• Strom aus der Laterne
  • RWE setzt auf schwimmende Offshore-Windturbinen
  • Wasserstoffroute im Nordosten nimmt Konturen an
  • Wiener Anwalt will gegen Smart Meter Rollout klagen
  • Gaspreise für deutsche Haushalte weiter auf hohem Niveau
  • Mehr Biomethan aus kleinen landwirtschaftlichen Anlagen
  • Mehr Anreize für Wärmenetze
  • Versorger fördern regenerative Energie
  • E-Auto-Zulassungen in Deutschland stark gestiegen
  • Impact-Indikatoren machen Klimawandel messbar
Enerige & Management > Stromnetz - Geld für vier Stromautobahnen
Bild: Fotolia.com, Gina Sanders
STROMNETZ:
Geld für vier Stromautobahnen
Verteilnetzbetreiber und Infrastruktur-Investoren mahnen bei der künftigen Bundesregierung stabile Regulierungsbedingungen an.
 
„Der europäische Netzausbau muss vorangehen“, sagt Peter Franke. Mit dieser Forderung steht der Vizepräsident der Bundesnetzagentur nicht allein. Dass das Stromübertragungsnetz ausgebaut werden muss, um Windstrom aus dem Norden in die Verbrauchszentren im Süden Deutschlands zu transportieren, ist weitgehend Konsens in der Energiewirtschaft. Auch die Unterstützung aus der Politik wächst: „Die günstigste Flexibilität, die es gibt, ist der Netzausbau“, sagte beim Euroforum-Regulierungskongress am 25. September in Berlin Oliver Krischer, wiedergewählter Bundestagsabgeordneter der Grünen und im vorangegangenen Bundestag energiepolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Er sprach sich für „stabile Bedingungen“ aus.

Der Netzausbau oder zumindest die Planung kommen auch wie geplant voran. Franke wies darauf hin, dass für Anfang nächsten Jahres mit ersten Planfeststellungsanträgen für Leitungsausbauprojekte im Rahmen der Bundesfachplanung der Regulierungsbehörde zu rechnen sei. „Wir sind in intensiver Vorbereitung“, so der Vizepräsident der Behörde.

Für den Netzentwicklungsplan (NEP) 2013, dessen Konsultation am 13. September begann, zeichne sich tendenziell ab, dass „aus drei bestätigten Nord-Süd-Trassen vier werden“. Noch im Netzentwicklungsplan 2012 hatte die Bundesnetzagentur nur drei so genannte Stromautobahnen für den Nord-Süd-Transport von Windenergie genehmigt. Die Konsultation des NEP 2013 soll Anfang November abgeschlossen werden.

Netzbetreiber und Investoren richteten auch an Franke die Forderung nach stabileren und plausibleren Regulierungsbedingungen. Die Bestimmungen hätten eine an einigen Stellen nicht mehr handhabbare Komplexität erreicht und stellten „regulatorische Fallen“, kritisierte Eric Ahlers vom Branchenverband BDEW. Permanente Änderungen der Regulierungsbedingungen führten zu Nachteilen für Netzbetreiber am Kapitalmarkt, bemängelte Nadja Ballauf vom Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. „Es reicht“, richtete sie einen eindeutigen Appell an den Gesetzgeber. „Netzagentur und Netzbetreiber müssen noch mehr miteinander reden“, ergänzte sie.

Netze als interessante Anlageobjekte

Netze sind aber trotz dieser Probleme weiter ein interessantes Anlageobjekt für Investoren, die an langfristiger Beteiligung und stabilen Renditen interessiert sind. Auch diese fordern jedoch verlässliche Rahmenbedingungen. Verlässlichkeit bedeute für ihn, dass die Regulierung stabile Cash-Flows garantiere, sagte beim Kongress in Berlin Holger Kerzel. „Infrastruktur ist sehr interessant für Versicherungen“, so der Geschäftsführer der Meag Munich Ergo Kapitalanlagegesellschaft.

Das Tochterunternehmen der Versicherungen Ergo und Münchener Rück will in den nächsten Jahren insgesamt 4 Mrd. Euro in Energieversorgungsprojekte investieren – davon 2,5 Mrd. Euro in erneuerbare Energien und 1,5 Mrd. Euro in Netze. Etwa 1 Mrd. Euro davon seien bereits vergeben, und „Speicher wären ebenso eine interessante Investition“, ergänzte Kerzel.

„Als hochinteressante Goldstücke“ bezeichnete Teresa Schinwald, Analystin der Raiffeisen Centrobank in Wien, Investitionen in regulierte Bereiche. Sie warnte jedoch vor der Gefahr, dass jede Regulierung irgendwann einmal intransparent wird.

„Wir führen viele Gespräche mit Investoren“, bestätigte Regulierer Franke das nach wie vor große Interesse an Netzbeteiligungen. Veränderungen der Regulierungsbestimmungen hält er nicht für ausgeschlossen. Ende 2014 werde die Bundesnetzagentur das nächste Mal ihren alle zwei Jahre fälligen Bericht zur Anreizregulierung vorlegen. Dabei sollen auch Probleme des Regulierungsrahmens offen diskutiert werden. Die Anreizregulierung nannte der Vizepräsident der Behörde „ein hoch komplexes System, in dem manches besser und manches nicht so gut funktioniert“.
 

Peter Focht
Redakteur
+49 (0) 30 89746265
eMail
facebook
© 2020 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 25.09.2013, 16:58 Uhr

Mehr zum Thema