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Enerige & Management > Gas - IEA zieht Belastungsgrenze für EU-Gasmarkt
Quelle: Pixabay / StockSnap
GAS:
IEA zieht Belastungsgrenze für EU-Gasmarkt
Die IEA sieht die Füllstände der EU-Gasspeicher im Extremfall bis Februar auf bis unter 5 % absinken. Ob die Belastungsgrenze erreicht wird, ist nicht zuletzt eine Frage der Nachfrage.
 
Sparen, sparen, sparen. Nach dem jüngsten Gasmarkt-Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) muss der Gasverbrauch deutlich verringert werden, um das Risiko von Versorgungsunterbrechungen im Winter klein zu halten. Die Organisation mit Sitz in Paris hat in einer „Belastbarkeitsanalyse“ aufgezeigt, wie weit sich die Gasspeicher in Europa bis Februar im Extremfall leeren könnten.

Die IEA-Experten gehen für ihre Berechnung von einer vollständigen Unterbrechung den russischen Pipeline-Lieferungen in die EU ab 1. November aus. Sinkt der Verbrauch nicht, sacken die Füllstände der Speicher im Februar unter die 20-Prozent-Marke, für den Fall, dass das Angebot an Flüssigerdgas (LNG) hoch ist. Ist wenig LNG verfügbar, rauscht der Wert unter 5 %. Ob 20 oder 5 % – eine solches Absinken würde das Risiko von Versorgungsunterbrechungen bei einem späten Kälteeinbruch erhöhen, warnt die IEA.

Nachfrage müsste um 9 bis 13 Prozent sinken
 
Um das Speicherniveau bei schwachen LNG-Zuflüssen auf über 25 % zu halten, müsste der Modellrechnung zufolge die EU-Gasnachfrage im Winterhalbjahr um 9 % geringer sein als durchschnittlich in den vergangenen fünf Jahren. Eine Verringerung der Nachfrage um 13 % bräuchte es, damit die Speicher dann noch zu gut einem Drittel gefüllt wären. Maßnahmen zur Einsparung von Gas werden von entscheidender Bedeutung sein, um die Vorräte bis zum Ende der Heizsaison „auf einem angemessenen Niveau zu halten“, heißt es.

Was die LNG-Importe angeht, prognostiziert die IEA für dieses Jahr einen Anstieg um mehr als 60 Mrd. m3. Das entspreche mehr als dem Doppelten der weltweit hinzukommenden Exportkapazitäten. Der internationale LNG-Handel gerate kurz- bis mittelfristig unter starken Druck.

Europas steigende Nachfrage nach LNG – um plus 65 % ersten acht Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahr - habe das Angebot von den Abnehmern im asiatisch-pazifischen Raum abgezogen. Dort sei die Nachfrage im gleichen Zeitraum aufgrund hoher Preise, des milden Wetters und Covid-Lockdowns in China um 7 % zurückgegangen. Die Importe Chinas fallen auch in den verbleibenden Monaten dieses Jahres niedriger aus, so die Experten. Doch im nächsten Jahr könnten die LNG-Einfuhren wieder zulegen, seit Anfang 2021 habe das Land eine Reihe neuer Lieferverträge geschlossen. Zudem verweist die IEA darauf, dass ein überdurchschnittlich kalter Winter zu einer zusätzlichen Nachfrage aus Nordostasien führen würde, was die Marktverknappung weiter verstärken würde.

Märkte bleiben 2023 „sehr angepannt“

Die Organisation schätzt, dass der globale Erdgasverbrauch dieses um 0,8 % zurückgehen wird. Ausschlaggebend sei der „Rekordrückgang von 10 %“ in Europa. Die Nachfrage im asiatisch-pazifischen Raum sei unverändert geblieben. Für das nächste Jahr rechnet sie mit einem Anstieg des weltweiten Gasverbrauchs um 0,4 %. Die Prognose sei aber mit großer Unsicherheit behaftet, vor allem im Hinblick auf das künftige Vorgehen Russlands und die wirtschaftlichen Auswirkungen der hohen Energiepreise.

"Die Aussichten für die Gasmärkte bleiben getrübt, nicht zuletzt wegen Russlands rücksichtslosem und unberechenbarem Verhalten“, sagte IEA-Direktor Keisuke Sadamori anlässlich der Vorstellung des Berichts. Alles deute darauf hin, „dass die Märkte bis weit ins Jahr 2023 hinein sehr angespannt bleiben werden“.

Die IEA stellt die Analyse auf ihrer Website als Download bereit: Gasmarkt-Bericht Q4  
 

Manfred Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Dienstag, 04.10.2022, 16:25 Uhr

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