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Enerige & Management > Aus Der Aktuellen Zeitungsausgabe - IoT-Sicherheit rückt in den Fokus
Quelle: E&M
AUS DER AKTUELLEN ZEITUNGSAUSGABE:
IoT-Sicherheit rückt in den Fokus
Keine Stadt, die Smart City werden will, wird wohl auf das Internet of Things (IoT) verzichten. Mit wachsender Bedeutung dürfte es aber auch das Interesse potenzieller Angreifer wecken.
 
Die Stadtwerke Tecklenburger Land, die 2014 als zentraler Versorger für sieben Kommunen in Westfalen gegründet wurden, werden mit dem Zweckverband KAAW (Kommunale ADV-Anwendergemeinschaft West) bei der Entwicklung einer Smart-City-Plattform kooperieren, hieß es kurz vor Weihnachten in einer Mitteilung des Versorgers. Beide Partner haben ihren Hauptsitz in Ibbenbüren.
 
2020 begann die SWTE Netz zusammen mit der Firma Beermann (im Hintergrund: Monteur Christopher König) mit dem Aufbau des Lorawan-Netzes in Ibbenbüren. Im Vordergrund: Projektleiter Reinhard Menke und Melanie Rößner, Geschäftsführerin von Beermann, sowie Tobias Koch, Geschäftsführer der SWTE Netz
Quelle: SWTE Netz

Die Plattform soll den Kommunen Hörstel, Hopsten, Ibbenbüren, Lotte, Mettingen, Recke und Westerkappeln als „digitales Cockpit“ zur Verfügung stehen, hieß es weiter. Dessen Umsetzung obliege der SWTE Kommunal GmbH & Co. KG, einer Tochtergesellschaft des Versorgers. Die Plattform werde dann über das Internet zugänglich und sei eine Art „digitales Schaufenster für die Region“, so formulierte es Tobias Koch, Geschäftsführer der SWTE Kommunal.

Grundsätzlich könne jede Kommune selbst entscheiden, welche Daten über die Plattform ausgespielt werden. „Zum Auftakt werden Umweltinformationen zur Verfügung gestellt wie Temperatur, Feinstaubbelastung und Bodenfeuchtigkeit“, sagte Richard Domin, Leiter der Stadtwerkeabteilung IoT und Kommunikationsnetzservice. Parkraummanagement, die Anzeige von Informationen über Pegelstände, verfügbare Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge oder Lärmpegeldaten seien weitere denkbare Anwendungen.

Lorawan-Netze zentraler Bestandteil der Digitalisierungsstrategie

Etwa 170 Kilometer weiter im Süden bauen die Stadtwerke Krefeld (SWK) gemeinsam mit der Kommune an der vernetzten Stadt. So kommunizierte es der Versorger Ende Januar. Im Mittelpunkt steht dabei ein Lorawan-Netz, das bereits für die Messung des Grundwasserspiegels an 450 Stellen in der Stadt und die Ermittlung des Füllstands von Altpapiersammelcontainern eingesetzt wird. Künftig könnten auch die Luftqualität, die Belegung von Parkplätzen und E-Ladesäulen oder die winterliche Beschaffenheit von Fahrbahnoberflächen über Sensoren im Lorawan-Netz ermittelt werden. Wer noch weitere Ideen für die Nutzung der Funktechnologie habe oder selbst Daten erheben möchte, solle sich einfach bei den Stadtwerken melden.

Dort ist man überzeugt, dass die Vernetzung von Geräten und Anlagen sowie der Austausch von Daten zahlreiche Chancen bietet, die Lebensqualität in der Stadt zu erhöhen. „Deshalb steht für uns fest, dass wir als SWK selbst aktiv an der Weiterentwicklung der Smart City mitarbeiten“, sagte SWK-Vorstandssprecher Carsten Liedtke. Dabei hatte das zuständige Bundesinnenministerium rund sechs Monate zuvor die Bewerbung Krefelds um Fördermittel in der damals aktuellen Ausschreibung im Modellprojekt Smart Cities noch abgelehnt. Doch die Partner zeigten sich entschlossen, am Ball zu bleiben und weiter Innovationsprojekte in den Bereichen Umwelt, Bildung, Verkehr und digitale Infrastruktur voranzutreiben.

