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Enerige & Management > Österreich - Große Herausforderungen bei Gassubstitution
Quelle: Fotolia / YuI
ÖSTERREICH:
Große Herausforderungen bei Gassubstitution
Als größte Hürden gelten bei einer Umstellung weg von Gas die Investitionskosten und die Kosten anderer Energieträger sowie die behördliche Genehmigung, so eine Studie.
 
Grundsätzlich könnte ein erheblicher Teil der österreichischen Unternehmen statt Erdgas andere Energieträger einsetzen. Die Herausforderungen bei einer Umstellung sind aber nicht zu unterschätzen, zeigt eine Umfrage im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Durchgeführt wurde die Umfrage vom „Complexity Science Hub Vienna“ (CSH), nach eigener Darstellung ein „Verein zur Förderung wissenschaftlicher Forschung im Bereich komplexer Systeme“.

Von den 1.041 befragten gasverbrauchenden Unternehmen nannten rund 67 % die Investitionskosten als größte Hürde, gefolgt von der Verfügbarkeit alternativer Energieträger (56 %) und deren Kosten (52 %). Die erforderlichen Genehmigungen für den Betrieb der Anlagen zu erhalten, bezeichneten 39 % der Befragten als Problem, insbesondere, weil dies meist ein halbes bis ein dreiviertel Jahr dauert. Rund 22 % konstatierten, sie könnten nicht selbst über die Gas verbrauchenden Anlagen verfügen, unter anderem, weil sie diese nicht besäßen, sondern lediglich angemietet hätten. 

Der Wille zur Umstellung auf andere Energieträger respektive zur Reduktion der Abhängigkeit von der Gasversorgung ist allerdings durchaus gegeben, heißt es in der Studie. Rund ein Drittel der Befragten (329 Unternehmen) setzte bereits einschlägige Schritte, insbesondere was die Einsparung von Gas betrifft. Ebenfalls ein Drittel plant weitere Maßnahmen zur Verminderung des Gasbedarfs. An erster Stelle liegen dabei die „Umstellung der Produktionsanlagen“ sowie des Heizsystems auf andere Energieträger (jeweils 31 % der Antworten), an zweiter Stelle wurden Verbrauchsreduktionen genannt (27 % der Antworten).

Als Alternativen für den Einsatz von Pipelinegas – Mehrfachantworten waren möglich – bezeichneten 57 % der Befragten Wärmepumpen, 27 % Fernwärme, 19 % Energiesparmaßnahmen, 18 % LNG sowie jeweils rund 17 % Erdöl und Biomasse. Anders sieht es aus, wenn die Unternehmen nach ihrem Gasverbrauch gewichtet werden. So betrachtet, ist für 61 % der Befragten die Biomasse die wichtigste Alternative zu Erdgas. An zweiter Stelle liegt die Elektrizität mit 55 %, an dritter finden sich Fernwärme und LNG mit jeweils 42 % der Antworten, gefolgt von Erdöl mit 38 %. 

Fast ein Drittel hält Umstieg für ausgeschlossen 

Einfach wäre die Umstellung allerdings nicht: Nur rund 5  % der Unternehmen könnten binnen eines Monats mindestens 75 % des benötigten Gases durch andere Energieträger ersetzen. Ein Fünftel würde dazu bis zu einem Jahr benötigen, 28 % veranschlagen zwei Jahre. Fast ein Drittel der Befragten (29 %) hält den Umstieg auf alternative Energieträger für faktisch ausgeschlossen. 

Bei einem vollständigen Ausfall der Gasimporte müssten 27 % der befragten Unternehmen ihre Produktion um mindestens 90 % verringern oder diese komplett einstellen. Verringern sich die Importe um 25 %, wären 40 % der Unternehmen gezwungen, ihre Erzeugung um ebenfalls 25 % zurückzufahren. Etwa 6 % könnten nicht mehr produzieren. 

Laut dem Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik der WKL, Jürgen Streitner, zeigt die Umfrage, „dass ein Energieträgerwechsel derzeit mit einer langen Vorlaufzeit und hohen Investitionskosten verbunden ist. Eine Gassubstitution schnell genug durchzuführen, um für den kommenden Winter gerüstet zu sein, ist den Unternehmen derzeit kaum möglich. Daher brauchen wir mehr Tempo vonseiten der Politik." Die Regierung müsse rasch die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, um einen "Fast-Track-Energiewechsel" zu ermöglichen. 
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Freitag, 05.08.2022, 12:38 Uhr

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