• Strom und Gas trotzen bullishen Wetterprognosen
  • RWE leitet Schiedsverfahren gegen Gazprom ein
  • Bund übernimmt Kreditgarantie für LNG-Lieferungen
  • Netze BW verlängern mit Christoph Müller
  • Wasserstoffcluster Hamm unter guten Vorzeichen
  • Strompreisbremse leicht missbrauchbar?
  • Analysten: Erlösabschöpfung "im großen Ganzen gelungen"
  • Sonnenstrom tanken in der Dortmunder Innenstadt
  • Kraftwerk Bergkamen bleibt verfügbar
  • Iberdrola stärkt F&E
Enerige & Management > Windkraft Offshore - "Großkraftwerke stehen künftig in der Nordsee"
Auf Norderney setzten Carsten Lehmköster, Umweltminister Lies, Bürgermeister Ulrichs, Hendrik Neumann und Peter Barth (v.l.) symbolisch den Spaten an, Quelle: Amprion
WINDKRAFT OFFSHORE:
"Großkraftwerke stehen künftig in der Nordsee"
Die Bauarbeiten für die Offshore-Netzanbindungssysteme Dolwin 4 und Borwin 4 haben begonnen. Über sie sollen 1.800 MW Windkraftstrom ins Übertragungsnetz eingespeist werden.
 
Am Norderneyer Nordstrand haben Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies und Inselbürgermeister Frank Ulrichs mit Vertretern von Amprion symbolisch die Spaten angesetzt: Die hier bevorstehenden Bohrungen zur Querung der Insel Norderney bilden den Auftakt der Bauarbeiten für die ersten Offshore-Projekte von Amprion, die 2028 und 2029 in Betrieb gehen sollen: Dolwin 4 und Borwin 4 verbinden Nordsee-Windparks mit dem Stromnetz an Land. Die übertragene Leistung entspricht dem Bedarf einer Großstadt wie Hamburg.

„Der Ausbau der Offshore-Windenergie ist eine zentrale Säule unserer Energiewende. Niedersachsen spielt dabei eine besondere Rolle: Wir werden das Tor und die Drehscheibe für klimafreundliche Energie für ganz Deutschland“, erklärte Lies beim Spatenstich. Gerade angesichts der aktuellen großen energiepolitischen Herausforderungen gehe vom Projektstart ein Signal aus, das Mut mache. „Wir brauchen gerade auch die Windkraft für eine freie, saubere und unabhängige Energieversorgung.“

„Der Großteil bisheriger Offshore-Netzanbindungen verläuft unter Norderney hindurch“, erläuterte Bürgermeister Ulrichs. „Unsere Insel leistet damit einen großen Beitrag zum Gelingen der Energiewende.“ Zugleich freute er sich, dass Amprion die Baustelle bereits im vergangenen Winter eingerichtet hatte und viele Transporte bereits vor der Sommersaison abgewickelt werden konnten.

„Die Großkraftwerke zur Versorgung der Industrieregionen sowie der Bürgerinnen und Bürger stehen künftig in der Nordsee“, sagte Amprion-CTO Hendrik Neumann. Dolwin 4 und Borwin 4 seien der Anfang einer Reihe von Offshore-Netzanbindungen, die das Unternehmen in den kommenden Jahren realisieren werde. Der Übertragungsnetzbetreiber plant derzeit fünf Offshore-Netzanbindungssysteme. Weitere sind bereits im Netzentwicklungsplan bestätigt worden.

Bohrungen werden gebündelt

Carsten Lehmköster, einer der beiden Geschäftsführer der Amprion Offshore GmbH, hob hervor, dass man erstmals die Bohrungen für zwei Vorhaben innerhalb eines Bauzeitenfensters bündele. „So können wir die Projekte beschleunigen und gleichzeitig den Eingriff minimieren.“ Sein Kollege Peter Barth verwies auf eine „gute und intensive Abstimmung mit den zuständigen Behörden“, die der sensible Bereich innerhalb des Nationalparks erforderlich machte. Er fand mit Blick auf die bevorstehenden Aufgaben aber auch kritische Töne: „Die Ausbauziele für 2030 sind unter den gegenwärtigen Voraussetzungen sehr ambitioniert. Gerade die Querung des Küstenmeers stellt ohne eine Anpassung der Rahmenbedingungen ein Problem für die Beschleunigung dar.“

Die Bohrungen werden im sogenannten HDD-Verfahren (Horizontal Directional Drilling) durchgeführt. Dabei werden Kabelschutzrohre in die Bohrkanäle eingebracht, in die anschließend die Gleichstromkabel gezogen werden. Für die Bauarbeiten nutzt Amprion ein behördlich festgelegtes Bauzeitenfenster zwischen Mitte Juli und Ende September. In diesem Sommer soll auf einer Länge von rund 1.100 Metern von der Inselmitte in Richtung Nordstrand gebohrt werden. 2023 folgt die Bohrung von der Inselmitte in Richtung Süden, bevor 2024 schließlich der Küstenschutzdeich bei Hilgenriedersiel unterquert wird.

Die weitgehend parallel verlaufenden Offshore-Netzanbindungssysteme Dolwin 4 und Borwin 4 gehören zu den wichtigen Energiewende-Projekten in Deutschland. Sie sollen 2028 und 2029 in Betrieb gehen. Von den Nordsee-Windparks aus verlaufen die Kabel zunächst 60 beziehungsweise 125 Kilometer auf See. Sie unterqueren die Insel Norderney und erreichen im Bereich Hilgenriedersiel die Küste. Von dort aus verlaufen sie noch rund 155 Kilometer als Erdkabel in Richtung der Umspannanlage Hanekenfähr in Lingen (Ems), wo der Anschluss ans Amprion-Übertragungsnetz geplant ist. Dolwin 4 und Borwin 4 sollen dort 1.800 MW Offshore-Windenergie einspeisen.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
+49 (0) 8152 9311 15
eMail
facebook
© 2022 Energie & Management GmbH
Montag, 18.07.2022, 16:06 Uhr

Mehr zum Thema