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Enerige & Management > Wärmenetz - In Freiburg wachsen Wärmenetze zusammen
Bild: Richard Bradford/Shutterstock
WÄRMENETZ:
In Freiburg wachsen Wärmenetze zusammen
Die Badenova-Tochter „badenovaWÄRMEPLUS“ investiert 36 Mio. Euro in den Um- und Ausbau des Freiburger Wärmenetzes. Künftig werden industrielle Abwärme, Erneuerbare und BHKW genutzt.
 
Die ersten Bauarbeiten im baden-württembergischen Freiburg sind bereits gestartet. Nun stellte die Badenova Wärmeplus gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) sowie dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) das Projekt am 4. Mai vor. Mit industrieller Abwärme aus der Produktion der Schwarzwaldmilch GmbH und einer effizienten Vernetzung ihrer bestehenden Heizkraftwerke will die Badenova in den nächsten vier Jahren ein Wärmenetz der vierten Generation für die Freiburger Stadtteile Haslach und Vauban aufbauen.

Das Projekt „WÄRMEverbund Freiburg-Süd“ wird aus dem Programm Wärmenetze 4.0 der Bafa mit 11,6 Mio. Euro gefördert. Das Bundesprogramm bezuschusst den Bau von Wärmenetzen mit überwiegendem Anteil erneuerbarer Energien und Abwärme. Im Jahr 2024 soll der Wärmeverbund in Freiburg fertig sein.

„Der Freiburger Wärmeverbund zeigt beispielhaft, dass hocheffiziente Wärmenetze der vierten Generation auch zur Versorgung von Bestandsgebäuden umgesetzt werden können und keine perfekt gedämmte Neubausiedlung voraussetzen“, sagte Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik vom BMWi, bei der virtuellen Pressekonferenz. Zudem binde das Wärmenetz Erneuerbare-Quellen und Abwärme gezielt ein. Das mache es zu einem Vorzeigeprojekt.

Im Mittelpunkt des Projekts steht der Aufbau einer neuen Energiezentrale auf dem Gelände der Schwarzwaldmilch GmbH und die Nutzung der industriellen Abwärme aus deren Produktion. Hierbei handelt es sich um Niedertemperaturabwärme aus dem Abwasser und der Kältetechnik der Molkerei. Mittels Wärmepumpen wird die Badenova Wärmeplus diese Abwärme nutzbar machen und auf ein Temperaturniveau von 85 Grad Celsius anheben. Mit den dadurch zur Verfügung stehenden Mengen können bis zu 60 % des ermittelten Bedarfs gedeckt werden.

Schwarzwaldmilch-Geschäftsführer Andreas Schneider betont die Schlüsselrolle seines Unternehmens in diesem Projekt: „Im Sinne unserer ganzheitlichen Verantwortungsstrategie zeigen wir damit, dass ein nachhaltig betriebener Produktionsstandort inmitten der Stadt ein wichtiger Treiber für den Klimaschutz und für die innerstädtische Energiewende sein kann.“

BHKW sichern neben den Erneuerbaren die Wärmelieferung ab

Die industrielle Abwärme der Molkerei ist ein wesentlicher Faktor, dass das Netz wirtschaftlich ausgebaut werden kann. Mit den dazukommenden Wärmemengen soll das bestehende Wärmenetz ausgebaut und zusammengeführt werden. Dadurch wird aus drei Bestandsnetzen ein Wärmenetz, das sich überwiegend aus regenerativen Quellen speist. Da Menge und Leistung künftig deutlich über dem Bedarf dieses Netzes liegen, soll es in mehreren Schritten erweitert und mit Nachbarnetzen verknüpft werden.

Neben der Abwärme soll weitere regenerative Erzeugungsleistung über den Zubau eines Holzhackschnitzelkessels im Heizkraftwerk Vauban und mehrerer Blockheizkraftwerke in den bestehenden Energiezentralen Haslach und Vauban gesichert werden. Dahinter steckt laut der Badenova der Gedanke, diese BHKW flexibel als „Kurzläufer“ im Sinne der Sektorkopplung für den Ausgleich von regenerativen Stromschwankungen einzusetzen.

Die ersten Bauarbeiten sind gestartet. Derzeit wird die Energiezentrale Haslach modernisiert und mit neuen BHKW ausgestattet. Auf dem Gelände der Molkerei Schwarzwaldmilch läuft die Bauvorbereitung. Zudem wird in Freiburg in diesem Jahr zusätzlich ein Lorawan-Netz ausgerollt. Dadurch kommuniziert das Netz permanent mit den Kunden und kann deren Bedarfe optimieren und mit der Erzeugung und den Einspeiseleistungen synchronisieren.

„Bis 2025 ist über dieses neue Wärmenetz ein Absatz von rund41 Millionen Kilowattstunden möglich“, erklärte Badenova-Projektleiter Christian Paul. Aktuell seien es 24 Mio. kWh pro Jahr. Verglichen mit dem Status quo der Wärmeversorgung in Freiburg-Süd werde damit eine CO2-Einsparung von 75 % erreicht, was in der Summe zu einer dauerhaften Reduktion des CO2-Ausstoßes von jährlich 5.000 Tonnen führe.

Am Ende des Ausbaus speisen in ein 40 Kilometer langes Wärmenetz insgesamt fünf Heizzentralenstandorte Wärme ein. Die gesamte Erzeugungsleistung beträgt dann 34.650 kW thermische und 6.300 kW elektrische Leistung. Rund 60 % werden aus erneuerbaren Quellen stammen. Die eingesetzten Energieträger sind industrielle Abwärme, Holzhackschnitzel, Solarthermie und Erdgas.
 

Heidi Roider
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Dienstag, 04.05.2021, 15:33 Uhr

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