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Enerige & Management > Wasserstoff - "Für Deutschland besonders attraktiv ist die Nordsee"
Quelle: Shutterstock / petrmalinak
WASSERSTOFF:
"Für Deutschland besonders attraktiv ist die Nordsee"
Den vorhandenen Gasleitungen kommen bei der Transformation von Erdgas zu Wasserstoff eine elementare Rolle zu. Einen Blick auf die Fortschritte der H2-Infrastruktur warf Zukunft Gas.
 
"Bei Wasserstoff voll aufdrehen" lautet der sehr ambitionierte Titel einer Webinarreihe der Initiative Zukunft Gas. Wie es tatsächlich um den aktuellen Stand des Wasserstoffhochlaufes in Deutschland und der Wasserstoffinfrastruktur bestellt ist, beleuchtete eine digitale Veranstaltung im Rahmen der Webinarreihe von Zukunft Gas am 8. Dezember. 

Die Verteilnetzebene wird ambitioniert angegangen, wie Florian Feller vor allem auch aus seiner Arbeit als Vorsitzender für die Initiative "H2 vor Ort" weiß. Der Leiter Klimastrategie & Politische Arbeit beim Energieversorger Energie Schwaben bezieht sich auf den Gasnetztransformationsplan − kurz GTP −, den H2 vor Ort zusammen mit den Verbänden DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) und VKU (Verband kommunaler Unternehmen) im September vorgestellt hatten und der den möglichen Transformationsprozess der Gasverteilnetze skizziert.

180 Verteilnetzbetreiber hätten daran teilgenommen und ihre Plandaten zur Umstellung auf den Wasserstoff übermittelt. Herausgekommen sei ein nahezu flächendeckendes Gasnetz, in das in bis 2030 mit der ersten Einspeisung von Wasserstoff begonnen werde, so Feller mit Blick auf die grünen Flächen der Deutschlandkarte aus dem veröffentlichten GTP. Auch 100 Prozent Wasserstoff werde in vielen Landkreisen bis 2030 anvisiert.
 
Landkreise, die bis 2030 ersten Wasserstoff ins Gasverteilnetz einspeisen wollen
(zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Screenshot E&M

"Ich finde es sehr beeindruckend, mit welcher Ambition die Verteilnetzbetreiber das Thema angehen. Klimaneutralität in den Gasnetzen ist etwas, das sie durch die Bank weg sehr engagiert angehen." Es gäbe mit dem Jahr 2045 eine klare Zielmarke, die anvisiert werde. 85 Prozent der Primärenergie aus Kernenergie, Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Mineralöl müsse bis dahin durch klimaneutrale Energie oder Effizienzgewinne substituiert werden. "Um diese Energie zu verteilen, brauchen wir eine leistungsfähige Infrastruktur", bekräftigte Feller. Er zeigte sich überzeugt davon, dass diese zum großen Teil mit der bestehenden Erdgasinfrastruktur zu leisten sei.

"Wir sind hier ideal aufgestellt, um künftig klimaneutralen Wasserstoff zum Endverbraucher zu bringen." Deutschlandweit gäbe es 41.600 Kilometer an Fernleitungsnetzen sowie ein 554.000 Kilometer langes Verteilnetz. Die Netzanalyse zeige, dass die deutschen Erdgasleitungen zum Großteil − 0,2 Prozent ausgenommen − aus wasserstofffähigem Material bestehen.

Nordseekorridor für Deutschland besonders attraktiv

Das Augenmerk weg von der Verteilnetzebene hin zur Ebene der Fernleitung lenkte Sabine Augustin. Für die Leiterin in der Unternehmensentwicklung bei Open Grid Europe (OGE) ist klar: "Der Wasserstoff für Deutschland wird zu einem Teil aus europäischer und deutscher Produktion kommen. Zum allergrößten Teil werden es jedoch Importmengen aus Ländern sein, die bessere Bedingungen zur Produktion von erneuerbarem Strom für die Elektrolyse haben."

Aus den von der Europäischen Union identifizierten Importkorridore für grünen Wasserstoff griff Augustin insbesondere drei heraus: "Für Deutschland besonders attraktiv ist die Nordsee." Dort würde das Exportpotenzial nach Deutschland im Jahr 2030 bei 63 Mrd. kWh gesehen, im Jahr 2040 steigt dieses auf 207 Mrd. kWh. "Flapsig gesagt, könnte man sagen, von der Nordseeküste wird in 2030 schon fast der komplette Wasserstoffbedarf Deutschland gedeckt werden." Als weiteren vielversprechenden Korridor sieht Augustin Spanien und Nordafrika über Italien und Tschechien. Große Exportpotenziale gäbe es auch in Osteuropa. Augustin nannte hier die Ukraine, die jedoch für 2030 aufgrund des derzeitigen Krieges noch mit Fragezeichen versehen sei.
 
H2-Exportpotenziale für Wasserstoff nach Deutschland
(zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
Quellen: EU-Kommission / European Hydrogen Backbone / CEHC

Kostensenkungen absehbar

Als Fazit zieht die Managerin: "In Europa gibt es genügend Wasserstoff für Europa und insbesondere für Deutschland". Eine weitere gute Botschaft hielt Augustin bezogen auf den Preis von Wasserstoff aus dem Nordseekorridor bereit: "Es ist eine deutliche Kostensenkung von den aktuellen Preisen, die in der Größenordnung zwischen acht und zehn Euro pro Kilogramm unterwegs sind, möglich." Der Wasserstoff über diesen Korridor werde, so zeigen es mehrere Analysen, im Jahr 2030 in der Spanne von 1,60 und 3,50 Euro pro Kilogramm liegen. Noch weiter runter wird er bis 2040 gehen. 

Das von den europäischen Netzbetreibern anvisierte European Hydrogen Backbone werde sich 2040 über eine Länge von 53.000 Kilometern quer durch Europa erstrecken. "Der wichtigste Punkt aus meiner Sicht ist auch hier die Frage nach den Kosten", so Augustin. Der Transport von Wasserstoff durch dieses Netz bezifferte sie mit 20 Cent pro Kilogramm und 1.000 Kilometer − für Augustin "sehr ermutigende Nachrichten über das, was für Deutschland möglich ist." 
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Freitag, 09.12.2022, 15:14 Uhr

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