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Energie & Management > IT - Für smarte Anwendungen sehr gut geeignet
Quelle: Pixabay
IT

Für smarte Anwendungen sehr gut geeignet

Ein Webinar von BET zeigt die Vorteile der 450-MHz-Frequenz für die Energiewirtschaft auf.
Nach langen Streitereien zwischen Bundeswirtschafts- und Bundesinnenministerium erhielt die Energiewirtschaft am 9. März 2021 von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für das 450-MHz-Netz. Welchen Nutzen die Branche daraus ziehen kann, wurde in einem Webinar der Beratungsgesellschaft BET deutlich.

Netz lässt sich für Notfallkommunikation priorisieren

Vor allem die Schwarzfall-Festigkeit hoben die Referenten immer wieder hervor. Diese hängt mit den sehr guten Ausbreitungseigenschaften aufgrund der relativ langwelligen Technologie zusammen. Denn dadurch ist es möglich, wie Peter Zink erläuterte, ein bundesweites Netz mit einer überschaubaren Anzahl von Antennenstandorten aufzubauen. Entsprechend kostengünstig sei es insgesamt, diese Standorte mit einer Notstromversorgung auszustatten, so der Leiter des Kompetenzteams Digitale Lösungen bei BET. Während die 450-MHz-Frequenz Reichweiten bis zu 20 Kilometern erlaube, seien es beim öffentlichen Mobilfunk je nach Antennenstandort zwischen 2 und 10 Kilometern, rechnete Kevin Löer, Projektmanager bei BET, vor.

Bei bestimmten baulichen Verhältnissen hilft keinerlei Funk

Ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Mobilfunk sei auch die sehr gute Gebäudedurchdringung, so dass Geräte hinter dicken Mauern in Kellerräumen erreicht werden können. Allerdings stoße bei bestimmten baulichen Verhältnissen auch die 450-MHz-Frequenz an ihre Grenzen, erklärte Van Lieu. Die Stadtwerke Düsseldorf, bei denen er als Projektleiter am Aufbau eines 450-MHz-Netzes beteiligt ist, hätten die Erfahrung gemacht, dass in einzelnen Liegenschaften die Wellen derart stark gedämpft werden, dass keinerlei Funkanbindung an bestimmten Stellen im Gebäude möglich sei, auch nicht mit der ansonsten vorteilhaften 450-MHz-Technologie.

Ein gravierendes Plus ist aber, dass das 450-MHz-Netz nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung steht und in Krisensituationen auch für die Notfallkommunikation herangezogen werden kann. Eine solche Priorisierung wäre beim öffentlichen Mobilfunknetz nicht möglich, dessen Verfügbarkeit in bestimmten außergewöhnlichen Situationen erfahrungsgemäß ohnehin eingeschränkt ist.

Mit seinen Eigenschaften ist das 450-MHz-Netz sowohl für Smart-Grid- als auch Smart-Meter-Anwendungen geeignet. Auch als Smart-City-Applikation könnte es zum Einsatz kommen. Die Entscheidung der Präsidentenkammer der Bundesnetzagentur legt jedoch die Vermutung nahe, dass beispielsweise das Parkraum- oder Müllmanagement nicht dem der Frequenzzuteilung zugrundeliegenden Verwendungszweck entsprechen. In der behördlichen Verlautbarung vom 16. November 2020 heißt es: „Der Nutzungszweck beschränkt sich nicht auf die Krisenkommunikation oder die Anbindung von kritischen Infrastrukturen im engeren Sinne der BSI-Kritis-Verordnung, sondern schließt etwa im Bereich der Energieversorgung die gesamte Digitalisierung der Energiewende ein.“

Nach Zinks Auffassung sind zumindest Zweifel angebracht, ob das Parkraummanagement der Energiewende zugerechnet werden kann. Außerdem gebe es für Smart-City-Anwendungen eine Reihe von Alternativen, etwa Lorawan. Eher einen Bezug zur Energiewende könne man dagegen bei der Anbindung und Steuerung der Straßenbeleuchtung herstellen, so der Berater.

