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Enerige & Management > Strom - Irreführende Herkunftsangaben
Bild: Fotolia.com, Mirko
STROM:
Irreführende Herkunftsangaben
Zahlreiche Energieversorger in Deutschland weisen einen zu hohen Ökostromanteil in ihrem Strommix aus und nutzen Regelungen der Stromkennzeichnungs-Vorschrift zum Etikettenschwindel.
 
Bei den Angaben zur Stromherkunft werden Verbraucher zunehmend in die Irre geführt, kritisiert der Hamburger Öko-Energieanbieter Lichtblick. Jährlich am 1. November müssen die deutschen Stromanbieter ihren aktuellen Strommix veröffentlichen. Dabei sind die 1 100 Anbieter gesetzlich verpflichtet, einen Ökostromanteil von bis zu 46 % in der Stromkennzeichnung ihrer Tarife auszuweisen, unabhängig davon, ob sie überhaupt regenerativ erzeugten Strom an ihre Kunden liefern. Das geht es aus einem Gutachten hervor, das Lichtblick beim Hamburg-Institut in Auftrag gegeben hat.

Laut der Stromkennzeichnungs-Vorschrift muss der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderte Ökostrom rein rechnerisch auf alle Stromkunden in Deutschland umgelegt werden. Dadurch werde „die tatsächliche Beschaffungspolitik eines Stromanbieters [...] von der Stromkennzeichnung immer weniger abgebildet“, heißt es dazu in dem von Christian Maaß angefertigten Gutachten. Zugleich biete der Gesetzgeber den Stromanbieter keine Möglichkeit, geförderten Wind- oder Solarstrom direkt an Kunden zu liefern. Auch verfehle die deutsche Stromkennzeichnung damit das von der EU vorgegebene Ziel, Kunden transparent über die Herkunft der gelieferten Energie zu informieren.

Forderung nach Reform der Stromkennzeichnung 

Maaß rechnet in seinem Gutachten damit, dass durch den fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien auch die Irreführung bei den Ökostromanteilen im deutschen Strommix weiter zunehmen wird. Sollte der durch das EEG geförderte Ökostromanteil bis 2025 wie geplant auf 45 % steigen, müsste laut dem Gutachten in den Privatkunden-Tarifen ein virtueller EEG-Pflichtanteil von rund 70 % ausgewiesen werden. Den privaten Haushalten wird ein überproportionaler EEG-Pflichtanteil zugewiesen, weil sie - anders als Industrieunternehmen - die volle EEG-Umlage zahlen müssen. Maaß schlägt in seinem Gutachten deshalb vor, die Stromkennzeichnung dahingehend zu reformieren, dass künftig nur noch die Energiemengen ausgewiesen werden, die ein Anbieter tatsächlich über erneuerbare Energien selbst für seine Kunden erzeugt oder einkauft.

Reformbedarf sieht auch Lichtblick, denn der Anbieter sieht sich durch die irreführende Stromkennzeichnung benachteiligt. Selbst Anbieter, die zu 100 % Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken an ihre Kunden verkaufen, dürfen nach den bestehenden Regelungen einen grünen EEG-Stromanteil von 46 % ausweisen. „Die Stromkennzeichnung ist staatlich verordneter Etikettenschwindel“, bringt es Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft bei Lichtblick, auf den Punkt. Seiner Meinung nach dürfe auf Stromprodukten nur das draufstehen, was auch im Strommix enthalten sei. „Die Kennzeichnung ist absurd. Energieanbieter, die nichts für die Energiewende tun, profitieren von diesem Greenwashing“, so Lücking. Dies sei den Verbrauchern aber nicht zu vermitteln.

Das 26-seitige Kurzgutachten des Hamburg Instituts kann unter www.lichtblick.de   abgerufen werden.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Mittwoch, 02.11.2016, 13:34 Uhr

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