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Enerige & Management > Photovoltaik - Investitionen in Solaranlagen teils zurückhaltend
Quelle: Shutterstock/kittipong sirirattatanon
PHOTOVOLTAIK:
Investitionen in Solaranlagen teils zurückhaltend
Der Photovoltaikausbau gerät zum Teil ins Stocken, warnt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Er konstatiert eine rückläufige Investitionsbereitschaft bei Unternehmen.
 
Auf den ersten Blick sehen die Zubauzahlen gut aus: So stieg laut Bundesnetzagentur im ersten Halbjahr 2021 die heimische Nachfrage nach Solarstromanlagen um 22 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Jedoch: Dem BSW ist dieses Ausbautempo angesichts der zugespitzten Klimaschutzziele Deutschlands viel zu langsam. Insbesondere bei der solartechnischen Erschließung von Gewerbeflächen nimmt der Verband eine zunehmende Investitionszurückhaltung wahr. Im Mai etwa wurden in der wichtigen Photovoltaikleistungsklasse 0,3 bis 0,75 MW 57 % und im Juni 67 % weniger Solardächer bei der Bundesnetzagentur gemeldet als in den vergleichbaren Vorjahresmonaten.

"Teile des Solarmarktes geraten derzeit ins Stocken", erklärt Carsten Körnig. Der Hauptgeschäftsführer des BSW sieht diese Entwicklung als "Quittung" dafür, dass es die Bundesregierung vor der Sommerpause versäumt hat, die Solarausbauziele konsequent an die verschärften Klimaziele anzupassen und die Absenkung gesetzlich gewährter Marktprämien zu verlangsamen. "Wir verlieren wertvolle Zeit beim Klimaschutz", betont Körnig. 

Der Branchenverband verweist auf Erkenntnisse aus der Marktforschung und der Wissenschaft, wonach eine Verdrei- bis Vervierfachung der jährlich installierten PV-Leistung für notwendig erachtet wird. Der wachsende Strombedarf infolge des Atom- und Kohleausstiegs sowie der Elektromobilität sei anders nicht klimafreundlich zu stemmen. 

Kritik am "atmenden Deckel"

Der BSW hält ein Solarbeschleunigungsgesetz unmittelbar nach der Bundestagswahl im September für sinnvoll. Den aktuellen Rückgang der Investitionen in Solarstromanlagen ist seiner Ansicht nach das Resultat des in Paragraf 49 des EEG verankerten "atmenden Deckels". Zum Hintergrund: Der atmende Deckel legt eine monatliche Vergütungsabsenkung in Abhängigkeit des Solarzubaus fest. Dies führt zu drastischen Absenkungen der Einspeisevergütungssätze. Seit Anfang letzten Jahres sank die Solarstromförderung für die Betreiber neuer gewerblicher Solardächer um über 25 %. Gleichzeitig nahmen die Preise schlüsselfertiger Solarsysteme nach Erhebungen des BSW um lediglich 5 % ab. 

"Dieser Solardeckel muss endlich weg, zumindest aber deutlich angehoben werden", fordert Körnig. Dann würden auch deutlich mehr Unternehmen in die Solarisierung der Energieversorgung investieren. 

Situation im Freistaat Bayern

Wie drastisch der notwendige Zubau der Photovoltaik ist, veranschaulichte der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) in einer Mitteilung vom 2. August. Demnach müsse allein in Bayern die installierte Photovoltaikleistung von heute rund 15.000 MW auf rund 80.000 MW gesteigert werden, um ein klimaneutrales Bayern 2040 zu ermöglichen. 
Jedes Jahr müssten hierzu 3.400 MW an Leistung zugebaut werden. Das ist laut VBEW dreimal mehr, als es im Jahr 2020 der Fall war. Jährlich wären dafür 68 Quadratkilometer Fläche nötig, was laut dem Verband dem täglichen Zubau von 26 Fußballfeldern entspricht. 

Die Erschließung der benötigten Flächen müsse jetzt oberste Priorität haben, betont Detlef Fischer. "Es genügt nicht, wenn die Gemeinden ehrgeizige Energiekonzepte beschließen und dann vergessen, die für die Umsetzung benötigten Flächen für die Energiegewinnung auszuweisen", so der Geschäftsführer des VBEW. "Es kann nicht sein, dass Grundstückseigentümer bei den Gemeinden regelrecht betteln müssen, um auf ihren eigenen Flächen einen Beitrag für die Energiewende leisten zu dürfen."

Der VBEW sieht den Ball im Feld der Bundespolitik. Diese müsse der Energiewirtschaft die erforderlichen Rahmenbedingungen liefern und der Bevölkerung die Notwendigkeit des Erneuerbaren-Ausbaus erklären. Fischer: "Je länger die Staatsregierung damit wartet, desto schwieriger wird es, die anstehenden Aufgaben bis 2040 zu lösen." 
 

Davina Spohn
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