Bei den Stadtwerken Düsseldorf kommt laut Lieu die 450-MHz-Frequenz bei der Überwachung und Steuerung von Strom- und Gasanlagen zum Einsatz, ebenso beim Schalten von Nachtspeicherheizungen und der städtischen Beleuchtung. Zukünftig würden auch Smart Meter Gateways an das 450-MHz-Netz angebunden werden. Für die Notfall-Sprachkommunikation ist es ebenfalls vorgesehen.

Es bauen derzeit noch weitere große kommunale und regionale Energieversorger Inselnetze mit 450-MHz-Technologie auf. Noch basieren sie auf der CDMA-Technik. Voraussichtlich ab 2023 werde aber auch LTE450 zur Verfügung stehen, sagte BET-Berater Löer. Für LTE seien dann auch entsprechende Smart Meter Gateways erforderlich. Diese sollen 2022 verfügbar sein.

Genehmigungsverfahren können sich ziehen

Die Stadtwerke Düsseldorf gehören neben der Wemag, EWE und anderen Energieunternehmen zu den sogenannten Ankerkunden des niederländischen Netzbetreibers Alliander. Dieser hatte bei der Zuteilung der 450-MHz-Frequenz an die Energiewirtschaft die Mehrheit an der „450 connect“ abgegeben, um eine Branchenlösung zu ermöglichen. Nun halten Alliander, das Konsortium der Ankerkunden, Eon und die "Versorger-Allianz" 450 jeweils 25 %.

Die Pläne des neuen Unternehmens, ein bundesweit flächendeckendes 450-MHz-Netz mit insgesamt 1.600 Funkstandorten bis Ende 2024 aufzubauen, hält Löer jedoch für eine „Herausforderung“. Denn Genehmigungsverfahren für Antennenstandorte könnten sich von einigen Wochen bis zu mehreren Jahren hinziehen. Allerdings ist der flächendeckende Aufbau kein Option, sondern ist eine Pflicht, die sich aus der Zuteilung für den Lizenzinhaber ergibt.
 

Mittwoch, 27.10.2021, 16:38 Uhr
Fritz Wilhelm
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Für smarte Anwendungen sehr gut geeignet
Ein Webinar von BET zeigt die Vorteile der 450-MHz-Frequenz für die Energiewirtschaft auf.
Nach langen Streitereien zwischen Bundeswirtschafts- und Bundesinnenministerium erhielt die Energiewirtschaft am 9. März 2021 von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für das 450-MHz-Netz. Welchen Nutzen die Branche daraus ziehen kann, wurde in einem Webinar der Beratungsgesellschaft BET deutlich.

Netz lässt sich für Notfallkommunikation priorisieren

Vor allem die Schwarzfall-Festigkeit hoben die Referenten immer wieder hervor. Diese hängt mit den sehr guten Ausbreitungseigenschaften aufgrund der relativ langwelligen Technologie zusammen. Denn dadurch ist es möglich, wie Peter Zink erläuterte, ein bundesweites Netz mit einer überschaubaren Anzahl von Antennenstandorten aufzubauen. Entsprechend kostengünstig sei es insgesamt, diese Standorte mit einer Notstromversorgung auszustatten, so der Leiter des Kompetenzteams Digitale Lösungen bei BET. Während die 450-MHz-Frequenz Reichweiten bis zu 20 Kilometern erlaube, seien es beim öffentlichen Mobilfunk je nach Antennenstandort zwischen 2 und 10 Kilometern, rechnete Kevin Löer, Projektmanager bei BET, vor.

Bei bestimmten baulichen Verhältnissen hilft keinerlei Funk

Ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Mobilfunk sei auch die sehr gute Gebäudedurchdringung, so dass Geräte hinter dicken Mauern in Kellerräumen erreicht werden können. Allerdings stoße bei bestimmten baulichen Verhältnissen auch die 450-MHz-Frequenz an ihre Grenzen, erklärte Van Lieu. Die Stadtwerke Düsseldorf, bei denen er als Projektleiter am Aufbau eines 450-MHz-Netzes beteiligt ist, hätten die Erfahrung gemacht, dass in einzelnen Liegenschaften die Wellen derart stark gedämpft werden, dass keinerlei Funkanbindung an bestimmten Stellen im Gebäude möglich sei, auch nicht mit der ansonsten vorteilhaften 450-MHz-Technologie.

