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Quelle: Fotolia/Andrey Popov
BILANZ:
Gasnetz Hamburg: Einstellungsoffensive trägt Früchte
Die Gasnetz Hamburg GmbH hat 2020 per Saldo 53 Menschen mehr eingestellt, als das Unternehmen verließen. Der Zuwachs entspricht 11 % der vorherigen Belegschaft.
 
Die Gasnetz Hamburg GmbH hat auch im ersten Corona-Jahr 2020 dem Stadtstaat Hamburg Freude bereitet - sowohl in der kaufmännischen Bilanz, in der Klimabilanz und als Arbeitgeber. Das geht aus Angaben von Pressesprecher Lars Hägerbäumer auf Anfrage dieser Redaktion hervor. Eine gewaltige Investitionsoffensive in Richtung eigenes Wasserstoffnetz steht dem Unternehmen bevor.

Demnach sank zwar der Gewinn und damit auch die Ausschüttung in den Stadtsäckel gegenüber 2019 um 2,5 auf 17,2 Mio. Euro. Doch dies habe lediglich daran gelegen, dass sich eine entsprechend über den Erwartungen liegende Ausschüttung der betrieblichen Altersversorgung, einer sogenannten Pensionstreuhand (Contractual Trust Arrangement, CTA), nicht wiederholt habe, so Hägerbäumer.

Insgesamt profitierte die Hansestadt 2020 mit gut 35 Mio. Euro von ihrer Tochter, rechnet man direktes und indirektes Steueraufkommen sowie die Konzessionsabgabe hinzu. 70 % der Ausgaben und der Ausschüttung bleiben in der Metropolregion, mehr als die Hälfte in der Stadt selbst. "Denn anders als Großkonzerne sind wir für die Menschen in unserer Stadt aktiv", erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Christian Heine.

Erst privat, dann kommunal, dann privat, dann kommunal

Das Unternehmen war ursprünglich eine private Konzession, dann seit 1891 kommunal als "Hamburger Gaswerke" (Marke "Hein Gas"), wurde 2003 als integriertes Gasunternehmen an Eon verkauft und 2018 aufgrund eines Volksentscheides als reiner Verteilnetzbetreiber zurückgekauft.

Der immer noch stattliche Gewinn der neu-alten Gastochter wurde nicht mit Sparen an der Belegschaft oder an der Infrastruktur erkauft, im Gegenteil: Systematische Einstellungsprogramme, um die Pensionierungswelle vor allem im technischen Bereich auszugleichen und die Digitalisierungskompetenz zu stärken, trugen Früchte: 2020 wuchs die Belegschaft per Saldo um 53 Menschen oder 11 % auf 532 Menschen. Die Ausbildungsquote inklusive duales Studium blieb mit knapp 11 % relativ hoch.

Mehr in den Netzbetrieb, weniger in IT

Die Investitionen sanken zwar von 53 auf 38 Mio. Euro, dies war aber ebenfalls auf einen Einmaleffekt zurückzuführen: 2019 musste die Gesellschaft knapp 25 Mio. Euro für die Auslösung der IT aus der Eon-Struktur ausgeben, so Hägerbäumer. Die Investitionen in den reinen Netzbetrieb stiegen 2020 um 8,5 Mio. Euro.

Die Gas-Transportmenge sank um 1 Prozent auf 20,0 Mrd. kWh bei einem Umsatz von 194 Mio. Euro. Dies lag laut Hägerbäumer nicht an den Lockdowns, sondern am milden Wetter. Der klimaneutrale Anteil daran, die Biogas-Einspeisung, blieb "verschwindend gering", räumte der Sprecher ein, auch wenn die Einspeisemenge gegenüber 2019 um mehr als 60 % stieg. Neu angeschlossene Anlagen speisten 1.350 Kubikmeter pro Stunde ein.

In ihrer Geschäftstätigkeit hat die Gasnetz Hamburg zwischen 2012 und 2020 ihren jährlichen CO2-Ausstoß um ein Drittel auf 7.300 Tonnen vermindert. Bis 2025 soll die Hälfte erreicht sein, 2030 soll die GmbH klimaneutral arbeiten.

Vor großem Wurf mit Wasserstoff

Im Gegensatz zum transportierten Gasgemisch. Aber es soll durch einen großen Wurf in Richtung von dessen Dekarbonisierung gehen: Gasnetz Hamburg nimmt bis 2030 circa 90 Mio. Euro in die Hand, um ein 60 Kilometer langes Wasserstoffnetz aufzubauen und Hafenbetrieben grünen Wasserstoff für Herstellungsprozesse zur Verfügung zu stellen. Damit könnte die Hamburger Industrie, auf deren Konto ein Drittel des städtischen Treibhausgas-Ausstoßes geht, bis zu 1,2 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. "Da reden wir nicht mehr übers Kleckern, hier geht es um das Klotzen", kommentierte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), als er die Zahlen präsentierte. Das Projekt heißt "HH-Win" für Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz.
 

Georg Eble
Redakteur
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