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Enerige & Management > Stromnetz - Gleichstromprojekte machen langsam Fortschritte
Die Erdkabel für den Südostlink lagert Tennet schon mal im Regensburger Hafen ein, Quelle: E&M / Günter Drewnitzky
STROMNETZ:
Gleichstromprojekte machen langsam Fortschritte
Nach Abschluss der Bundesfachplanung für Ultranet hat Amprion Einzelheiten bekanntgegeben. Auch die anderen Gleichstromprojekte sind in einem fortgeschrittenen Genehmigungsstadium.
 
Die Hochspannungsgleichstromleitung Ultranet führt über 320 km von Osterath in der Stadt Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) ins baden-württembergische Philippsburg, wo bis Ende 2019 noch das gleichnamige Kernkraftwerk Strom eingespeist hat. Mit dem Abschluss der Bundesfachplanung steht ein 1.000 Meter breiter Korridor fest, in dem das Projekt verlaufen soll.

Ziel von Amprion ist es allerdings, so weit wie möglich eine bestehende Freileitungstrasse für die Gleichstromleitung zu nutzen. Die Entscheidung der Behörde zum zuletzt festgelegten Abschnitt zwischen Weißenthurm und Riedstadt stärke dieses Planungsziel, so eine Mitteilung des Übertragungsnetzbetreibers.

Einer der Wechselstromkreise auf den Masten soll demnach künftig in Gleichstromtechnik betrieben werden. Hierfür sind, wie es weiter heißt, nur wenige bauliche Veränderungen erforderlich. An den meisten Masten müssen lediglich die Isolatoren getauscht werden, um einen Stromkreis in Gleichstromtechnik zu nutzen. Vorgesehen ist eine Übertragungskapazität von 2.000 MW bei 380 kV.

Ohne Netzausbau werden Klimaziele nicht erreicht

Hendrik Neumann, technischer Geschäftsführer bei Amprion: "Wir brauchen eine rechtssichere und schnelle Umsetzung der Netzprojekte wie Ultranet. Ohne den zügigen Ausbau werden wir die Klimaziele in absehbarer Zeit nicht erreichen und die Versorgungssicherheit langfristig nicht gewährleisten können."

Parallel zum Abschluss der Bundesfachplanung, in die rund 50 Vorschläge aus der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Verlauf der Trasse eingeflossen sind, hat Amprion bereits die weiteren Schritte vorbereitet. Entlang der Ultranet-Strecke unterstützen derzeit etwa Umweltplaner und Trassierungsfirmen die Detailplanung: Sie führen die verpflichtenden Kartierungen von Flora und Fauna für die Umweltunterlagen im nächsten Verfahrensschritt durch. Auch finden erste Baugrunduntersuchungen statt. Mitte Juni soll der Antrag auf Planfeststellung gestellt werden. In diesem Verfahren wird der genaue Verlauf der Trasse festgelegt. Die Inbetriebnahme ist für 2027 vorgesehen.

Als Erdkabelprojekt ist die Anschlusstrasse A-Nord geplant, die ebenfalls für 2.000 MW ausgelegt ist und Windkraftstrom von Emden in Niedersachsen zum Anknüpfungspunkt Osterrath bringen soll. Auch für dieses Vorhaben ist die Bundesfachplanung abgeschlossen.

Südlink und Südostlink lassen wohl noch bis 2028 auf sich warten

Bis 2023 wird der Planfeststellungsbeschluss für den Südostlink erwartet. Ein 2.000-MW-Erdkabelprojekt zwischen Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) und Ohu bei Landshut (Bayern), wo noch bis Jahresende das Kernkraftwerk Isar 2 Strom ins bayerische Netz einspeist. Auch eine weitere Südostlinkverbindung mit nochmal 2.000 MW ist geplant. Tennet will, so formulierte es der Übertragungsnetzbetreiber Anfang des Jahres, "sofort loslegen", wenn die Baufreigabe erfolgt. Deshalb läuft auch schon die Produktion des 525-kV-Erdkabels auf Hochtouren. Es wird von der Firma Prysmian in Frankreich hergestellt, nach Regensburg verschifft und dort schon mal im Hafen eingelagert.
 
Das 525-kV-Erdkabel für Südostlink und Südlink mit eingebauten Glasfaserleitungen zur Überwachung des Betriebszustands hat einen Durchmesser von 15 Zentimetern. Ein Meter wiegt 40 Kilogramm. 
Quelle: E&M / Günter Drewnitzky

Im Planfeststellungsverfahren befindet sich derzeit auch das größte und mit 10 Mrd. Euro teuerste Energiewendeprojekt Deutschlands: Die Südlink-Gleichstromverbindung. Sie soll mit zwei über weite Strecken parallel verlaufende Leitungstrassen insgesamt 4.000 MW Windkraftstrom aus Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt (Bayern) und Leingarten bei Heilbronn (Baden-Württemberg) bringen.

Die Trasse ist 700 Kilometer lang, auch sie wird mit 525 kV betrieben – und auch ihre Umsetzung hat sich immer wieder verzögert. Ursprünglich war einmal geplant, dass sie mit der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke im Süden Ende des Jahres in Betrieb gehen kann. Kürzlich war noch von 2026 die Rede. Jetzt geht man – wie beim Südostlink − von 2028 aus. Immerhin: Auch hier ist die Kabelproduktion schon angelaufen.
 

Günter Drewnitzky
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Dienstag, 24.05.2022, 16:20 Uhr

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