Ein gravierendes Plus ist aber, dass das 450-MHz-Netz nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung steht und in Krisensituationen auch für die Notfallkommunikation herangezogen werden kann. Eine solche Priorisierung wäre beim öffentlichen Mobilfunknetz nicht möglich, dessen Verfügbarkeit in bestimmten außergewöhnlichen Situationen erfahrungsgemäß ohnehin eingeschränkt ist.

Mit seinen Eigenschaften ist das 450-MHz-Netz sowohl für Smart-Grid- als auch Smart-Meter-Anwendungen geeignet. Auch als Smart-City-Applikation könnte es zum Einsatz kommen. Die Entscheidung der Präsidentenkammer der Bundesnetzagentur legt jedoch die Vermutung nahe, dass beispielsweise das Parkraum- oder Müllmanagement nicht dem der Frequenzzuteilung zugrundeliegenden Verwendungszweck entsprechen. In der behördlichen Verlautbarung vom 16. November 2020 heißt es: „Der Nutzungszweck beschränkt sich nicht auf die Krisenkommunikation oder die Anbindung von kritischen Infrastrukturen im engeren Sinne der BSI-Kritis-Verordnung, sondern schließt etwa im Bereich der Energieversorgung die gesamte Digitalisierung der Energiewende ein.“

Nach Zinks Auffassung sind zumindest Zweifel angebracht, ob das Parkraummanagement der Energiewende zugerechnet werden kann. Außerdem gebe es für Smart-City-Anwendungen eine Reihe von Alternativen, etwa Lorawan. Eher einen Bezug zur Energiewende könne man dagegen bei der Anbindung und Steuerung der Straßenbeleuchtung herstellen, so der Berater.

Bei den Stadtwerken Düsseldorf kommt laut Lieu die 450-MHz-Frequenz bei der Überwachung und Steuerung von Strom- und Gasanlagen zum Einsatz, ebenso beim Schalten von Nachtspeicherheizungen und der städtischen Beleuchtung. Zukünftig würden auch Smart Meter Gateways an das 450-MHz-Netz angebunden werden. Für die Notfall-Sprachkommunikation ist es ebenfalls vorgesehen.

Es bauen derzeit noch weitere große kommunale und regionale Energieversorger Inselnetze mit 450-MHz-Technologie auf. Noch basieren sie auf der CDMA-Technik. Voraussichtlich ab 2023 werde aber auch LTE450 zur Verfügung stehen, sagte BET-Berater Löer. Für LTE seien dann auch entsprechende Smart Meter Gateways erforderlich. Diese sollen 2022 verfügbar sein.

Genehmigungsverfahren können sich ziehen

Die Stadtwerke Düsseldorf gehören neben der Wemag, EWE und anderen Energieunternehmen zu den sogenannten Ankerkunden des niederländischen Netzbetreibers Alliander. Dieser hatte bei der Zuteilung der 450-MHz-Frequenz an die Energiewirtschaft die Mehrheit an der „450 connect“ abgegeben, um eine Branchenlösung zu ermöglichen. Nun halten Alliander, das Konsortium der Ankerkunden, Eon und die "Versorger-Allianz" 450 jeweils 25 %.

Die Pläne des neuen Unternehmens, ein bundesweit flächendeckendes 450-MHz-Netz mit insgesamt 1.600 Funkstandorten bis Ende 2024 aufzubauen, hält Löer jedoch für eine „Herausforderung“. Denn Genehmigungsverfahren für Antennenstandorte könnten sich von einigen Wochen bis zu mehreren Jahren hinziehen. Allerdings ist der flächendeckende Aufbau kein Option, sondern ist eine Pflicht, die sich aus der Zuteilung für den Lizenzinhaber ergibt.
 

Mittwoch, 27.10.2021, 16:38 Uhr
Fritz Wilhelm

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