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Enerige & Management > IT - In kleinen Schritten zu den großen Sprüngen
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In kleinen Schritten zu den großen Sprüngen
Digitalisierung ist unverzichtbar für die Energiewende, der Weg dorthin aber oft mühsam. Diese Erkenntnis stand im Fokus der Energietagung 2021 von Bayern Innovativ und FfE.
 
Digitalisierung sei ein Super-Werkzeugkasten für die Energiewende, sagte zur Eröffnung Rainer Sessner, CEO von Bayern Innovativ, dem Innovationsdienstleister des Freistaates. "Aber wenn ich an den Dialog mit manchen Stadtwerken denke, weil ich sechs Ladepunkte mit dynamischem Lastmanagement installieren will, dann schaut man oft in einen finsteren Wald", beschreibt er das Spannungsfeld, dass sich häufig zeigt.

Einen Blick auf das Thema aus großer Flughöhe warf Andrea Martin, KI-Forscherin und Leiterin des IBM Watson Center Munich, in der Keynote der Veranstaltung. Sie warnte davor, Digitalisierung mit Technologie gleichzusetzen. Um das Thema umfassend zu beschreiben, müsse man es als ein Dreieck aus Menschen, Prozessen und Technologien verstehen. Dass diese Erkenntnis aber in der Branche vielfach am Anfang stehe, zeigten Ergebnisse der Umfrage Digital@EVU, aus der Martin zitierte. Danach verfügen bislang nur 11 % der Energieversorger über eine ausgereifte Big Data-Infrastruktur zur Erfassung und Auswertung von Daten. Erst 21 % hätten KI-Anwendungen im produktiven Einsatz − "dabei ist das Thema längst aus dem Erprobungsstatus heraus", so die KI-Expertin. 

Schmetterling statt schnellerer Raupe

Sie rät Energieunternehmen dazu, vier Punkte zu verinnerlichen. Diese müssten erstens offener werden für Kooperationen etwa mit Start-ups, aber auch über Branchengrenzen hinweg. Zweitens sei eine passende Unternehmenskultur Voraussetzung für den Einsatz von Technologie. Bei der Prozessoptimierung sei drittens der Blick auf eine intelligente Transformation notwendig, damit aus einer Raupe "ein Schmetterling werde, nicht nur eine schnellere Raupe". Viertens sei bedeutsam, intern wie extern die richtigen Talente zu finden. 

Einen "Reality Check" für die Technologien Blockchain und KI lieferten Fabiane Völter von der Uni Bayreuth und Alexander Bogensperger von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in München, die Mitveranstalter der Energietage ist. Bei der Blockchain sind laut Völter viele Anwendungen der ersten Generation vor allem als dezentrale Datenbanken verstanden worden und dadurch in Probleme gelaufen wie mangelnde Skalierbarkeit und rechtliche Probleme aufgrund der Unveränderlichkeit der Datensätze. Mittlerweile werde Blockchain öfter als Infrastruktur verstanden, mit deren Hilfe sich etwa Prozessintegrität sicherstellen lasse.

Zu einer recht positiven Bewertung kommt Alexander Bogensperger bei KI: "Sie hat die Erwartungen erfüllt, zum Teil sogar übererfüllt." Ein Problem hätten aber beide Technologien gemeinsam: "Es mangelt an Realdaten, die für ihren produktiven Einsatz notwendig sind." 

Welche enormen Chancen sich durch Digitalisierung im Bereich der Sektorkopplung ergeben könnten, demonstrierten Xaver Pfab von BMW und Mathias Müller von der FfE anhand der E-Mobilität. Durch die Tatsache, dass sich auch E-Fahrzeuge 95 % der Zeit im Ruhemodus befinden, biete deren kombinierte Speicherleistung ein enormes Potenzial für den Stromsektor dar. Schon heute stellten alle E-Autos in Deutschland zusammengenommen einen gigantischen Batteriespeicher von 15.000 MWh dar, bis 2050 werde dieser Wert auf 2 Mio. MWh steigen. Zum Vergleich: Die deutschen Pumpspeicherkraftwerke kommen auf 40.000 MWh. Allerdings benötige die Bündelung der Auto-Batterien zu großen virtuellen Speichern eine umfassende Vernetzung aller beteiligten Systeme, für die eine Zusammenarbeit vieler Hersteller und Normungsgremien notwendig ist. Trotzdem ist sich BMW-Mann Pfab sicher: "In Zukunft werden praktisch alle E-Autos das bidirektionale Laden beherrschen."

Wie mühsam der Weg zu einer gewinnbringenden Digitalisierung, zum Beispiel im Gebäudesektor sein kann, zeigt das Beispiel des Projektes Memap für intelligente Plattformen bei Bestands-Quartieren. Im Rahmen des Projektes wurde eine modulare Software-Plattform entwickelt, mit der sich unterschiedliche Gebäude eines Quartiers wie Wohngebäude, Bürogebäude, produzierendes Gewerbe oder Lagerhallen vernetzen lassen, um Energie und Emissionen einzusparen. 

Für die − virtuelle − Erprobung des Systems mussten ein kleines Gewerbequartier bei München per Drohne und Laserscanner digitalisiert und in ein digitales Building Information Model (BIM) überführt und zugleich die Lastgänge der einzelnen Gebäude extra aufgezeichnet werden, berichtete Jan Mayer von der Fortiss GmbH, dem Landesforschungsinstitut des Freistaats Bayern für softwareintensive Systeme. Denn wieder einmal standen die Forschenden vor dem zentralen Problem vieler Digitalisierungsprojekte: "In klassischen Heizungskellern finden sich einfach nicht viele Daten", so Mayer.
 
 

Peter Koller
Redakteur
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Dienstag, 26.10.2021, 14:10 Uhr

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