Das sind nur zwei von zahlreichen Beispielen für Initiativen im Internet der Dinge (IoT), mit denen sich Städte und Gemeinden in Richtung Smart City oder Smart Region entwickeln wollen. Vor diesem Hintergrund erinnert ein Leitfaden der nordrhein-westfälischen Landesregierung daran, dass der Einsatz intelligenter Technologien kein Selbstzweck sein kann. Es gehe darum, das Stadtleben umweltschonender, energieeffizienter, stressbefreiter und auch partizipativer und transparenter zu gestalten.

Ländliche Regionen könnten zudem von einer verbesserten Anbindung an das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben profitieren. Den Digitalisierungsschub, der bedingt durch die Covid-Pandemie eingesetzt hat, müsse „für einen in Sachen Digitalisierung längst überfälligen Sprung nach vorne“ genutzt werden. Allerdings sieht die Landesregierung die Digitalisierung im öffentlichen Raum als eine „Daueraufgabe“. Beim Thema IT-Sicherheit beschränkt sie sich auf einen wenige Zeilen umfassenden Appell, die Bedeutung eines wirksamen Schutzes von kritischen Infrastrukturen sowie die Anforderungen an Datenschutz und -souveränität in einer Smart-City-Strategie nicht außer Acht zu lassen.

Handlungsempfehlungen für Informationssicherheit

Hier setzt das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an. Im Januar hat die Bonner Behörde ein 19-seitiges Dokument mit Handlungsempfehlungen zur Informationssicherheit für IoT-Infrastrukturen in Smart Cities und Smart Regions herausgebracht.

Die Autoren erinnern daran, erste Digitalisierungsprojekte seien zwar meist lose verknüpfte Anwendungen, wie der smarte Mülleimer oder die intelligente Straßenbeleuchtung. Mit dem künftigen Zusammenspiel der Applikationen und mit Erweiterungen der Systeme beispielsweise um ein intelligentes Gebäudemanagement oder eine bedarfsgerechte Energieversorgung wachse jedoch das Interesse potenzieller Angreifer. Die Kommunen müssten daher Risiken identifizieren, analysieren und durch präventive Maßnahmen angemessen kontrollieren.

Die Handlungsempfehlungen des BSI erstrecken sich insgesamt über sieben Phasen: von der Experimentierphase über den Betrieb bis zur Aktualisierung oder Ablösung der IoT-Infrastruktur mit der entsprechenden Datenmigration. Für jede Phase gibt es neben technischen auch organisatorische und prozessuale Empfehlungen. Auffallend häufig kommen dabei die Begriffe „Verantwortung“ und „verantwortlich“ vor. Für alle informationssicherheitstechnischen Belange sollten klare Verantwortlichkeiten mit daran geknüpften Pflichten und Aufgaben definiert und dokumentiert werden, heißt es beispielsweise.

Auch wenn die Digitalisierung kommunaler Infrastrukturen oft noch am Anfang steht, geht das BSI davon aus, dass künftig hochverfügbare Kommunikationsnetzwerke und Plattformen für diverse IoT-Anwendungen an die Integrität der Systeme immer höhere Anforderungen stellen. Deshalb plane die Behörde, auf Basis standardisierter und praxisrelevanter Modelle konkrete Sicherheitsanforderungen zu definieren. Auf diese Weise entstehe unter Verwendung geeigneter Prüfkriterien eine Grundlage für nachweisbar sichere Komponenten kommunaler IoT-Infrastrukturen.
 

Fritz Wilhelm
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