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Enerige & Management > Klimaschutz - Greenpeace erwartet Peak bei Kohle-Verstromung
Bild: Fotolia.com, Nicole Effinger
KLIMASCHUTZ:
Greenpeace erwartet Peak bei Kohle-Verstromung
Der G20-Gipfel in Hamburg muss ein klares Signal zum Kohleausstieg aussenden, fordert die Umweltorganisation Greenpeace und untermauert seinen Anspruch mit einer neuen Studie.
 
Spätestens bis 2030 werden in allen G20-Staaten Wind- und Solarenergie die günstige Form der Stromerzeugung sein. Schon 2015 waren die erneuerbaren Energien in rund der Hälfte der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer günstiger oder gleich teuer wie Strom aus konventionellen Kraftwerken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Lappeenranta University of Technology in Finnland, die Greenpeace in Auftrag gegeben hatte und am 5. Juli, also zwei Tage vor Beginn des G20-Gipfels in Hamburg vorgestellt hat. Die Untersuchung analysiert die Energieerzeugung in allen G20-Staaten und stellt die Stromerzeugungskosten für erneuerbare Energien denen aus konventionellen Anlagen von 2015 gegenüber. Dabei berücksichtigt die Analyse auch die Folgekosten fossiler Stromerzeugung und gibt einen Ausblick auf die erwartete Entwicklung bis 2030. Danach konnten schon 2015 in weiten Teilen Europas, den USA, Argentinien, Brasilien, China und Australiens Windenergieanlagen den günstigsten Strom erzeugen. Unter Berücksichtigung der Folgekosten, etwa für die Anpassung an den Klimawandel oder die Gesundheitskosten, wären die regenerativen Energien schon jetzt wirtschaftlicher als die konventionellen. Durch den technologischen Fortschritt und dadurch sinkende Preise wird künftig die Solarenergie die Stromgestehungskosten der Windenergie noch unterbieten können. In zahlreichen Staaten dürfte die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien noch deutlich vor 2030 erreicht werden, heißt es in der Studie.

„Klimaschutz wird in den G20 immer wirtschaftlicher“, sagt Greenpeace Energieexperte Tobias Austrup. Er mahnt: „Wer heute noch sein Geld in Kohlemeiler und Atomkraftwerke steckt, investiert in Technik, die morgen nicht mehr wettbewerbsfähig ist“.

Tatsächlich sieht Greenpeace in den G20-Staaten durch den Erfolg der erneuerbaren Energien eine Trendwende im Erzeugungsmix. Die Länderprofile aller G20-Staaten zeigen, dass der absolute Kohleanteil an der Energieversorgung zwischen 2012 und 2014 stagniert. Damals waren die G20-Länder noch für 81,5 % der weltweiten energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Seither sinkt der weltweite Kohleverbrauch, auch weil China entschieden hat, 104 geplante Kohlekraftwerke nicht mehr zu bauen. Indien will in den nächsten zehn Jahren ebenfalls keine Kohlekraftwerke mehr bauen, Südkorea hatte jüngst den Kohle- und Kernenergieausstieg beschlossen. Die Vorzeichen stimmen Greenpeace hoffnungsfroh. „Wir erleben den Anfang vom Ende der Kohle", meint Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss. Vor diesem Hintergrund dürfe sich auch Deutschland nicht mehr vor seiner Verantwortung drücken. Heuss kritisiert, dass in den vergangenen Jahren der CO2-Ausstoß in Deutschland nicht nennenswert zurückgegangen ist und sich auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2009 befindet. „Deutschland kann sich nicht mehr vor dem überfälligen Kohleausstieg drücken“, so Heuss. Nur wenn jetzt die ältesten Kohlekraftwerke abgeschaltet würden, wäre das angepeilte deutsche Klimaziel von 751 Mio. t CO2-Äquivalent bis 2020 noch zu erreichen. Vor dem Gipfeltreffen der wichtigsten Staats- und Regierungschefs in Hamburg rief die Greenpeace-Chefin zu einer Beschleunigung bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und einer Steigerung der Klimaschutzmaßnahmen auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse als Konferenzvorsitzende den Beispielen Frankreichs, Indiens und Südkoreas folgen und die nationalen Anstrengungen erhöhen und den Kohleausstieg einläuten. Die G20-Staaten sollten ein klares Bekenntnis zur Umstellung der Energieversorgung auf 100 % erneuerbare Energien bis spätestens 2050 abgeben und bereits bis 2020 aus der Subventionierung fossiler Energieträger aussteigen, so Heuss.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Mittwoch, 05.07.2017, 15:15 Uhr

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