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Enerige & Management > Stromnetz - Homann kritisiert "Schlagworte statt Lösungen"
Bild: Bundesnetzagentur
STROMNETZ:
Homann kritisiert "Schlagworte statt Lösungen"
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sieht keine Alternative zum Netzausbau. Den Kritikern wirft er Kurzsichtigkeit vor.
 
Vielleicht war es reiner Zufall, dass Homann genau das Beispiel Nürnberg wählte, um zu illustrieren, was eine reine dezentrale Stromversorgung für eine Metropolregion bedeuten würde. Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender des Nürnberger Regionalversorgers N-Ergie, ist bekanntermaßen ein scharfer Gegner der geplanten Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland. Bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsbeirats der Union in München warf Homann einige Zahlen in den Raum, um zu verdeutlichen, dass es ohne einen großflächigen Netzausbau und vor allem ohne die geplanten HGÜ-Leitungen nicht gehe.

„Wir haben einmal ausgerechnet, was es bedeuten würde, wenn sich die Metropolregion Nürnberg mit 3,5 Mio. Einwohnern selbst mit Strom versorgt.“ Um den Jahresbedarf von 19 Mrd. kWh Strom zu decken, müssten 3 000 Windräder der 3-MW-Klasse dort gebaut werden, sagte Homann. „Ich weiß nicht, ob das mit der Zehn-H-Regelung in Bayern zusammengeht.“ Die Vorschrift besagt, dass Windräder nur in einer Entfernung des zehnfachen Abstands ihrer Höhe zur nächsten Wohnbebauung errichtet werden dürfen.

36 Mio. Elektroautos als Speicher nötig

Bei einer dreiwöchigen Flaute in der Region Nürnberg wären, um den benötigten Strombedarf von 1,1 Mrd. kWh über Speicher zu decken, 36 Mio. Elektroautos oder 130 Pumpspeicherkraftwerke nötig. „Wenn man sich diese Zahlen vorstellt, kommt man nicht mehr auf die Idee, die Energiewende allein dezentral oder autark zu organisieren.“

Homann räumt ein, dass der Netzausbau in den kommenden Jahren gewaltige Summen verschlingt. So schätzen die Übertragungsnetzbetreiber den Investitionsbedarf an Land auf 30 bis 35 Mrd. Euro bis 2030. Die Anbindung der Offshore-Windparks wird auf 17 bis 24 Mrd. Euro veranschlagt. Der Investitionsbedarf der Verteilnetze liege nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums zwischen 23 und 49 Mrd. Euro bis 2032. Hier hofft Homann allerdings, dass der Einsatz von intelligenter Technik wie regelbare Ortsnetztrafos die Ausbaukosten reduzieren.

Trotz dieser Zahlen gebe es keine Alternative zum Netzausbau. Die von den Kritikern vorgeschlagene Dezentralität der Stromversorgung sei nur beding möglich, siehe Nürnberg. Ohne Netzausbau müsste das Netz auch ständig ausgeregelt werden, was teuer sei – Stichwort Redispatch. Mittlerweile betragen die finanziellen Aufwendungen für die Ausregelung des Netzes pro Jahr mehrere 100 Mio. Euro. 2015 waren es 1,1 Mrd. Euro, 2016 wegen eines schwachen Windjahres 850 Mio. Euro. „Diese Kosten haben wir ewig am Hals. Jedes Jahr wieder. Und jedes Jahr steigend.“

Investitionen in Netze sind einmalig

Die Investitionen in neue Netze seien hingegen einmalig, sagte Homann. Es sei falsch und unbezahlbar, Vermeidung von Netzausbau zum obersten Gebot der Energiewende zu machen. Die Kritiker des Netzausbaus würden ihre Alternativen nicht so hinterfragen wie den Netzausbau selbst, stattdessen würden „Schlagworte als Lösungen angesehen“. Alles aus dem bestehenden Netz herauszuholen sei kurzsichtig, es würde trotzdem auf Dauer nicht reichen.
 

Stefan Sagmeister
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Donnerstag, 14.09.2017, 11:29 Uhr

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