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Enerige & Management > Unternehmen - Innogy im Rahmen der Erwartungen
Bild: Kai Eckert
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Innogy im Rahmen der Erwartungen
Trotz leicht rückläufiger Erträge hat die Innogy SE in ihrem ersten Geschäftsjahr als eigenständiges Unternehmen die finanziellen Ziele erreicht.
 
 
„2016 war für uns ein Jahr des kalkulierten Übergangs“, machte Konzernchef Peter Terium am 13. März in Essen deutlich und blickte zufrieden auf die Entwicklung bei der RWE-Konzerntochter zurück. Alle angepeilten Ziele seien erreicht worden. Im vergangenen Jahr hatte der Essener Energieriese seine zukunftsfähigen Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in die Innogy SE ausgegliedert und die Tochter im Herbst an die Börse gebracht. Nun liegen die offiziellen Geschäftszahlen für 2016 vor.

Geringe Winderträge belasten

Das bereinigte betriebliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegt mit 4,2 Mrd. Euro im Rahmen der Erwartungen von 4,1 bis 4,4 Mrd. Euro. „Damit hat sich das bereinigte Ebitda gegenüber dem Vorjahr erwartungsgemäß verringert“, bestätigte Finanzvorstand Bernhard Günther. Er machte vor allem Mehraufwendungen für die Instandhaltung und Modernisierung der Netze in Deutschland und geringere Winderträge insbesondere im zweiten Halbjahr 2016 für die negative Entwicklung verantwortlich. Zudem hätten die Unternehmensbereiche der Innogy SE im Vorjahr noch von Einmaleffekten aus dem Verkauf eines Anteils am Windpark Galloper und der Konsolidierung des slowakischen Versorgers VSE profitiert.

Das Nettoergebnis gab Günther mit 1,1 Mrd. Euro an, dies sei exakt der Wert, der erwartet worden war. Insgesamt konnte Innogy im vergangenen Jahr 43,6 Mrd. Euro umsetzen, dies waren 4,3 % weniger als im Vorjahr. Dabei erzeugte das Unternehmen 10,0 Mrd. kWh Strom aus erneuerbaren Energien, 2,9 % weniger als 2015. 7 Mrd. kWh Strom wurden in Windkraft-Anlagen erzeugt, dies waren 500 Mio. kWh weniger als im Vorjahr. Das Ergebnis sei damit von den Winderträgen abhängig. Dennoch nehme Innogy derzeit kein Wetter-Hedging für die Winderzeugung vor, lediglich die Temperaturentwicklung werde abgesichert, erklärte Terium.

Den Unterschied zwischen einem „sehr guten und sehr schlechten“ Wetterjahr bezifferte Terium auf etwa 100 Mio. Euro im Ebitda. „Dieses Risiko ist bezogen auf die Gesamtbilanz vertretbar, ohne es zu hedgen“, so Terium. Rund 200 Mio. kWh Strom erzeugte Innogy im vergangenen Jahr mit anderen erneuerbaren Energien, etwa 800 Mio. kWh kommen aus konventionellen Anlagen. Die Produktion ihrer Erzeugungsanlagen in Deutschland verkaufte Innogy für durchschnittlich 31 Euro/MWh, nach 42 Euro/MWh im Vorjahr, heißt es im Geschäftsbericht.

Ihren Stromabsatz steigerte Innogy um 3,9 % auf nun 242,5 Mrd. kWh. Rückläufig war dagegen der Gasabsatz, der um 1,8 % auf 241,3 Mrd. kWh nachgab. Ursache hierfür waren Absatzeinbußen bei Weiterverteilern, die sich zunehmend bei anderen Anbietern eingedeckt hätten.

Strompreise bremsen Energiewende

Für Terium zählt die Wettbewerbsfähigkeit in den nächsten Jahren „mehr denn je“, wie sich bereits bei der Einführung von Auktionen beim Erneuerbaren-Ausbau in Deutschland zeige. Innogy müsse deshalb ihre Ausgangsposition im Wettbewerb der Energieversorger weiter ausbauen. Dazu zähle, Zukunftsthemen frühzeitig zu besetzen. Das Unternehmen sieht sich selbst als Pionier beim Aufbau der Ladeinfrastruktur und will der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen. Dazu sei im Januar eine eigene Geschäftseinheit für eMobility gegründet worden, die alle Aktivitäten des Konzerns bündeln soll. Im Geschäftsbereich Netze und Infrastruktur gewinne der Breitbandausbau zunehmend an Relevanz, so Terium. Auch im Geschäft mit der Energiewende will Innogy Marktentwicklungen analysieren und ihre Stärken nutzen.

Allerdings würden unaufhörlich steigende Abgaben und Umlagen viele Haushalte und Unternehmen belasten und die Akzeptanz der Energiewende gefährden, mahnte Terium. Während bei Privatkunden der Steuer- und Umlagenanteil beim Strom inzwischen bei 54 % liege, sei die Umlagenlast beim Energieträger Öl nur halb so hoch. Terium bezeichnete die Strompreise als „Bremsklotz der Energiewende“. Das hohe Strompreisniveau mache den Umstieg von einer Ölheizung auf eine umweltfreundliche Wärmepumpen-Anlage unrentabel. Dabei sei die Kopplung des Wärme- und des Verkehrssektors mit dem Stromsektor zwingend erforderlich, wenn Deutschland seine Klimaziele bis 2050 erreichen wolle, machte der Innogy-Chef deutlich.

Im Auslandsgeschäft sieht Terium ermutigende Zeichen für den „extrem schwierigen“ britischen Markt. Der Wechselkurs-Einbruch des Pfunds nach dem Brexit-Votum habe das britische Vertriebsgeschäft vor neue Herausforderungen gestellt. Zudem gebe es einen aggressiven Wettbewerb mit Kundenabwerbung „zu Margen, die nicht mehr zu vertreten sind“, so der Konzernlenker. Hier nehme er Kundenverluste zugunsten einer stabilen Gewinnmarge in Kauf.

Den Angaben zufolge versorgt Innogy in den Niederlanden 4,47 Mio. Kunden, dies sind rund 200 000 weniger als im Vorjahr. Dem gegenüber standen im vergangenen Jahr jedoch Kundenzugewinne in anderen Ländern. So habe sich gerade in Mittel- und Osteuropa das Vertriebsgeschäft positiv für Innogy entwickelt.

Das erste Geschäftsjahr 2016 sei erfolgreich abgeschlossen worden. „Daran wollen wir 2017 anknüpfen“, kündigte Finanzvorstand Günther an. Für das laufende Jahr erwartet er ein bereinigtes Ebitda von rund 4,4 Mrd. Euro und strebt ein Nettoergebnis von 1,2 Mrd. Euro an.
 

Kai Eckert
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Montag, 13.03.2017, 13:26 Uhr

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