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Energie & Management > Energiehandel - Händler warnen vor Industriestrompreis und Zonensplitting
Quelle: Kurhan, Fotolia
Energiehandel

Händler warnen vor Industriestrompreis und Zonensplitting

Die enormen Kosten, die sich durch die Notbefüllung der Gasspeicher ergeben haben, dürfen sich nicht wiederholen. Das erklärte der Energiehandelsverband „EFET“ bei der E-world-Messe.
Joachim Rahls, Vorsitzender der Taskforce Gas bei der Efet (European Federation of Energy Traders), nahm die künftige Gasspeicherumlage von 1,45 Euro/MWh zum Anlass, noch einmal auf das Gasspeichergesetz und die neu entbrannte Diskussion darüber einzugehen. „Das Ziel des Gesetzes ist mit der Befüllung der Gasspeicher im vergangenen Winter erreicht, aber zu volkswirtschaftlich enormen Kosten. Das darf sich auf keinen Fall wiederholen.“ Der Verlängerung der Gültigkeit des Gesetzes stehe Efet Deutschland aber offen gegenüber, so Rahls. Zugleich verlangte er aber Anpassungen.

Die ungesicherte Einlagerung von 37 Milliarden kWh in den Speichern verbunden mit Verlusten von 8,7 Milliarden Euro im Zusammenhang mit den Noteinkäufen, widersprechen nach Überzeugung des Taskforce-Chefs allen Regeln der Energiehandelskunst. Mit einem vernünftigen Risikomanagement und entsprechenden Hedginggeschäften auf dem Terminmarkt würde die Gasspeicherumlage deutlich geringer ausfallen. Insgesamt müssten die stark gestiegenen Umlagen auf ein verträgliches Niveau herabgesetzt werden, forderte Rahls weiter.

Und auch wenn bisher im Jahr 2023 keine Strategic Storage Based Options (SSBO) ausgeschrieben wurden, bedürfen die dringend einer Anpassung, um die mit der Vorhaltung verbundenen Kosten zu reduzieren. Eine Verschärfung der Füllstandsvorgaben, wie sie im Gespräch ist, sei jedenfalls der falsche Weg. .

Wasserstoff braucht funktionierende Märkte

Die Diskussion um den Wasserstoff-Hochlauf verengt sich aus Sicht der Efet derzeit zu sehr auf technologische Fragestellungen sowie die Schaffung von 1:1 Beziehungen zwischen Wasserstofferzeugern und prioritär zu dekarbonisierenden Industriesektoren. Aber es seien auch funktionierende Handelsmärkte für Wasserstoff erforderlich, so Rahls. Denkbar wäre ein Zielmodell, das sich in vielen Aspekten am etablierten Gasmarkt orientieren könnte.

Die CO2-Einsparung im Zusammenhang mit der Wasserstoffproduktion sollte nach Überzeugung der Efet-Mitglieder durch ein Herkunftsnachweissystem bewertet und handelbar gemacht und damit von der physischen Commodity getrennt werden. Der Handel von Herkunftsnachweisen (HKN) sei eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerb in der Markthochlaufphase. Insbesondere Kunden ohne Anbindung an Wasserstoffinfrastruktur könnten durch Erwerb von HKN zur Dekarbonisierung beitragen.

Plattform klimaneutrales Stromsystem als Hoffnungsträger

Auch zum Thema Stromhandel äußerte sich Efet im Rahmen der Essener E-world. Man setze, wie es hieß, viel Hoffnung auf die Plattform „Klimaneutrales Stromsystem“ (PKNS) des Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), die nach langer Anlaufzeit vor drei Monaten gestartet ist. Es fehle aber eine klare Zielausrichtung, wo die Reise hingehen soll, resümierte der Efet-Vorstandsvorsitzende Bernhard Walter. „Wir müssen tunlichst vermeiden, dass ein Marktdesign entsteht, das die Markteffizienz auf lange Sicht hin schädigt.“ So würden die verschiedensten Ideen auf Europa-Ebene zur Einführung von Preisgrenzen oder zur Abschaffung der aktuellen Preisfindungslogik (Merit Order) letztlich die nötigen Investitionen in nachfrageseitige Flexibilität und kohlenstoffarme Erzeugungskapazitäten abwürgen.

Auch zum Thema Industriestrompreis hat der Energiehändlerverband eine klare Meinung. Die Forderung nach einer Entlastung sei zwar „grundsätzlich nachzuvollziehen“, sie dürfe den Markt aber nicht konterkarieren. Unternehmen, die vom Brückenstrompreis profitieren hätten schließlich weniger Anreize, Energie zu sparen und Risiken marktbasiert abzusichern. Auch gebe es negative Auswirkungen bei den PPA-Abschlüssen. Die marktliche Integration der Erneuerbaren würde insgesamt verschlechtert.

Kritisch sieht man auch die gerade wieder geführte Diskussion um Strompreiszonen. „Es muss allen bewusst sein, welche negativen Auswirkungen ein Preiszonensplit auf den Markt hätte. Eine erhebliche Reduktion der Liquidität, das Ausscheiden von Marktteilnehmern und damit reduzierte Risikoabsicherungsmöglichkeiten verbunden mit erhöhten Kosten sind nur ein Teil der negativen Auswirkungen“, warnte Walter. Dies haben die Aufteilung der Gebotszone in Schweden und die Trennung der deutsch-österreichischen Zone gezeigt. Letztendlich würden hier volkswirtschaftliche Zusatzkosten generiert, die auf alle Verbraucher umgelegt werden müssten.

