• Erdgas setzt steile Aufwärtsbewegung fort
  • Strom, CO2 und Gas überwiegend fester
  • Widerstreitende Reaktionen aufs neue Klimaschutzgesetz
  • Kabinett beschließt Gesetzesnovelle mit Klimaneutralität bis 2045
  • Südlink jetzt komplett in der Planfeststellung
  • RWE Q1: Ergebnis geschrumpft, Prognose bekräftigt
  • MVV steigert Ergebnis
  • Verbund: Quartalsgewinn sinkt um 7,6 %
  • Engie verliert Steuervorteil
  • Enapter entwickelt AEM-Elektrolyseur der Megawattklasse
Enerige & Management > Österreich - "Grüne Gase" verstärkt nutzen
Bild: Fotolia.com, YuI
ÖSTERREICH:
"Grüne Gase" verstärkt nutzen
Österreichs Gaswirtschaft sieht im Raumwärmebereich und in der Industrie „Riesenchancen“ für Biomethan und grünen Wasserstoff. Nötig sei aber ein entsprechendes politisches „Mindset“.
 
Nicht nur in der Industrie, sondern auch im Raumwärmesektor sollten „grüne Gase“ in Zukunft in Österreich verstärkt eingesetzt werden. Das betonte der Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), Michael Haselauer, am 1. April bei einer Pressekonferenz des Forums Versorgungssicherheit.

Haselauer erläuterte, zurzeit belaufe sich der im Wesentlichen durch Erdgas abgedeckte Bedarf an gasförmigen Energieträgern auf etwa 90 Mrd. kWh pro Jahr, was rund einem Viertel des gesamten österreichischen Energiebedarfs entspreche. Berechnungen der Johannes-Kepler-Universität Linz zufolge sei es möglich, nahezu die gesamte Erdgasmenge durch Biomethan und andere „grüne“ Gase zu ersetzen, etwa elektrolytisch mit Ökostrom erzeugten Wasserstoff.

Haselauer zufolge versorgt die Gaswirtschaft über eine umfassend ausgebaute Infrastruktur insgesamt etwa 900.000 Kunden von der Industrie bis zu den Haushalten: „Es wäre sinnvoll, diese Infrastruktur auch weiterhin zu nutzen.“ Dies empfehle sich gerade auch im Zusammenhang mit den bekannten Plänen, Österreichs Strombedarf ab 2030 bilanziell vollständig mit Ökostrom zu decken. Erheblichen Erzeugungsüberschüssen im Sommer stehe eine ebenso erhebliche Mindererzeugung im Winter gegenüber. Die Gasspeicher würden laut Haselauer ermöglichen, den im Sommer anfallenden Ökostrom in Form von grünem Wasserstoff zu speichern und erforderlichenfalls im Winter zu verstromen. Jedenfalls sollten „grüne Gase“ daher „in allen künftigen Klima- und Energiestrategien als wichtiger Energieträger berücksichtigt werden“.

Der Hintergrund seiner Ausführungen ist das in parlamentarischer Verhandlung befindliche Paket um das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG-Paket). Wie berichtet, soll dieses laut den Plänen der Bundesregierung aus Konservativen (ÖVP) und Grünen noch vor dem Sommer beschlossen werden. Allerdings ist dafür eine Zweidrittelmehrheit und somit die Zustimmung der Sozialdemokraten (SPÖ) oder der rechtsgerichteten Freiheitlichen (FPÖ) nötig.

Die Gaswirtschaft hält die Bestimmungen im EAG-Paket hinsichtlich der grünen Gase für unzureichend. Vorgesehen sind unter anderem Investitionszuschüsse von mindestens 30 Mio. Euro pro Jahr für die Errichtung von Neuanlagen sowie 50 Mio. Euro pro Jahr für die Herstellung von grünem Wasserstoff. Ferner plant die Regierung die Einrichtung einer „Servicestelle für erneuerbare Gase“. Sie soll die Erzeuger derartiger Gase beraten, geeignete Standorte für einschlägige Anlagen offenlegen sowie den Markt beobachten. Dem Klima- und Energieministerium (BMK) ist jährlich ein Marktbericht vorzulegen.

„Kann Stahlschmelze nicht mit Hackschnitzeln betreiben“

Haselauer bekundete dazu auf Anfrage der Redaktion, das EAG-Paket sowie das ebenfalls geplante „Grüne-Gase-Gesetz“ seien wohl wichtig. Als noch wichtiger erachtet er indessen das politische „Mindset“ hinsichtlich der grünen Gase. Konkret bedeute dies, die Nutzung solcher Gase gerade auch im Raumwärmebereich zu ermöglichen und ein wohldurchdachtes Förderregime zu entwickeln. Die Gasbranche sehe in der Raumwärme eine „Riesenchance“, ebenso aber in der Industrie: „Mit grünem Gas kann man praktisch alle Anwendungen abdecken. Aber man kann eine Stahlschmelze wie die der Voestalpine nicht mit Hackschnitzeln betreiben.“ Technisch sei die Umstellung von Erdgas auf grüne Gase keine unüberwindliche Herausforderung: „Wir können das. Wir haben ja auch die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas in den späten 1960er Jahren bewältigt.“

Der bei der Pressekonferenz als Zuhörer anwesende Energiesprecher der Sozialdemokraten im Bundesparlament, Alois Schroll, konstatierte, die Bundesregierung müsse sich hinsichtlich der grünen Gase endlich festlegen: „Sie muss Studien erstellen lassen, die zeigen, wie groß das Potenzial an solchen Gasen ist, und sie muss offenlegen, wie es mit dem Grüne-Gase-Gesetz weitergeht.“ Seine Partei bekenne sich grundsätzlich zum Einsatz solcher Gase und sei bereit, ein sinnvolles Gesetz zu unterstützen.
 

Klaus Fischer
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 01.04.2021, 11:26 Uhr

Mehr zum Thema