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Enerige & Management > IT - Heimspeicher zu virtuellem Kraftwerk vernetzt
Bild: Fotolia, Nmedia
IT:
Heimspeicher zu virtuellem Kraftwerk vernetzt
Der Batteriespeicher-Hersteller "sonnen" hat eine Software entwickelt, mit der sich Heimspeicher und andere Geräte noch effizienter zum virtuellen Kraftwerk vernetzen lassen.
 
Das Unternehmen aus Wildpoldsried (Bayern) betreibt ein virtuelles Kraftwerk, das nach eigenen Angaben aus Tausenden Heimspeichern in ganz Deutschland besteht. Die An- und Abschaltung der Anlagen steuert Sonnen seit neuestem über ihre Software „sonnenVPP“. Das virtuelle Kraftwerk lässt sich nun um bis zu 90 % kosteneffizienter betreiben.

Grund ist die kürzliche Änderung der Mindestanforderungen der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber für Kleinanlagen: Seit Mitte März 2020 dürfen auch Kleinstanlagen mit einer Leistung von bis 25 kW − wie etwa Heimspeicher, Wärmepumpen oder Ladegeräte für E-Autos − über das öffentliche Internet miteinander vernetzt werden. 

„Unsere Stromspeicher werden jetzt auch als solche anerkannt und müssen nicht mehr so tun, als wären sie ein Kernkraftwerk in einer Streichholzschachtel", sagt Jean-Baptiste Cornefert von Sonnen zu dieser Änderung. Zum Hintergrund: Eine handelsübliche 3-kW-Batterie in den Regelenergiemarkt zu bringen war zuvor mit dem gleichen Aufwand verbunden, wie ein 1.000-MW-Kernkraftwerk ans Netz anzuschließen. Dafür waren laut Sonnen bislang Zusatzgeräte notwendig, die extra hergestellt werden mussten. 
 
Funktionsprinzip des virtuellen Kraftwerks. Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken.
Bild: Sonnen
 
Dies sei nun nicht mehr erforderlich, woraus Sonnen auf die nun deutlich günstigere Vermarktung der Anlagen schließt. Jeder Speicher werde nicht mehr wie bisher als einzelnes Kraftwerk betrachtet, sondern könne jetzt über das Internet mit anderen Speichern verbunden werden und bilde so zusammen ein einzelnes Kraftwerk (siehe Grafik).

Notwendig sei nun nur eine funktionierende Internetverbindung mit verschlüsselter VPN-Verbindung und weitere sicherheitsrelevante Vorkehrungen. Diese Anforderung erfülle die von Sonnen entwickelte Software, Die Regelenergie aus dem virtuellen Kraftwerk könne "dauerhaft stabil und deutlich wirtschaftlicher erbracht werden", heißt es. 

Netzstabilität auch bei Ausfall des Internets
Die über das Internet vernetzten Heimspeicher fasst Sonnen in einem Rechenzentrum zu einzelnen 2-MW-Bündeln zusammen. Dort werde die Trennung vom ​Internet über den Medienbruch, wie ihn die Übertragungsnetzbetreiber vorschreiben, vorgenommen. Bislang benötigte jede einzelne Batterie laut Sonnen einen eigenen, vom Internet unabhängigen Kommunikationskanal und einen eigenen Medienbruch. Dieser Aufwand falle nun weg. 
Ein Bonbon für die Netzbetreiber: Die vernetzten Kleinstanlagen können helfen, die Netze weiterhin stabil zu halten, auch bei einem großflächigen Ausfall der Internet- und Mobilfunk-Infrastruktur, so Sonnen. Dafür sorge ein intelligenter Algorithmus, über den sich die einzelnen Heimspeicher vorübergehend und unabhängig von einer Internetverbindung am virtuellen Kraftwerk beteiligen. Erst wenn sich die "unendliche Anzahl von Kleinstanlagen" leicht vernetzen lassen, können sie im Energiesystem sinnvoll genutzt werden und Aufgaben konventioneller Kraftwerke übernehmen, davon ist Cornefert von Sonnen überzeugt. 

​Software auch für Drittanbieter
Sonnen vergibt Lizenzen ihrer Software auch an andere Unternehmen. Die zum Patent angemeldete Technologie lässt sich somit auch von Drittanbietern verwenden. „Dies ist ein Paradigmenwechsel in der Energiewelt, da Prosumer durch die neuen IT-Anforderungen der Übertragungsnetzbetreiber eine gleichberechtige Stellung gegenüber den großen Kraftwerken erhalten und Stabilitätsaufgaben im Stromnetz übernehmen können", so Stephan Lindner von Sonnen. 
 

Davina Spohn
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Donnerstag, 09.04.2020, 12:56 Uhr

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