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Enerige & Management > Geothermie - IEG erforscht tiefe Gesteine für das Aachener Fernwärmenetz
Bild: Fotolia.com, Cardaf
GEOTHERMIE:
IEG erforscht tiefe Gesteine für das Aachener Fernwärmenetz
Die Aachener Stadtwerke (Stawag) erforschen gemeinsam mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG), woher klimafreundliche Wärme gewonnen werden kann.
 
In Zukunft soll Wärme aus der Tiefe geholt und in das Aachener Wärmenetz eingespeist werden. Die Thermalquellen, die schon die ersten deutschen Kaiser nutzten, könnten nun klimafreundlich und regenerativ Warmwasser und Heizung liefern. Die Aachener Stadtwerke Stawag schlossen mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) eine Kooperationsvereinbarung, um die Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln.

„Wir haben in den letzten Jahren große Erfolge beim Ausbau der erneuerbaren Energien rund um Energieeffizienz und Elektromobilität erzielt“, erläuterte Christian Becker, Vorstand der Stawag. „Rechnerisch erzeugen wir schon heute die gesamte Menge des Stromverbrauchs der Aachener Haushalte und kleineren Gewerbebetriebe in eigenen Ökostromanlagen.“

Wärmeversorgung regenerativ sichern

Jetzt gelte es, auch die Wärmeversorgung auf „grün“ zu stellen. Bislang werde der größte Teil der Aachener Nah- und Fernwärme aus der Abwärme des Kohlekraftwerks Weisweiler bezogen. Diese Versorgung soll bis 2030 durch hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energien wie beispielsweise Geothermie ersetzt werden. Auch solarthermische Projekte und innovative Nahwärmekonzepte stehen auf der Agenda der Stawag.

„Wärme ist die halbe Energiewende“, unterstrich Prof. Rolf Bracke, Leiter der IEG, bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung. „Unsere Forschung unterstützt kommunale Energieversorger, Industrien und Immobilienunternehmen dabei, Heizungs- und Prozesswärme in Zukunft nachhaltig, regional und versorgungssicher zu gewinnen“, sagte er.

Nutzbare Gesteinsschichten finden

Eine wichtige Technologie sei die hydrothermale Geothermie, die heißes Wasser aus dem tiefen Untergrund als Wärmequelle nutzt. „Wie viel geothermische Energie in der Aachener Region steckt, wollen wir nun gemeinsam mit der Stawag klären“, kündigte Bracke an. In einem Aufsuchungsfeld im Aachener Nordosten soll die wissenschaftliche Voruntersuchung beginnen. Erstes Ziel sei es, die vielversprechendsten Gesteinsschichten in einer Tiefe von drei bis fünf Kilometern zu kartieren und Hinweise auf darin fließendes Thermalwasser mit Temperaturen von über 100 Grad Celsius zu finden.

Dazu könnten Echolot-Verfahren und Explorationsbohrungen dienen. Ihre Ideen für Aachen haben die beiden Partner auch schon im Förderaufruf „Sofortprogramm Plus“ der Zukunftsagentur Rheinisches Revier vorgestellt und im vergangenen Jahr dafür die Auszeichnung 2. Stern erhalten. Die beiden Partner beteiligen sich auch gemeinsam mit der Stadt Aachen am laufenden Förderwettbewerb des Landes NRW zur klimafreundlichen Umstellung kommunaler Wärmeversorgungen.
 
Bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung (v.l.) Rolf Bracke, Leiter der IEG, Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie, Christian Becker, Vorstand der Stawag
Bild: Stawag/A. Steindl

Ein Drittel der Kohlewärme ersetzen

Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie GmbH, erläuterte: „Insgesamt erhoffen wir uns, mit der Tiefengeothermie ein Drittel der Leistung, die wir bislang aus Weisweiler beziehen, ersetzen zu können.“ Bis es soweit ist, werden noch einige Jahre vergehen. „Aachen hat eine 2.000 Jahre lange reiche Geschichte der Thermalwassernutzung für die Wärmeversorgung – vom ersten geothermischen Wärmenetz in römischer Zeit über die Tuchproduktion im Mittelalter von Karl dem Großen bis zu den heutigen Kurhäusern und Bädern«, erklärte Bracke.

Nach München sei Aachen mit dem Nahwärmenetz in Aachen-Burtscheid bereits die zweite deutsche Großstadt mit einer geothermischen Versorgung aus heißen Kalkgesteinen. Die Aachener und Burtscheider Quellen im Stadtgebiet speisen sich aus einer verkarsteten Kalksteinschicht, die in der Eifel versickerndes Wasser aus großer Tiefe als Thermalwasser wieder an die Oberfläche führt. Davon entkoppelte, aber ähnliche geologische Strukturen dürfte es auch im Osten und Norden von Aachen geben, deren Wasser es aber nicht allein bis an die Oberfläche schafft.

Die Städte München und Paris fördern seit vielen Jahren solches Thermalwasser aus tiefen Brunnen und nutzen es für ihre Fern- und Nahwärmenetze. In den Niederlanden und in Belgien heizen Landwirte ihre Gewächshäuser mit heißem Thermalwasser. „Um diesen Beispielen zu folgen und Aachen mit nachhaltiger Wärme zu versorgen, brauchen wir mehr Daten aus der Region“, kündigte Bracke an.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 18.02.2021, 15:07 Uhr

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