als auch industrielle Gasverbraucher von neuen Langfristverträgen. Die Laufzeit über 15 Jahre ist zudem vereinbar mit den deutschen Klimazielen. Gleichzeitig ist und bleibt ein schneller Wasserstoff-Hochlauf wichtiger und dringender denn je." Kritik an dem Abkommen kam von der Deutschen Umwelthilfe (DUH): Der Gas-Deal helfe nicht in der gegenwärtigen Krise, schaffe aber langfristige Abhängigkeit. Auch Linksfraktionschef Dietmar Bartsch zeigte sich skeptisch: "Es handelt sich aus meiner Sicht vielmehr um eine PR-Maßnahme, denn es hilft weder für diesen noch für den nächsten Winter."
 

Marie Pfefferkorn / Katia Meyer-Tien
© 2023 Energie & Management GmbH
Dienstag, 29.11.2022, 11:56 Uhr

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