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Enerige & Management > Studien - Geothermie könnte bis zu 75 % der Wohnwärme sichern
Geothermieturm, Quelle: E&M
STUDIEN:
Geothermie könnte bis zu 75 % der Wohnwärme sichern
Angesichts der Erdgasknappheit legt das Fraunhofer-Institut für Geothermie eine Roadmap vor, wie drei Viertel des deutsche Wohnwärmebedarfs durch Erdwärme gedeckt werden könnte.
 
Die Wärmewende hinkt der Stromwende hinterher, stellt die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) in ihrer Studie fest. Liege beim Strom der Anteil erneuerbarer Energie bei rund 50 %, erreiche er im Wärmebereich nur etwa 20 %. dabei wird für Wärme mit 56 % der Löwenanteil der Gesamtenergie verbraucht.

„Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürger müssen nun die Weichen für eine Wärmeversorgung stellen, die nachhaltig, versorgungssicher, regional und bezahlbar ist“, fordert das IEG daher. Die Studie entstand im Auftrag des Bundesverbandes Geothermie (BVG), des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP) und der Erdwärme Gemeinschaft Bayern.

Laut der „Roadmap Oberflächennahe Geothermie“ könne die oberflächennahe Geothermie den Wärmesektor flächendeckend klimaneutral machen. Die Nutzung von Erdwärme mittels Wärmepumpen würde mit zunehmend erneuerbar produziertem Strom keine Treibhausgase ausstoßen. Zudem habe die Technik den Vorteil, im Sommer kühlen zu können und keinen Krach oder Abgase zu produzieren. Die Schweiz sei dank Geothermie autark ohne Kohleheizkraftwerke.

Erdwärme auch im Wohnungsbestand möglich

Mittlerweile gebe es auch Techniken, von einem Parkplatz oder einer Freifläche aus Bohrungen bis zu einigen hundert Meter Tiefe schräg sternförmig in die Erde zu bringen, so dass auch im Wohnbestand Geothermie zu erschließen sei, erläuterte der Leiter des IEG Prof. Rolf Bracke. Das Verfahren sei auf dem eigenen Institutsgelände erfolgreich erprobt worden.
 
Zusammensetzung des Potentials von 75 % des Wohnwärmebedarfs aus Geothermie.
Zum Vergrößern der Grafik bitte auf das Bild klicken.
Quelle: Fraunhofer IEG

Für die Wärmepumpenhersteller sagte BWP-Geschäftsführer Martin Sabel, dass zwar zunehmend Wärmepumpen eingesetzt würden, allerdings zumeist nur für Neubauten mit hohem energetischen Standard als Lufttauscher. Erdwärme biete dagegen die Chance mit den höheren Vorlauftemperaturen auch in Bestandsgebäuden zu heizen.

Das IEG hatte für die Roadmap am Beispiel von sechs Millionen Bestandsgebäuden in Nordrhein-Westfalen die geothermischen Potentiale untersucht und war dabei auf die hohe Deckung von 75 % der benötigten Heizenergie aus Geothermie gekommen. „Erdwärmepumpen stellen die vorteilhafteste Option dar, die nationalen Klimaziele für das Jahr 2045 zu erreichen“, so das IEG. Sie könnten auch Nahwärmenetze versorgen.

Tempo des Zubaus verzehnfachen

In der Roadmap werden neben den Potenzialen auch Hemmnisse und Handlungsempfehlungen dargelegt. „Die Hemmnisse für den Markterfolg liegen weniger im technischen Bereich als bei Förderrichtlinien, Genehmigungsverfahren, mangelnder Investitionsbereitschaft und Fachkräftemangel“, fasste Bracke zusammen.

Derzeit seien über 400.000 Erdwärmepumpen in Deutschland installiert, die über eine oder mehrere Bohrungen die konstante Temperatur von 5 bis 20 Grad Celsius in Tiefen bis 400 Meter zum Heizen oder Kühlen nutzen. Zur Erreichung der Klimaziele brauche es jedoch mehr als eine Verzehnfachung bis ins Jahr 2045. Derzeit werden rund 20.000 Anlagen pro Jahr gebaut.

Die Handlungsempfehlungen der Studie

1. Die Bundesländer sollen ihre pauschalen und weitreichenden Restriktionen überarbeiten, reduzieren und idealerweise bundesweit vereinheitlichen. Die Genehmigungen müssen nach transparenten Kriterien, zuverlässig und zeitnah erteilt werden.

2. Die Ausbildung im Sanitär-, Heizungs- und Klima-Handwerk mit seinen 400.000 Handwerkern muss die Wärmewende inhaltlich in den Fokus nehmen. Auch das Bohrhandwerk braucht mehr Kapazitäten, es fehlen kurzfristig 2.500 Bohrgeräte und über 6.000 Fachkräfte. „Wer heute Gas- und Ölthermen verbaut, muss für Wärmepumpen umgeschult werden“, sagte Sabel.

3. Die Genehmigungsbehörden müssen sich in die Lage versetzen, umsetzungsorientiert zu agieren, durch eine vorausschauende Anpassung der Stellenpläne und die konsequente Besetzung dieser Stellen. Weiterbildungsangebote müssen etabliert werden.

4. Der Einbau fossiler Heizungen muss so schnell wie möglich untersagt werden. Bestandsanlagen müssen deutlich vor dem Jahr 2045 ausgetauscht werden. Anreizprogramme sollten den Tausch fördern, elektrische Energie für Wärmepumpen von Steuern und Abgaben entlastet werden.

5. Die vorhandenen geologischen Daten müssen durch die jeweiligen Landesdienste vervollständigt werden. Daten des Untergrundes bis 200 m Tiefe solltenn kurzfristig und bis 400 m Tiefe mittelfristig flächendeckend digital bereitstehen.

6. Aufklärung und gezielte Informationskampagnen durch geeignete Multiplikatoren sind notwendig. Mit einer Modernisierungsoffensive für öffentliche Gebäude sollen Kommunen, Länder und Bund vorangehen und Referenzen für Nachahmer schaffen. Auch private und öffentliche Wohnungsgesellschaften mit großem Bestand müssen motiviert werden, ihren Investitionsbedarf schnell umzusetzen.

Die „Roadmap Oberflächennahe Geothermie - Potenziale, Hemmnisse und Handlungsempfehlungen"   des Fraunhofer IEG steht im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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