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Enerige & Management > Wasserstoff - Grüner Stahl für BMW aus Schweden
BMW arbeitet für seine Automobilproduktion an einer CO2-freien Stahllieferkette, Quelle: BMW
WASSERSTOFF:
Grüner Stahl für BMW aus Schweden
Der Münchner Autobauer BMW will ab 2025 fossilfreien Stahl aus Nordschweden beziehen und schließt dazu eine Kooperation mit dem schwedischen Start-up H2 Green Steel. 
 
Die Stahlproduktion hat eine große CO2-Bürde zu tragen: Aufgrund der energieintensiven Herstellung aus Koks und Kohle gilt sie als eine der Hauptverursacherinnen der weltweiten CO2-Emissionen. Den CO2-Fußabdruck in der Stahllieferkette radikal reduzieren will der Autobauer BMW und hat dazu mit H2 Green Steel eine Vereinbarung geschlossen. Ab 2025 will BMW von dem 2020 gegründeten Start-up grünen Stahl beziehen.

"Stahl ist in der Automobilproduktion unverzichtbar und wird auch für zukünftige Fahrzeuggenerationen nicht an Bedeutung verlieren", versichert Andreas Wendt. Der Vorstand der BMW AG für Einkauf und Lieferantennetzwerk schreibt Technologien, die eine nahezu CO2-freie Herstellung von Stahl ermöglichen, einen "maßgeblichen Einfluss" auf die CO2-Reduzierung in der Stahllieferkette zu. 

Durch die Kooperation mit H2 Green Steel etwa wird BMW für seine Werke in Europa Stahl beziehen, dessen Herstellung bis zu 95 % weniger CO2-Emissionen verursacht, heißt es aus München. Bis 2030 will BMW die Emissionen seiner Stahllieferkette um insgesamt 2 Mio. Tonnen CO2 senken.

800-MW-Elektrolyseur geplant

H2 Green Steel plant in der Provinz Norrbotten im Norden Schwedens eine Stahlproduktionsanlage mit integriertem Elektrolyseur. Dieser soll im Endausbau eine Leistung von 800 MW haben. Wie eine Sprecherin von BMW gegenüber der Redaktion erklärte, soll die Anlage bereits ab 2024 ersten grünen Stahl produzieren. Ab 2025 sei dann die Lieferung an BMW anvisiert. 

Ab 2026 will H2 Green Steel nach eigener Aussage in Norrbotten 2,5 Mio. Tonnen grünen Stahl pro Jahr produzieren, ab 2030 soll die Produktion dann auf 5 Mio. Tonnen anwachsen. Zum Vergleich: Am Standort Duisburg produzieren die Stahlhütten jährlich rund 12 Mio. Tonnen herkömmlichen Stahl.

Der Standort in Nordschweden ist laut BMW ideal: Zum einen gäbe es Zugang zu hochwertigem Eisenerz, zum anderen stünde ausreichend Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wasser- und Windkraft zur Verfügung. Des Weiteren gäbe es vor Ort auch einen großen Seehafen und ein über Generationen gewachsenes Know-how in der Stahlproduktion.

Grüner versus herkömmlicher Stahl 

Bei der Stahlherstellung wird zunächst Eisenerz mithilfe der sogenannten Reduktion zu Eisenschwamm verwandelt. Bei Eisenschwamm handelt es sich um das Ausgangsmaterial für die Stahlproduktion, ein poröses Produkt mit einem Eisengehalt von bis zu 95 %. Durch eine chemische Reaktion wird dem im Eisenerz enthaltenen Eisenoxid (Fe2O3)Sauerstoff entzogen, sodass es sich zu metallischem Eisen (Fe) verwandelt. 

Herkömmlicherweise kommt hierbei Kohlenmonoxid als Reduktionsmittel zum Einsatz, das bei der Verbrennung von Koks entsteht und hohe CO2-Mengen verursacht. Vermeiden lässt sich dies durch den Ersatz des Koks durch Grünstrom produzierten Wasserstoff als Reduktionsmittel. Anstelle von CO2 entsteht so lediglich Wasser. Zugleich kann erneuerbar erzeugter Strom auch anstelle von fossilem Erdgas als Energiequelle für den Wärmebedarf bei diesem Prozess dienen.

Zusätzlich zur Lieferung des grünen Stahls hat sich BMW mit H2 Green Steel auf einen geschlossenen Materialkreislauf geeinigt: Das Start-up wird die Blechreste, die in den Presswerken etwa beim Ausstanzen der Türen entstehen, zurücknehmen und sie zu neuen Stahlrollen aufbereiten. Diese sogenannten "Stahlcoils" lassen sich dann wieder für die Automobilproduktion in den Werken des Autobauers nutzen. Diese Kreislaufwirtschaft reduziert laut BMW den Energieaufwand deutlich. Durch die Verwendung des Sekundärstahls sinken die CO2-Emissionen im Schnitt noch einmal um 50 bis 80 %. 

Grüner Stahl auch bei Volvo und Miele

BMW ist nicht der erste Autobauer, der grünen, schwedischen Stahl bezieht. So vermeldete der Autobauer Volvo bereits Mitte August dieses Jahres den ersten Bezug des fossilfreien Werkstoffes. Der grüne Stahl stammt aus einer Testanlage des schwedischen Projekts "HYBRIT" (Hydrogen Breakthrough Ironmaking Technology).

Dahinter stehen der Stahlhersteller SSAB, der Energiekonzern Vattenfall und das Bergbauunternehmen LKAB. Im schwedischen Gällivare haben sie eine Demonstrationsanlage errichtet, in der wasserstoffreduzierter Eisenschwamm als Rohstoff zur Stahlerzeugung gewonnen wird (wir berichteten). 

Neben der Automobilbranche setzen auch andere Branchen auf deutschem Boden auf den CO2-armen Stahl. Die Miele-Gruppe etwa verkündete am 21. Oktober seine Kooperation mit dem Stahlkonzern Salzgitter AG. Ab November dieses Jahres will der Gütersloher Hausgerätekonzern im Rahmen eines Pilotprojektes knapp 24 Tonnen grünen Stahl pro Monat in seinen Herden und Backöfen verbauen.

Produziert werden soll der grüne Stahl im zur Salzgitter-Gruppe gehörenden Elektrostahlwerk Peine und in den Walzwerken und Verzinkungsanlagen der Salzgitter Flachstahl weiterverarbeitet werden. 
 

Davina Spohn
Redakteurin
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