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Enerige & Management > Wärme - Grüne Wärmewende braucht Einheizer
Bild: Ralf Kalytta, Fotolia
WÄRME:
Grüne Wärmewende braucht Einheizer
Nach einer Analyse des Ifeu-Instituts genügen die aktuellen Impulse nicht, um im Wärmesektor die Klimaschutzziele zu erreichen. In einem Webinar des BEE wurden Hemmnisse benannt.
 
Ohne eine Dekarbonisierung des Wärmemarkts durch mehr Effizienz und Nutzung erneuerbarer Energien seien die Klimaziele der Bundesregierung nicht zu erfüllen. Allein der Wärmemarkt verursacht 55 % der deutschen Emissionen aus dem Endenergieverbrauch.

Aus diesem Grund verglich ein Webinar des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) den in diesem Jahr gesetzten Rahmen für Gebäudeenergie mit den Klimaschutzzielen. Im Auftrag des BEE kam das Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) zum Schluss, dass die Gesetzesänderungen und Förderungen nicht genügen.

Martin Pehnt, Geschäftsführer des Ifeu, kritisierte insbesondere, dass nach wie vor fossile Energieträger wie Heizöl und Erdgas zu billig sind, um erneuerbare Wärmelösungen in den Markt zu bringen. Auch die CO2-Bepreisung nach den BEHG sei zu gering, um daran in den nächsten Jahren etwas zu ändern. „Zwar haben im ersten Halbjahr 2020 Wärmepumpen einen Zuwachs von 24 % erfahren und Biomasseeinsatz sich fast verdoppelt, aber noch immer werden viermal mehr Kessel verkauft, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten“, sagte Pehnt. Da diese 20 bis 30 Jahre lang heizen, sei dies eine Hypothek für Jahrzehnte, warnte er.

Politischen Rahmen nachschärfen

Im Rahmen seiner „Woche der Wärme“ formulierte der BEE daher konkrete politische Impulse zur Beschleunigung des Kurswechsels im Wärmemarkt. Simone Peter, BEE-Präsidentin, präsentierte einen Instrumentenmix von Ordnungsrecht, CO2-Preissignalen und Förderpolitik, welche dem Ausbau von Wärmepumpen, Biomasseheizungen, Solarthermie und Geothermie sowie Biogas mehr Dynamik verleihen sollen. „Die große Chance der Wärmewende besteht darin, dass eine wirtschaftliche Belebung auf verschiedenen Wertschöpfungsstufen mit Klimaschutzzielen und Kosteneinsparung in Verbindung gebracht wird“, sagte Peter.

Noch würden annähernd 85 % der Wärme und Kälte mit fossilen Energien erzeugt. Vor allem im Gebäudebestand seien Effizienzmaßnahmen und die Umstellung auf saubere Energien erforderlich. „Insbesondere in gesamtwirtschaftlich unsicheren Zeiten aufgrund der Corona-Pandemie kann der Ausbau der erneuerbaren Energien im Wärmesektor einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen und regionaler Wertschöpfung leisten“, argumentierte Peter. Enttäuschend sei dabei, dass das novellierte GEG (Gebäudeenergiegesetz) keine Verschärfung der Energiestandards für Neubauten vorsieht.
 
Hemmnisse für die Wärmewende
Bild: Pehnt/IFEU

Fernwärme und KWK einbeziehen

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert schnelle Maßnahmen − besonders im Bereich der Fernwärme. Ihr jetziger erneuerbarer Anteil von nur 14 % genüge bei Weitem nicht. Es gebe ausreichend erneuerbare Wärmequellen wie Biomasse, Geothermie und erneuerbaren Strom, aber die Umstellung verlaufe zu langsam. Schuld daran sei laut DUH die massive Förderung fossiler Wärme über die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Wärme aus erneuerbaren Quellen, die mehr Planung und einen Energiemix benötige, werde dagegen zu wenig angereizt. Gerade im Bereich der Fernwärme müssten Klimaschutzvorgaben und eine kommunale Wärmeplanung verbindlich gemacht werden, fordert die DUH an die Adresse der Politik.

Die Korrektur des KWK-Gesetzes für eine Einbindung erneuerbarer Energiequellen fordert auch der BEE. Effiziente Wärmenetze sollten vom Bund gefördert werden. Eine verpflichtende Bereitstellung öffentlicher Flächen für erneuerbare Energieerzeugung könne zudem deren Zubau wesentlich beschleunigen, meint der BEE. Eine ambitionierte Treibhausgasbepreisung auch für Brennstoffe, möglichst EU-weit, müsste den Fördermaßnahmen Nachdruck verleihen, schloss Peter.

Das BEE-Positionspapier „Krisen überwinden, Wachstum stärken, Wohlstand sichern“   steht als PDF kostenlos zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Montag, 05.10.2020, 13:15 Uhr

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