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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Jede Windturbine zählt
Bild: Fotolia.com, DeVIce
WINDKRAFT ONSHORE:
Jede Windturbine zählt
Die Stadtwerke Bochum setzen auf die Offshore-Windenergie und die Beteiligung an der Trianel Erneuerbare Energien GmbH, um ihre grüne Eigenstromerzeugung auszubauen.
 
Als langjähriger Sportflieger ist Dietmar Spohn luftige Sphären gewohnt. Aber auf der Gondel einer Windturbine Platz zu nehmen in gut 140 Meter Höhe, war für den Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum jüngst auch Neuland: „Das ist schon ein besonderes Feeling.“

Die Anlage, die Spohn – mithilfe eines Liftes innerhalb des Stahlrohrturms – erklommen hatte, war keine x-beliebige: Die Vestas V126 mit 3,45 MW Leistung gehört zu dem Quintett im nordhessischen Windpark Eiterfeld-Buchenau (Kreis Fulda), den die Trianel Erneuerbaren Energien GmbH (TEE), das grüne Tochterunternehmen der Stadtwerke-Allianz, vom Projektentwickler Abo Wind AG Ende vergangenen Jahres übernommen hat.

Und an TEE sind die Stadtwerke Bochum mittlerweile mit 11,2 Prozent beteiligt - und zwar „ganz bewusst“, so Spohn: „Wir nutzen diese Plattform, um gezielt den Anteil unserer regenerativen Eigenstromerzeugung auszubauen.“ Bochum gehört zu den insgesamt 37 Stadtwerken, die sich an dem Trianel-Tochterunternehmen beteiligt haben.
 
Hoch hinaus: Dietmar Spohn schaut auf die Welt in Nordhessen von der Gondel einer Windturbine
Bild: Stadtwerke Bochum GmbH

Nicht zuletzt weil TEE mittlerweile über ein Portfolio von 113 MW Windenergie und 26 MW Photovoltaik verfügt, haben die Stadtwerke Bochum derzeit dank dieser Beteiligungen und schon früher vollzogener Übernahmen etwa 115 MW regenerativer Erzeugung in Betrieb, in Bau oder in der Planung. „Von diesen 115 Megawatt sind bereits 73 MW in Bau und knapp 42 MW im Bau oder in Entwicklung“, erläutert Spohn.

Unter die Rubrik Bau fällt bei den Bochumern unter anderem die 20-MW-Beteiligung an der zweiten Baustufe des Trianel-Offshore-Windparks Borkum West. Die 32 bestellten Senvion-Windturbinen sollen alle, so sieht es der Plan vor, im Verlaufe des Jahres 2019 in Betrieb gehen. Nach dem Start des Hochseewindparks wird Bochum über eine Offshore-Windleistung von gut 57 MW verfügen, unter den Kommunalversorgern bundesweit dann ein Spitzenwert.

Weitere grüne Investitionen von 120 Mio. Euro bis 2025 stehen an

Erfreut zeigt sich Spohn über die bisherige Entwicklung der TEE-Aktivitäten: „Wir sind froh über diese Kooperation, da wir bei uns im Stadtgebiet und in der umliegenden Region gar nicht über die Flächen für die Errichtung eigener grüner Kraftwerke verfügen.“ Wie wahr: Bochum zählt zu den wenigen Großstädten in Nordrhein-Westfalen, auf deren Gemarkung derzeit und in absehbarer Zeit keine einzige Windturbine am Netz ist. Deshalb zählt der derzeit laufende Einbau weiterer Turbinen in das Wasserkraftwerk Bochum-Stiepel schon zu den größeren Aktivitäten vor Ort beim Ausbau der grünen Erzeugung, auch wenn die Gesamtleistung aller vier Turbinen demnächst unter einem Megawatt liegt.

Nach Spohns Worten liegt der grüne Anteil an der Eigenstromerzeugung in Bochum derzeit bei etwa 20 Prozent, das angepeilte Ziel von 25 Prozent bis Ende dieser Dekade hält er für machbar – dank TEE. Das Grünstrom-Netzwerk unter Trianel-Regie hat sich bis 2020 den Aufbau eines Portfolios von 275 MW vorgenommen, wovon allein 200 MW auf die Windkraft an Land entfallen sollen. „Stand heute ist, dass wir unsere Ziele vorzeitig erreichen“, betont Sven Becker. Angesichts der mittlerweile auch für die Onshore-Windkraft eingeführten Ausschreibungen für die Ermittlung der Förderhöhe erwartet der Trianel-Geschäftsführer bei den nächsten Windparks allerdings „einen Druck auf Preise und Renditen“. Um dem Druck standhalten zu können, setzt Trianel verstärkt auf selbst entwickelte Windparkprojekte. Dafür gibt es in der Aachener Zentrale ein 16-köpfiges Team, das, so Becker, „weiter wächst“.

Darauf setzen auch die Stadtwerke Bochum. Denn deren Ziel ist, ihren regenerativen Anteil an der Eigenstromerzeugung bis 2025 auf 35 Prozent aufzubauen. Womit nach eigenen Berechnungen Investitionen von rund 120 Mio. Euro verbunden sind. Um bis zum Jahr 2050 zumindest diesen 35-prozentigen Anteil zu halten, müssen die Bochumer Stadtwerke für ihre grünen Assets 240 Mio. Euro aufbringen. „Wir müssen einfach sehen, dass bis dahin alle unsere regenerativen Erzeugungsanlagen sicherlich mindestens einmal repowert, also erneuert werden müssen“, erklärt Spohn. Um in die Größenordnung von 80 oder 90 Prozent zu kommen, sind größere dreistellige Millionenbeträge notwendig. Der Stadtwerkechef: „Das ist aber alles Zukunftsmusik, soll aber die Dimensionen zeigen, die auf uns zukommen.“

Nach seinen Worten haben sich der Kommunalversorger auf die Fahnen geschrieben, nicht mehr nur grünen Strom zu beziehen, sondern eben auch zu produzieren. Deshalb ist Spohn froh über jede Windturbine aus dem TEE-Pool, die in den nächsten Wochen ans Netz geht. Über diesen Weg wollen die Stadtwerke eine Diskussion ad acta legen, die sie nervt. Ende März hatten einige Ökostromanbieter mehreren Energieunternehmen, darunter auch die Stadtwerke Bochum, eine bewusste Verbrauchertäuschung in Sachen Ökostrom vorgeworfen und Fehler bei der Stromkennzeichnung vorgehalten. Die Verbraucherzentrale NRW beließ es nicht nur bei einer Studie und einer bissigen Presserklärung, sondern mahnte Unternehmen wie die Mainova, die Stadtwerke Unna und eben auch die Bochumer Stadtwerke ab.

„Der Vorwurf der Täuschung ist einfach abwegig“, betont Spohn und verweist darauf, dass die Stadtwerke Bochum die eigene Stromkennzeichnung nach Paragraph 42 des Energiewirtschaftsgesetzes auf Basis des gültigen BDEW-Leitfadens vorgenommen haben. Dennoch hat der Kommunalversorger die von der Verbraucherzentrale NRW geforderte Unterlassungserklärung unterzeichnet. „Das bezieht sich auf die von uns veröffentlichten Aussagen, dass unser Strommix grüner ist als im Rest der Republik“, erklärt Spohn. Umso wichtiger sind für ihn die Beteiligungen an TEE und dem Offshore-Windpark Borkum West: „Das zeigt, dass wir nicht nur reden, sondern auch handeln.“
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Montag, 29.05.2017, 10:43 Uhr

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