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Enerige & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Im Zeichen der sogenannten Zufallsgewinne
Quelle: E&M
AUS DER AKTUELLEN AUSGABE:
Im Zeichen der sogenannten Zufallsgewinne
Wie beeinflusst die von der EU beschlossene Erlösabschöpfung den PPA-Markt? Das war eines der Themen auf den Messen Wind Energy und Re-Source.
 
Langfristige Ökostrom-Direktlieferverträge aus konkreten Erneuerbaren-Anlagen, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA), haben eigentlich auch in Europa ein Hoch: vervielfachte Ausbauziele, gesunkene Errichtungskosten, ungeahnte Erlöschancen seit der Energiepreisrallye, Nachfrageüberhang von Unternehmen, die sich dekarbonisieren und von den fossilen Preisen entkoppeln wollen. Die jährliche Weltmesse für PPA, die Re-Source in Amsterdam, platzte im September mit knapp 1.000 Käufern und Verkäufern aus allen Nähten.

Die Champagnerlaune wurde zuerst in Südeuropa getrübt. Den Anfang machte Spanien im September 2021: „Zufallsgewinne“, „Windfall Profits“, die die Wind- und Solarkraft angeblich unverdient zugeweht bekomme, werden oberhalb neuer, nationalstaatlich festgelegter Preisdeckel abgeschöpft, um mit den Abgaben die Stromendpreise zu dämpfen.

Zwölf Monate später − kurz vor der Hamburger Weltleitmesse Wind Energy − präsentierte die EU-Kommission einen unionsweiten Abschöpfungsmechanismus. Er soll ab 180 Euro/MWh greifen. Am letzten Tag der Re-Source eine Woche später stimmten dem Vorschlag die Minister zu − jetzt fehlt nur noch das Europaparlament.
Podiumsteilnehmer auf der Wind Energy waren sich in einem einig: Jetzt komme es auf die nationale Umsetzung an. Sven Wolf, dessen Scottish Power Renewables ihren gesamten Stromverkauf auf PPA umgestellt hat, äußerte die Sorge, ein Deckel „könnte den Markt zerstören“, und drückte die Hoffnung auf eine PPA-Ausnahme aus, da sie zum Business-to-Business-Geschäft zählt. Britta Ersman von RES Renewable Norden hielt demgegenüber nur eine Abschöpfung auf stündlicher oder täglicher Basis für „zerstörerisch“, weniger aber, wenn die PPA-Erlöse eines Quartals betrachtet werden.
 
Auf der Wind Energy (v.l.): Joop Hazenberg (Re-Source Platform), Marco Zagonel (Schneider Electric), Britta Ersman (RES Renewable Norden), Sven Wolf (Scottish Power Renewables), Harry Vickers (Green Investment Group)
Quelle: E&M / Georg Eble

Belgien etwa geht konkrete Schritte in Richtung 130 Euro/MWh. Ein Flickenteppich aber hinsichtlich Preisen und Ausnahmen würde einem Großeinkäufer wie Google den Europa-Einkauf erschweren, sagte auf einem Podium der Re-Source Amanda Peterson Corio, Global Head of Data Center Energy von Google. Der Big-Data-Konzern ist mit seiner geografisch verteilten Nachfrage nach Ökostrom auch auf grenzüberschreitende PPA angewiesen (siehe dazu auch Seite 8). Es ist völlig unklar, wie mit unterschiedlichen Regeln im Erzeugungsland und in den Verbrauchsländern umgegangen werden müsste.

Eine akademische Diskussion − darauf wollte auf der Re-Source Paula Abreu Marques, Head of Unit bei der EU-Kommission, hinaus: Der Erlösdeckel liege unter den „gegenwärtigen und künftigen“ Börsenpreisen und verschaffe den Erneuerbaren im Gegenteil einen Vorteil.

Warum ist der deutsche Markt klein?

Über welches PPA-Marktvolumen in Europa die Branche redet, darüber gab Joop Hazenberg, Co-Direktor der Re-Source, zum Auftakt der Messe gegenüber dem Onlinedienst von E&M Auskunft, zumindest was Industriestrom (Corporate PPA) angeht. „Der wächst weiter“, sagte Hazenberg, „europaweit sehen wir jetzt schon 3,4 Gigawatt im Vergleich zu 8 Gigawatt 2021. Und die Abschlusssaison fängt gerade erst an.“ Für Deutschland ging die unter Vertrag genommene Leistung ihm zufolge von 970 auf 322 MW zurück. Die Zahl der Abschlüsse stieg zeitgleich von 12 auf 14.

Und warum ist der deutsche PPA-Markt so klein im Vergleich etwa zu Spanien? Dazu gab Marco Zagonel von Schneider Electric auf der Wind Energy eine Einschätzung: Die deutschen Wind- und Solarausschreibungen seien mit ihren maximalen Garantiepreisen zwischen 5 und 6 Ct/kWh „zu großzügig“. Projektentwickler „brauchen dann keine Unternehmenskunden“, sie gäben sich mit der Spotvermarktung zufrieden. Da sie mangels Genehmigungen schon von unterzeichneten Onshore-Windausschreibungen ausgehen könnten, „bieten alle auf den Höchstpreis“.
 

Georg Eble
Redakteur
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Montag, 14.11.2022, 08:54 Uhr

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