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Enerige & Management > Windkraft - Gebotsvolumen bei der Windkraft nicht voll genutzt
Bild: Fotolia/Felix brönnimann
WINDKRAFT:
Gebotsvolumen bei der Windkraft nicht voll genutzt
Erstmals war eine Bieterrunde bei der Windkraft an Land nicht überzeichnet. Dennoch sehen Windkraftbefürworter Bedarf für die von Schwarz-Rot vereinbarten Sonderausschreibungen.
 
Die zweite Ausschreibungsrunde für die Windkraft an Land in diesem Jahr ist mit einer Überraschung geendet. Das betrifft weniger den auf 5,73 Ct/kWh gestiegenen durchschnittlichen Zuschlagswert der erfolgreichen Projekte, über den sich die Investoren freuen dürften.

Nach einer Mitteilung der Bundesnetzagentur ist zum ersten Mal das ausgeschriebene Gebotsvolumen bei den Bieterwettbewerben nicht komplett gezeichnet gewesen, das dieses Mal 670 MW umfasste. Bei der Bonner Behörde waren lediglich 111 Gebote mit einem Gesamtvolumen von 604 MW eingegangen. Jochen Homann, Präsident der Netzagentur, sprach von „einer leichten Unterzeichnung einer Ausschreibung, die den Trend der letzten Runden mit zurückgehenden Gebotsmengen hat.“

Diese „Unterzeichnung“ ist deshalb eine Überraschung, weil für diese Runde genügend genehmigte Projekte für neue Windparks mit einem Volumen von 1 384 MW vorlegen haben, besagt das von der Bundesnetzagentur betreute Anlagenregister.

Für den Bundesverband Windenergie gibt es gleich mehrere Gründe für das gesunkene Teilnehmerinteresse an dieser Ausschreibungsrunde: „Viele Investoren warten nach wie vor die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ab, mit der endgültig geklärt wird, ob die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz in künftigen Ausschreibungen Grundlage zur Teilnahmevoraussetzung an den Auktionen wird“, sagte BWE-Geschäftsführer Wolfgang Axthelm gegenüber E&M. Das habe durchaus zu „strategischen Überlegungen“ bei einigen Unternehmen geführt.

Ähnlich lautet die Einschätzung von Matthias Zelinger von VDMA Power Systems: „Wenn wie in dieser Runde ein Großteil der genehmigten Projekte nicht einmal an der Ausschreibung teilnimmt, so muss man davon ausgehen, dass nicht ausreichend in neue Genehmigungen investiert wird, solange bis das politische Gezerre beendet ist.“

Für BWE-Mann Axthelm sind auch die laufenden Umgenehmigungen mit einer der Gründe für die geringe Teilnehmerquote: „Um ihre Chancen bei den nächsten Ausschreibungen zu verbessern, sind eine Reihe von Investoren dabei, mit Umgenehmigungen moderne und effizientere Windturbinen in ihren Projekten einsetzen zu können.“ Nach Worten Axthelms ein „sehr zeitaufwändiges Verfahren, was zu Projektverzögerungen von bis zu drei Jahren führen kann. Nach BWE-Informationen beläuft sich das Volumen der Projekt, deren Genehmigung aktuell umgeschrieben wird, auf rund 10 000 MW.

Axthelm ist aber lange genug im energiepolitischen Geschäft dabei, um zu wissen, welche Sprengkraft die „leichte Unterzeichnung“ bei dieser Auktionsrunde in sich birgt. In ihrem Koalitionsvertrag für die Neuauflage der Großen Koalition hatten sich Union und Sozialdemokraten auf Sonderausschreibungen für die Windkraftkraft an Land von insgesamt 4 000 MW für 2018 und 2019 verständigt. Die „Unterzeichnung“ könnten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die windkraftkritischen Abgeordneten in der Union als Argument nutzen, lautet die Befürchtung in Branchenkreisen, dass es keinen Bedarf an zusätzlichen Ausschreibungsmengen gebe. Altmaier hatte bei dem anstehenden EEG-Ergänzungsgesetz auf diese Mengen für die Sonderausschreibung verzichtet und auf die Zeit nach der Sommerpause verwiesen. Was zu dem ersten energiepolitischen Streit mit dem Koalitionspartner SPD geführt hat.

Für Johann Saathoff, den energiepolitischen Koordinator der SPD-Bundestagfraktion, haben die Ergebnisse der jüngsten Windkraft-Ausschreibung aber den Druck auf Altmaier erhöht: „Die Unterzeichnung der Ausschreibung ist ein deutliches Signal für uns, dass wir zügig die Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau der Windkraft klarstellen müssen. Die Branche braucht klare Signale für Sonderausschreibungen und eine Ausbaupfad zu einem Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung im Jahr 2030.“

Saathoffs Worte begrüßt Reiner Priggen, der Vorsitzende des Landesverbandes Erneuerbare Energien in Nordrhein-Westfalen: „Wir brauchen die Mengen der vereinbarten Sonderausschreibung, um noch irgendwie in Nähe des 2020er Klimaziels zu kommen. Es wäre schön, wenn die Sozialdemokraten nicht gleich beim ersten Knatsch mit der Union bei der Energiepolitik klein beigeben würden“, sagte der frühere Grüne-Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag.
 

Ralf Köpke
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Donnerstag, 17.05.2018, 17:00 Uhr

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