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Energie & Management > Bilanz - Hamburg beschleunigt Wärmewende
Das GuD Dradenau im Hamburger Hafen gilt als Herzstück der künftigen Wärmeversorgung. Quelle: HEnW
Bilanz

Hamburg beschleunigt Wärmewende

Mit Milliardeninvestitionen treiben die Energiewerke Hamburg die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung voran. Sie setzen dabei auf Abwärme, erneuerbare Energien und neue Infrastrukturen.

Die Hamburger Energiewerke (HEnW) haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem positiven Ergebnis von 19,3 Millionen Euro abgeschlossen und liegen damit rund 5 Prozent über Plan. Im Vorjahr hatten die HEnW noch ein Ergebnis von 48,9 Millionen Euro erzielt. Den im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Gewinn begründen die HEnW mit höheren Zinsaufwendungen und Abschreibungen aufgrund der Investitionstätigkeiten sowie rückläufigen Marktpreisen.

Seit dem Jahr 2022 haben die HEnW rund 1,5 Milliarden Euro in die Wärmewende investiert. Das Ergebnis: Bereits rund ein Drittel der Wärme im Hamburger Stadtnetz stammt aus klimaneutralen Quellen. Damit gehört Hamburg bundesweit zu den Vorreitern bei der Dekarbonisierung großer Fernwärmesysteme.

Einen wesentlichen Beitrag leistet die Nutzung industrieller Abwärme. Seit dem vergangenen Jahr speist der Kupferhersteller Aurubis Prozesswärme in das Fernwärmenetz ein. Unterstützt wird die Integration durch einen neuen Wärmespeicher, der mehr Flexibilität ermöglicht. Der Anteil von Wärme aus Industrieabwärme und Müllverwertung am Fernwärmemix stieg dadurch von 19 Prozent im Jahr 2022 auf inzwischen 31 Prozent. Nach Angaben der Hamburger Energiewerke profitieren rechnerisch rund 540.000 Wohneinheiten von den Fortschritten bei der Dekarbonisierung.

Fernwärme bleibt das Rückgrat der Transformation

Gleichzeitig investieren die HEnW in den weiteren Ausbau ihrer Erzeugungs- und Speicherinfrastruktur. Herzstück der künftigen Wärmeversorgung ist der Energiepark Hafen. Mehrere zentrale Komponenten, darunter die Power-to-Heat-Anlage, die Abwasser-Wärmepumpe und ein großdimensionierter Wärmespeicher, sind bereits fertiggestellt. Auch die sogenannte Südleitung zur Anbindung an das Stadtnetz steht kurz vor der Inbetriebnahme.

Entscheidend für den Gesamtbetrieb ist die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD), die künftig verschiedene klimafreundliche Wärmequellen bündeln wird. Die Anlage ist nach Unternehmensangaben zu mehr als 90 Prozent fertiggestellt und soll Ende des Jahres in Betrieb gehen. Um die Versorgungssicherheit während des Übergangs zu gewährleisten, bleibt das Heizkraftwerk Wedel bis zum Ende der Heizperiode 2026/2027 parallel in Betrieb. Die endgültige Stilllegung ist für den 1.Juli 2027 vorgesehen.

Bis spätestens 2030 wollen die Hamburger Energiewerke vollständig aus der Kohleverstromung aussteigen. Dafür sind weitere erhebliche Investitionen geplant. Nach Angaben der Geschäftsführung sollen bis zum Ende des Jahrzehnts rund 1,87 Milliarden Euro in das Fernwärmesystem sowie weitere 700 Millionen Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen.

Ausbau Erneuerbarer und neue Angebote für Haushalte

Neben der Wärmewende setzen die HEnW auch auf den Ausbau der eigenen Ökostromerzeugung. Im Jahr 2025 übernahm das Unternehmen Mehrheitsanteile an zwei Freiflächen-Solarparks mit Batteriespeichern im Raum Schwerin. Zusätzlich wurde der eigene Solarpark Northeim in Betrieb genommen. Die drei Anlagen erzeugten in diesem Jahr bereits rund 45.000 MWh Strom – ausreichend, um rechnerisch etwa 18.000 Zwei-Personen-Haushalte mit Energie zu versorgen.

Auch im Privatkundensegment erweitert der Versorger sein Angebot. Seit 2024 vermitteln die HEnW gemeinsam mit regionalen Handwerksbetrieben Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen. Die Nachfrage entwickelt sich dynamisch: Rund 250 Anfragen für PV-Anlagen und mehr als 500 für Wärmepumpen wurden bislang registriert. Ergänzt wird das Portfolio inzwischen durch Wallboxen für die Elektromobilität.

Für Hamburgs Umweltsenatorin und Aufsichtsratsvorsitzende Katharina Fegebank zeigt die Entwicklung, dass die Stadt trotz schwieriger energiepolitischer Rahmenbedingungen konsequent an ihren Klimazielen festhält. Die Hamburger Energiewerke seien dabei ein zentraler Baustein für eine resiliente, klimafreundliche und langfristig unabhängige Energieversorgung. 

Christiane Preuß, Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke, forderte mehr Planungssicherheit bei Förderprogrammen und regulatorischen Rahmenbedingungen, um die Investitionen in die Energie- und Wärmewende verlässlich fortsetzen zu können.


