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Enerige & Management > Gas - Gasbranche fordert Anreize für Kraftwerke und LNG-Terminals
Gaskraftwerk Irsching bei Ingolstadt, Quelle: E&M
GAS:
Gasbranche fordert Anreize für Kraftwerke und LNG-Terminals
Ein extremes Jahr hat die Gasbranche hinter sich. Und wohl auch noch vor sich: Die Akteure haben wenig Hoffnung, dass Preise und Versorgungslage wieder zu alter Stabilität zurückfinden.
 
Das, was man an den Gasmärkten in den vergangenen Monaten beobachten konnte, dürfte wohl eher der Blick in die Zukunft sein, die eine stärkere Volatilität mit Abhängigkeiten von Wind und Sonne sowie von Importmöglichkeiten mit sich bringen wird. So jedenfalls äußerten sich Timm Kehler, Vorstand des Branchenverbandes Zukunft Gas, und Gregor Pett, Executive Vice President bei Uniper. Am 9. Februar gaben sie in Berlin einen Rück- und Ausblick zur Entwicklung des Gassektors.

Zur Abfederung dieser Umstände, so hieß es, müssten jetzt in Deutschland Gaskraftwerke zugebaut werden. Hier sei die Politik gefordert, Weiche zu stellen und den Zubau von 20.000 bis 30.000 MW anzureizen. Dabei gehe es um eine Investitionslücke von 30 Mrd. Euro und um die Tatsache, dass wegen der unsicheren Rahmenbedingungen nur wenige Interessenten am Markt unterwegs sind.

Auch Versorgungssicherheit vergüten

Kehler brachte einen Kapazitätsmarkt ins Spiel, der nicht nur produzierten Strom vergütet, sondern auch die Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Zugleich hob er die geringeren CO2-Emissionen bei Gaskraftwerken hervor: 409 g/kWh im Vergleich zu 1.135 g/kWh bei Braunkohle- und 852 g/kWh bei Steinkohlekraftwerken.

Am Primärenergieverbrauch in Deutschland hat Gas einen Anteil von 26,7 %, die Erneuerbaren bringen es bisher nur auf 16,1 %. Größter Gaskunde sind dabei die Industrie mit 366 Mrd. kWh und die Haushalte mit 306 Mrd. kWh. Was bedeutet, dass jeder zweite Haushalt mit Gas heizt, Tendenz steigend: Bei der Installation neuer Gasheizungen gab es nach Angaben Kehlers im vergangenen Jahr neue Rekordzahlen, ein Plus von 5 % gegenüber 2020. Deshalb müssten Heizungen und Netze wasserstofftauglich gemacht werden, sonst sei die Wärmewende nicht umsetzbar, die vorsieht, dass ab 2025 erneuerbare Energien einen Anteil von zwei Dritteln beim Heizen haben. Nicht alles könne an Wärmenetze angeschlossen werden, nicht überall seien Wärmepumpen sinnvoll.

Speicher sollen in Zukunft besser gefüllt werden

Auf die Entwicklung der Gasmärkte ging Gregor Pett von Uniper ein. Vor einem Jahr habe extrem kaltes Wetter in Asien dazu geführt, dass dort die LNG-Nachfrage sprunghaft angestiegen ist, sodass für Europa kaum etwas übrig blieb. Zudem haben Stürme und niedrige Temperaturen in Nordamerika zu einer geringeren Förderung dort geführt. Kühles Wetter gab es auch in Russland, sodass man letztendlich mit sehr geringen Speicherständen aus dem Winter gekommen sei. Auf diese Defizite trafen schließlich die hohe Nachfrage nach der Pandemie-Delle und die Unsicherheit über die weiteren geopolitischen Entwicklungen. Diese Kombination hätte die extremen Preisausschlägen zur Folge gehabt. Allerdings habe man in der zweiten Jahreshälfte gesehen, dass hohe Preise die Nachfrage auch wieder dämpfen können.

Trotz aktueller Speicherstände von 35 % in Nordwesteuropa zeigte sich Pett optimistisch, es damit über den Winter zu schaffen. Zugleich bekräftigte er allerdings, dass sich das in den kommenden Jahren ändern müsse. "Wir brauchen 2022 mehr Gas, um die Speicher wieder aufzufüllen." Er zeigte sich jedoch einigermaßen zuversichtlich: Es komme wieder mehr LNG nach Europa und Russland erfülle seine langfristigen Lieferverträge. Insgesamt, so resümierte Pett, habe das Jahr gezeigt, dass die wichtigsten Säulen Nachhaltigkeit, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit heißen.

"Das, was wir erlebt haben, könnte ein Ausblick auf die kommenden Jahre sein", resümierte auch Kehler. In diesem Zusammenhang wies er auch auf den enorm gestiegenen Importbedarf der EU von 266 Mrd. m3 im Jahr 2015 auf 360 Mrd. m3 in 2021 hin.

Branche: Politik muss bei LNG-Terminals aktiv werden

Natürlich kam die Konferenz der Gaswirtschaft nicht an den Themen Nord Stream 2 und Zuverlässigkeit der Belieferung aus Russland nicht vorbei. Das Projekt, so hieß es, habe auch einen klaren wirtschaftlichen Hintergrund. Wenn man bedenke, dass auch andere Länder in Europa in den kommenden Jahren aus der Kohle aussteigen wollen, sei dafür mehr Gas erforderlich. Außerdem sei die neue Pipeline kürzer und könne deshalb mit geringerem Energieaufwand betrieben werden. Und: Eine Perspektive zur Inbetriebnahme würde sich sicher dämpfend auf die Preise auswirken.

Auf der anderen Seite gebe es technische Kapazitäten, um auf unterschiedliche Liefersituationen zu reagieren. Allerdings könne nicht alles Gas aus Russland ersetzt werden. In dem Zusammenhang gab es auch die Forderung an die Politik, sich darum zu kümmern, dass der Bau von LNG-Importterminals in Deutschland vorankomme. Investoren würden wegen ungünstiger Rahmenbedingungen lieber ins Ausland gehen.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Mittwoch, 09.02.2022, 15:13 Uhr

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