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Enerige & Management > Windkraft - Jahresgebühr gegen Dauerblinken
Bild: Torsten Thomas
WINDKRAFT:
Jahresgebühr gegen Dauerblinken
Noch sind die Systeme, die das nächtliche Dauerblinken von Windturbinen bedarfsgerecht steuern sollen, sehr teuer. Ein neues Bezahlmodell soll Abhilfe leisten.
 
Einen Versuchsballon startet in diesen Tagen die Airspex GmbH an der deutsch-dänischen Grenze, um mehr Windmüller für ihr selbst entwickeltes System einer bedarfsgerechten Befeuerung für Windenergieanlagen zu begeistern. Danach müssen Windparkbetreiber nicht mehr das komplette System kaufen, sondern können die nächtliche Befeuerung ihrer Anlagen gegen eine Jahresgebühr via Internet steuern lassen. „Wenn unser Angebot angenommen wird, werden wir es sicherlich auf andere Regionen ausweiten“, sagte Arne Knox, der bei Airspex für den Vertrieb in Norddeutschland zuständig ist.

Zum Hintergrund: In der Vergangenheit mussten Windturbinen mit einer Gesamthöhe von mehr als 100 Metern zeitlich unbegrenzt als Hindernis für die Luftfahrt gekennzeichnet werden. In den Nachstunden blinkt deshalb vielerorts auf unzähligen Windenergieanlagen ein rotes Gefahrfeuer - meist zum großen Ärger der Anwohner, die in der Nähe solcher Windparks leben. Die zuletzt überarbeitete Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV) erlaubt nun bundesweit den Einsatz von passiven oder aktiven Radarsystemen für eine bedarfsgerechte Hinderniskennzeichnung. Diese Systeme erkennen, vereinfacht ausgedrückt, ob sich ein Flugobjekt dem Windpark nähert und schalten automatisch die Warnbeleuchtung ein und auch wieder aus.

Das Angebot von Airspex kommt nicht von ungefähr: Zwar gibt es mittlerweile erste Systeme für die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung von Windenergieanlagen, nur liegt deren Preis im sechsstelligen Euro-Bereich. Zuviel insbesondere für Betreiber kleinerer Windparks, die diese Investition deshalb scheuen.

„Der Druck auf die Windmüller steigt aber, in Systeme für die bedarfsgerechte Hindernisbefeuerung zu investieren“, verweist Oliver Frank, Sprecher des Arbeitskreises Kennzeichnung beim Bundesverband Windenergie, auf einen Beschluss der Umweltministerkonferenz der Ländern aus dem vergangenen Dezember, eine bundeseinheitliche Regelung einzuführen. Diesen Vorstoß hat die Bundesregierung aber vorerst abgelehnt.

Nachdem bereits Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr den ersten Versuch unternommen hatte, die Anti-Blink-Systeme für neue Windenergieanlagen mit vorgeschriebener Umweltverträglichkeitsprüfung verbindlich einzuführen, dürften in nächster Zeit ähnliche Initiativen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen folgen. Das lässt sich aus den Koalitionsverträgen für die neuen Landesregierungen in den beiden Bundesländern.

So hat sich das Dreier-Bündnisses aus CDU, Grünen und FDP im Norden auf folgende Regelung verständigt: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass bei Neuanlagen eine bedarfsgerechte Befeuerung gewährleistet ist und die Umrüstung von Bestandsanlagen weiter fördern. Bis 2022 soll die nächtliche Befeuerung vollständig auf bedarfsgerechte Befeuerung umgestellt sein.“
Der entsprechende Passus bei den schwarz-gelben Koalitionäre in Nordrhein-Westfalen klingt sogar eine Spur strikter: „Die bedarfsgerechte Befeuerung von Neuanlagen und mit Übergangsfrist auch für Altanlagen soll für Windenergieanlagenbetreiber verpflichtend werden.“

Um die Windparkbetreiber bei der Anschaffung der teuren Systeme für die bedarfsgerechte Hindernisbefeuerung zu entlasten, hat der BWE-Arbeitskreis Kennzeichnung folgende Lösung parat: „Die Behörden müssen das sogenannte Ersatzgeld, das immer für den Eingriff der Windenergieanlagen ins Landschaftsbild zu zahlen ist, um mindestens die Hälfte reduzieren“, sagt Sprecher Frank, „da die Windturbinen mit den neuen Erkennungssystem zu 50 Prozent der Betriebszeit, nämlich nachts, praktisch nicht befeuert werden, ist ein solcher Abschlag angemessen.“
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 24.08.2017, 14:19 Uhr

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