• Einspeisung aus Wind und Solar lassen nach
  • Oberbürgermeister: Über kurz oder lang Gasrationierungen
  • Wenn Hacker mit dem Blackout drohen
  • Studie: Ladelücke gefährdet Klimaziele
  • Markt für nachhaltige Finanzierungen schrumpft weiter
  • EnBW engagiert sich weiter in Düsseldorf
  • Sozialdemokraten kritisieren "Antiteuerungspaket" der Regierung
  • EnBW erweitert sein Ladeangebot um sieben weitere Länder
  • Wissing fordert mehr Ladesäulen in Kommunen
  • Deneff Jahreskonferenz "Effizienzrepublik Deutschland"
Enerige & Management > Energieversorgung - Halbherziges Ringen um Alternativen zu Öl und Gas aus Russland
Quelle: Shutterstock / Visionsi
ENERGIEVERSORGUNG:
Halbherziges Ringen um Alternativen zu Öl und Gas aus Russland
Immer wieder wird deutlich, dass die Wirksamkeit von energiewirtschaftlichen Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland mit der Situation in den Visegrad-Staaten steht und fällt. 
 
Einzig Polen scheint gut gerüstet, auch große Ausfälle von Energielieferungen aus Russland zu verkraften. In Tschechien, der Slowakei und Ungarn hat mit dem Kriegsbeginn Russlands gegen die Ukraine eine verzweifelte Suche nach Alternativen eingesetzt. Diese erweist sich bei näherer Betrachtung nur zu oft als halbherzig.

Wie abhängig gerade die Slowakei und Ungarn von russischem Öl und Gas sind, wurde etwa beim hartnäckigen Ringen beider Länder um eine Ausnahme vom Ölembargo der europäischen Länder deutlich. Schon seit der Gaskrise im Jahre 2009, als die Slowakei einen Energie-Ausnahmezustand verhängte, tönen die Regierungen in Bratislava und Budapest unabhängig von ihrer politischen Couleur immer wieder vollmundig, man suche intensiv nach Alternativen zum russischen Erdgas.

De facto setzen sie aber vor allem auf Kernkraft aus Reaktoren, die bislang allein mit Material aus russischer Produktion betrieben werden können. In der Slowakei etwa erhielten russische Flieger seit Ausbruch des Krieges schon zweimal eine Landeerlaubnis, um Brennstäbe für die beiden Kernkraftwerke im Land zu liefern. Ungarn wiederum ließ eine Lieferung für die Atommeiler in Paks zu.

Zurückhaltung in Ungarn

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban, der nach wie vor hervorragende Beziehungen nach Moskau hat, hält sich mit offiziellen Statements zu Alternativen zu Energie aus Russland zurück. Kritik am Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin beschränkt sich auf Äußerungen von Kommentatoren in Orban nahestehenden Medien. Die russische Preispolitik könne so nicht mehr unterstützt werden, hieß es zu Wochenbeginn etwa beim Wirtschaftsportal portfolio.hu.

Tschechien und die Slowakei haben unterdessen eine Einkaufsgemeinschaft für Flüssiggas aus Kroatien gebildet. Zuletzt kaufte die slowakische SPP 93 Mio. m3 LNG in Krk, wovon 5 Mio. m3 an ihre tschechische Tochter SPP CZ gingen. Auf diese Weise wurde erstmals LNG nach Tschechien geliefert.

In der Slowakei sind in jüngster Zeit auch Überlegungen laut geworden, die Fördermenge des heimischen Gasunternehmens Nafta um das Zehnfache zu steigern. Derzeit deckt Nafta mit 50 Mio. m3 Erdgas aus inländischen Lagerstätten gerade einmal 1 % des slowakischen Gasverbrauchs. Top-Management und Wirtschaftsministerium haben unabhängig voneinander bestätigt, man sei willens zu Verhandlungen über eine höhere Fördermenge. Allerdings seien diese zurzeit sinnlos, da Umweltaktivisten ständig Nafta-Anlagen beschädigten.

Nachfrage nach Wärmepumpen zieht an

Wegen der explodierenden Gaspreise hat auch in Tschechien die Nachfrage nach Wärmepumpen deutlich angezogen. Diese sind derzeit etwa doppelt so begehrt wie im EU-Durchschnitt. Der Boom wird noch durch den jüngsten Schwenk in der staatlichen Förderpolitik beflügelt. Denn Haushalte erhalten seit kurzem nur noch Zuschüsse für Heizungen, die mit einer Wärmepumpe betrieben werden. Bisher griff ihnen der Staat nur bei Erdgas unter die Arme.

Allerdings liefern die tschechischen Produzenten in der Regel nur nach Westeuropa, weil sie dort bessere Preise erzielen. Gleichzeitig fehlen heimische Fachkräfte, die willig wären, Wärmepumpen-Unternehmen in Tschechien zu gründen. So belaufen sich die Wartezeiten für Wärmepumpen derzeit auf mehr als ein Jahr. Der Markt sei auf Jahre hinaus nicht vorbereitet, warnen Experten, wobei Gleiches auch für die Slowakei und Ungarn gelte.

In Bratislava zumindest lassen sich die Verantwortlichen davon nicht beirren. Erdgas dürfe künftig keine Rolle mehr beim Heizen spielen, hieß es kürzlich aus dem slowakischen Wirtschaftsministerium. Ressortchef Richard Sulik kündigte außerdem an, bis 2026 rund 120 Mio. Euro in erneuerbare Energien zu investieren.




 
 

Karin Rogalska
© 2022 Energie & Management GmbH
Freitag, 20.05.2022, 08:54 Uhr

Mehr zum Thema