Mittwoch, 24.05.2023, 13:26 Uhr
Gnter Drewnitzky
Energie & Management > Energiehandel - Händler warnen vor Industriestrompreis und Zonensplitting
Quelle: Kurhan, Fotolia
Energiehandel
Händler warnen vor Industriestrompreis und Zonensplitting
Die enormen Kosten, die sich durch die Notbefüllung der Gasspeicher ergeben haben, dürfen sich nicht wiederholen. Das erklärte der Energiehandelsverband „EFET“ bei der E-world-Messe.
Joachim Rahls, Vorsitzender der Taskforce Gas bei der Efet (European Federation of Energy Traders), nahm die künftige Gasspeicherumlage von 1,45 Euro/MWh zum Anlass, noch einmal auf das Gasspeichergesetz und die neu entbrannte Diskussion darüber einzugehen. „Das Ziel des Gesetzes ist mit der Befüllung der Gasspeicher im vergangenen Winter erreicht, aber zu volkswirtschaftlich enormen Kosten. Das darf sich auf keinen Fall wiederholen.“ Der Verlängerung der Gültigkeit des Gesetzes stehe Efet Deutschland aber offen gegenüber, so Rahls. Zugleich verlangte er aber Anpassungen.

Die ungesicherte Einlagerung von 37 Milliarden kWh in den Speichern verbunden mit Verlusten von 8,7 Milliarden Euro im Zusammenhang mit den Noteinkäufen, widersprechen nach Überzeugung des Taskforce-Chefs allen Regeln der Energiehandelskunst. Mit einem vernünftigen Risikomanagement und entsprechenden Hedginggeschäften auf dem Terminmarkt würde die Gasspeicherumlage deutlich geringer ausfallen. Insgesamt müssten die stark gestiegenen Umlagen auf ein verträgliches Niveau herabgesetzt werden, forderte Rahls weiter.

Und auch wenn bisher im Jahr 2023 keine Strategic Storage Based Options (SSBO) ausgeschrieben wurden, bedürfen die dringend einer Anpassung, um die mit der Vorhaltung verbundenen Kosten zu reduzieren. Eine Verschärfung der Füllstandsvorgaben, wie sie im Gespräch ist, sei jedenfalls der falsche Weg. .

Wasserstoff braucht funktionierende Märkte

Die Diskussion um den Wasserstoff-Hochlauf verengt sich aus Sicht der Efet derzeit zu sehr auf technologische Fragestellungen sowie die Schaffung von 1:1 Beziehungen zwischen Wasserstofferzeugern und prioritär zu dekarbonisierenden Industriesektoren. Aber es seien auch funktionierende Handelsmärkte für Wasserstoff erforderlich, so Rahls. Denkbar wäre ein Zielmodell, das sich in vielen Aspekten am etablierten Gasmarkt orientieren könnte.

Die CO2-Einsparung im Zusammenhang mit der Wasserstoffproduktion sollte nach Überzeugung der Efet-Mitglieder durch ein Herkunftsnachweissystem bewertet und handelbar gemacht und damit von der physischen Commodity getrennt werden. Der Handel von Herkunftsnachweisen (HKN) sei eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerb in der Markthochlaufphase. Insbesondere Kunden ohne Anbindung an Wasserstoffinfrastruktur könnten durch Erwerb von HKN zur Dekarbonisierung beitragen.

Plattform klimaneutrales Stromsystem als Hoffnungsträger

Auch zum Thema Stromhandel äußerte sich Efet im Rahmen der Essener E-world. Man setze, wie es hieß, viel Hoffnung auf die Plattform „Klimaneutrales Stromsystem“ (PKNS) des Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), die nach langer Anlaufzeit vor drei Monaten gestartet ist. Es fehle aber eine klare Zielausrichtung, wo die Reise hingehen soll, resümierte der Efet-Vorstandsvorsitzende Bernhard Walter. „Wir müssen tunlichst vermeiden, dass ein Marktdesign entsteht, das die Markteffizienz auf lange Sicht hin schädigt.“ So würden die verschiedensten Ideen auf Europa-Ebene zur Einführung von Preisgrenzen oder zur Abschaffung der aktuellen Preisfindungslogik (Merit Order) letztlich die nötigen Investitionen in nachfrageseitige Flexibilität und kohlenstoffarme Erzeugungskapazitäten abwürgen.

Auch zum Thema Industriestrompreis hat der Energiehändlerverband eine klare Meinung. Die Forderung nach einer Entlastung sei zwar „grundsätzlich nachzuvollziehen“, sie dürfe den Markt aber nicht konterkarieren. Unternehmen, die vom Brückenstrompreis profitieren hätten schließlich weniger Anreize, Energie zu sparen und Risiken marktbasiert abzusichern. Auch gebe es negative Auswirkungen bei den PPA-Abschlüssen. Die marktliche Integration der Erneuerbaren würde insgesamt verschlechtert.

Kritisch sieht man auch die gerade wieder geführte Diskussion um Strompreiszonen. „Es muss allen bewusst sein, welche negativen Auswirkungen ein Preiszonensplit auf den Markt hätte. Eine erhebliche Reduktion der Liquidität, das Ausscheiden von Marktteilnehmern und damit reduzierte Risikoabsicherungsmöglichkeiten verbunden mit erhöhten Kosten sind nur ein Teil der negativen Auswirkungen“, warnte Walter. Dies haben die Aufteilung der Gebotszone in Schweden und die Trennung der deutsch-österreichischen Zone gezeigt. Letztendlich würden hier volkswirtschaftliche Zusatzkosten generiert, die auf alle Verbraucher umgelegt werden müssten.

Mittwoch, 24.05.2023, 13:26 Uhr
Gnter Drewnitzky

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