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Enerige & Management > Gas - Gas.de muss aus dem Markt ausscheiden
Quelle: Fotolia / WoGi
GAS:
Gas.de muss aus dem Markt ausscheiden
Jetzt hat die Gaspreis-Explosion auch einen größeren Discounter getroffen. Er darf nicht mehr liefern. Seine Schwestergesellschaft ist nicht betroffen.
 
Der Energiediscounter Gas.de Versorgungsgesellschaft mbH muss kurzfristig mitten in der Heizperiode an einem Frosttag aus dem Gasvertrieb ausscheiden: Auf seiner Website heißt es seit Kurzem, wegen der "nie dagewesenen Preisexplosion an den europäischen Energiehandelsplätzen seit einigen Wochen" kündige man alle Erdgaslieferverträge mit Ablauf des 2. Dezembers. Am 3. Dezember übernehme der örtliche Ersatzversorger nahtlos die Versorgung. Dies gilt deckungsgleich auch für das Gasangebot der Zweitmarke "Grünwelt Energie".

Die Beschaffungspreise für Gas hätten sich für die Wintersaison gegenüber der vorigen Heizperiode in der Spitze mehr als vervierfacht, erläuterte der Discounter - auch ein Hinweis darauf, dass er sich nicht nur am Spot eingedeckt hat und der Terminmarkt für ihn kein Fremdwort war.

Von einer Pleite war nicht im Rede, im Gegenteil sagte Gas.de seinen Endkunden die Auszahlung von Guthaben und zeitanteilig auch von Neukunden-Boni zu. Diese sollen möglichst zeitnah den Zählerstand durchgeben, damit die Schlussrechnung erstellt wird.

Gas.de "bedauert" die "unerfreuliche" Kundenmitteilung "außerordentlich". Sie kommt auch nicht ganz freiwillig: Das deutsche Gasmarktgebiet Trading Hub Europe (THE) hatte dem Discounter den Bilanzkreisvertrag gekündigt, und zwar, wie der Betreiber auf Anfrage mitteilt, zum 3. Dezember um 6 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt endet der Gastag 2. Dezember.

Zu den Gründen wollte THE nichts sagen. Aber es ist offensichtlich, dass der Marktgebietsbetreiber und bei Strom die Übertragungsnetzbetreiber Bilanzkreisverträge mit Energielieferanten nur unter höchst regulierten Umständen, am besten im Einvernehmen mit der Bundesnetzagentur, kündigen dürfen. Dies können aus dem Ruder gelaufene Bilanzungleichgewichte sein oder etwa Zahlungsrückstände.

Damit verschwindet erstmals seit den Preisexplosionen im Energiehandel ein großer und erfahrener Discounter aus dem Gasmarkt, ohne in die Insolvenz zu gehen. Gas.de ist seit 2010 vertrieblich tätig und setzte laut dem Verbraucherportal energieanbieterinformation.de 2014 immerhin 287 Mio. Euro um. Das Portal gab dem Discounter damals schlechte Noten für die Vertragskonditionen und mittelprächtige für den Service.

2012 zählte AT Kearney Gas.de zu jenen Energiediscountern, die im ersten Lieferjahr Verluste in Kauf nehmen und daher gezwungen sind, die Endpreise zu erhöhen, um wirtschaftlich zu werden.

Stromio läuft weiter

Wie das heute aussieht, ist nicht bekannt: Das Unternehmen aus Kaarst (NRW) lässt seinen Abschluss in der Konzernbilanz von Universal Utility aufgehen, genauso wie folgende Schwesterunternehmen:

  • der Stromdiscounter Stromio, der seine Vertriebsaktivitäten offenbar weiterführt und von dem auch ausdrücklich keine Bilanzkreiskündigung bekannt ist,
  • Grünwelt Energie (Wien) und Grünwelt Wärmestrom
  • Amperax Energie
  • sowie die Betreiber-KG der Windkraftanlage Krackow (Vorpommern).

Universal Utility in Düsseldorf ist ein Milliardenkonzern, dessen Konzernbilanz wiederum in jener der Callax Holding konsolidiert ist. In vielen, wenn nicht allen Gesellschaften führt Ömer Varol die Geschäfte. Gemäß dem jüngsten veröffentlichten Konzernabschluss setzte Universal Utility 2019 1,1 Milliarden Euro um und machte damit 93 Millionen Euro Gewinn.

In der Liste der Energielieferanten bei der Bundesnetzagentur vom November taucht Gas.de nicht auf, was darauf hindeuten könnte, dass der Discounter weniger als 100.000 Kunden hatte. Jedenfalls hatte er allein im Netzgebiet der SWM Infrastruktur im Großraum München, in dem der Vertrieb der Stadtwerke München auch Grund- und Ersatzversorger ist, "circa 3.330". Dies teilte der Verteilnetzbetreiber auf Anfrage mit.

 

Georg Eble
Redakteur
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Freitag, 03.12.2021, 15:36 Uhr

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