Donnerstag, 4.06.2026, 15:34 Uhr
Günter Drewnitzky
Energie & Management > Bilanz - Hamburg beschleunigt Wärmewende
Das GuD Dradenau im Hamburger Hafen gilt als Herzstück der künftigen Wärmeversorgung. Quelle: HEnW
Bilanz
Hamburg beschleunigt Wärmewende
Mit Milliardeninvestitionen treiben die Energiewerke Hamburg die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung voran. Sie setzen dabei auf Abwärme, erneuerbare Energien und neue Infrastrukturen.

Die Hamburger Energiewerke (HEnW) haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem positiven Ergebnis von 19,3 Millionen Euro abgeschlossen und liegen damit rund 5 Prozent über Plan. Im Vorjahr hatten die HEnW noch ein Ergebnis von 48,9 Millionen Euro erzielt. Den im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Gewinn begründen die HEnW mit höheren Zinsaufwendungen und Abschreibungen aufgrund der Investitionstätigkeiten sowie rückläufigen Marktpreisen.

Seit dem Jahr 2022 haben die HEnW rund 1,5 Milliarden Euro in die Wärmewende investiert. Das Ergebnis: Bereits rund ein Drittel der Wärme im Hamburger Stadtnetz stammt aus klimaneutralen Quellen. Damit gehört Hamburg bundesweit zu den Vorreitern bei der Dekarbonisierung großer Fernwärmesysteme.

Einen wesentlichen Beitrag leistet die Nutzung industrieller Abwärme. Seit dem vergangenen Jahr speist der Kupferhersteller Aurubis Prozesswärme in das Fernwärmenetz ein. Unterstützt wird die Integration durch einen neuen Wärmespeicher, der mehr Flexibilität ermöglicht. Der Anteil von Wärme aus Industrieabwärme und Müllverwertung am Fernwärmemix stieg dadurch von 19 Prozent im Jahr 2022 auf inzwischen 31 Prozent. Nach Angaben der Hamburger Energiewerke profitieren rechnerisch rund 540.000 Wohneinheiten von den Fortschritten bei der Dekarbonisierung.

Fernwärme bleibt das Rückgrat der Transformation

Gleichzeitig investieren die HEnW in den weiteren Ausbau ihrer Erzeugungs- und Speicherinfrastruktur. Herzstück der künftigen Wärmeversorgung ist der Energiepark Hafen. Mehrere zentrale Komponenten, darunter die Power-to-Heat-Anlage, die Abwasser-Wärmepumpe und ein großdimensionierter Wärmespeicher, sind bereits fertiggestellt. Auch die sogenannte Südleitung zur Anbindung an das Stadtnetz steht kurz vor der Inbetriebnahme.

Entscheidend für den Gesamtbetrieb ist die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD), die künftig verschiedene klimafreundliche Wärmequellen bündeln wird. Die Anlage ist nach Unternehmensangaben zu mehr als 90 Prozent fertiggestellt und soll Ende des Jahres in Betrieb gehen. Um die Versorgungssicherheit während des Übergangs zu gewährleisten, bleibt das Heizkraftwerk Wedel bis zum Ende der Heizperiode 2026/2027 parallel in Betrieb. Die endgültige Stilllegung ist für den 1.Juli 2027 vorgesehen.

Bis spätestens 2030 wollen die Hamburger Energiewerke vollständig aus der Kohleverstromung aussteigen. Dafür sind weitere erhebliche Investitionen geplant. Nach Angaben der Geschäftsführung sollen bis zum Ende des Jahrzehnts rund 1,87 Milliarden Euro in das Fernwärmesystem sowie weitere 700 Millionen Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen.

Ausbau Erneuerbarer und neue Angebote für Haushalte

Neben der Wärmewende setzen die HEnW auch auf den Ausbau der eigenen Ökostromerzeugung. Im Jahr 2025 übernahm das Unternehmen Mehrheitsanteile an zwei Freiflächen-Solarparks mit Batteriespeichern im Raum Schwerin. Zusätzlich wurde der eigene Solarpark Northeim in Betrieb genommen. Die drei Anlagen erzeugten in diesem Jahr bereits rund 45.000 MWh Strom – ausreichend, um rechnerisch etwa 18.000 Zwei-Personen-Haushalte mit Energie zu versorgen.

Auch im Privatkundensegment erweitert der Versorger sein Angebot. Seit 2024 vermitteln die HEnW gemeinsam mit regionalen Handwerksbetrieben Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen. Die Nachfrage entwickelt sich dynamisch: Rund 250 Anfragen für PV-Anlagen und mehr als 500 für Wärmepumpen wurden bislang registriert. Ergänzt wird das Portfolio inzwischen durch Wallboxen für die Elektromobilität.

Für Hamburgs Umweltsenatorin und Aufsichtsratsvorsitzende Katharina Fegebank zeigt die Entwicklung, dass die Stadt trotz schwieriger energiepolitischer Rahmenbedingungen konsequent an ihren Klimazielen festhält. Die Hamburger Energiewerke seien dabei ein zentraler Baustein für eine resiliente, klimafreundliche und langfristig unabhängige Energieversorgung. 

Christiane Preuß, Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke, forderte mehr Planungssicherheit bei Förderprogrammen und regulatorischen Rahmenbedingungen, um die Investitionen in die Energie- und Wärmewende verlässlich fortsetzen zu können.


Donnerstag, 4.06.2026, 15:34 Uhr
Günter Drewnitzky

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