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Enerige & Management > Politik - Graichen: "Die nächsten Monate werden hart"
Staatssekretär Patrick Graichen beim virtuellen Interview im Rahmen der Berliner Energietage. Quelle: E&M
POLITIK:
Graichen: "Die nächsten Monate werden hart"
Staatssekretär Patrick Graichen hat in einem Interview unter anderem angekündigt, heimisches Biogas stärken zu wollen. Dies sei ein Punkt einer Dreifach-Strategie der Bundesregierung.
 
Bei den Berliner Energietagen hat Staatssekretär Patrick Graichen (BMWK) in einem Interview am 24. August einen Überblick gegeben, wie die Gaskrise bewältigt werden soll. „Wir haben eine Dreifach-Strategie“, erklärte Graichen im Gespräch, das über Youtube gestreamt wurde. Die Zielmarke sieht der Staatssekretär bei 15 bis 20 % Einsparung, um „über durch die nächsten beiden Winter zu kommen“. Es gehe darum, Lösungen zu finden, die „uns durch die Hochpreislage der nächsten 18 bis 24 Monate“ tragen, so Graichen in dem Energietage-Live-Interview.

Der erste Punkt der Dreifach-Strategie ist laut Graichen die Ersatzbeschaffung. Deutschland versucht, schnell eigene Umschlagpunkte für Flüssigerdgas auf dem Seeweg aufzubauen (LNG-Terminals). Hier sei man auf einem guten Weg. Die LNG-Terminals in „Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Lubmin sollen diesen Winter schon nutzbar sein“, sagte Graichen. Zwei weitere sollen im Winter 2023/24 folgen. Zudem werde in den Nachbarländern nach Möglichkeit Gas eingekauft.

Erdgas ersetzen ist für Graichen der zweite wesentliche Punkt. Hier setzt der Staatssekretär bei den Privathaushalten auf einen verstärkten Zubau von Wärmepumpen. Für die Industrie soll möglichst Kohle und Öl als Ersatz beschafft werden. Seit dem 14. Juli dürfen auch Steinkohlekraftwerke aus der Netzreserve wieder in Betrieb gehen, damit in Deutschland Erdgas eingespart werden kann. Nach Aussage Graichens ist auch Biogas eine Option der Substitution. Um davon mehr erzeugen zu können, sei eine Novelle des Energiesicherungsgesetzes geplant: „Wir wollen die Hemmnisse für mehr Biogas, wie zum Beispiel die Größenbegrenzungen, abschaffen.“

Beim Thema Weiterbetrieb deutscher Atomkraftmeiler zeigte sich Graichen zurückhaltend als Ersatz für Erdgas. Der Spareffekt sei wohl minimal, so Staatssekretär Graichen. Er hält einen Weiterbetrieb nur für sinnvoll, wenn tatsächlich die Netzstabilität gefährdet sei. Nach dem geltenden Atomgesetz, das 2011 nach dem Fukushima-GAU den beschleunigten Atomausstieg regelte, müssten die verbliebenen Meiler in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn), Isar 2 in Bayern und Emsland in Niedersachsen nach dem 31. Dezember 2022 vom Netz gehen. Für den Streckbetrieb, also die Weiternutzung der aktuellen Brennstäbe auf halber Last bis etwa Juni 2023, braucht es eine Gesetzesnovelle im Bundestag.

Das Sparen von Gas ist der dritte Punkt. „Wir brauchen bis zu 20 Prozent weniger Verbrauch, um über den Winter zu kommen“, sagte Graichen. Hier müssten die Anstrengungen noch verstärkt werden, da die derzeit erreichten Einsparungen wohl bei etwa 8 bis 10 % liegen würden. Für den Worst Case, in dem Verbraucher abgeschaltet werden müssten, versprach Graichen Ausgewogenheit.

Abschließend sagte er, dass „harte Monate“ vor uns liegen. Allerdings sieht Graichen die Dekarbonisierungsstrategie der Bundesregierung, die bereits vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und der Gasmangellage Bestand hatte, nicht gefährdet. „Ich bin überzeugt, die Gaskrise kann ein Booster für die Energiewende und den Klimaschutz sein“. Trotzdem wisse er, dass die Kosten ein großes Problem darstellen. Hier verwies er nochmals auf die Entlastungspakete.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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