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Enerige & Management > Gas - Frost mischt Regelenergiemarkt auf
Bild: Fotolia.com, WoGi
GAS:
Frost mischt Regelenergiemarkt auf
Die Auswirkungen der Kältewelle Ende Februar auf den Gashandel könnte die Diskussion über eine Speicherreserve wiederbeleben.
 
Der Marktgebietsbetreiber Netconnect Germany (NCG) geht davon aus, dass die Vorkommnisse am Großhandelsmarkt für Erdgas während der ungewöhnlichen Kälteperiode Ende Februar noch einmal analysiert werden, um einen möglichen Anpassungsbedarf zu identifizieren. Der Winter hatte Ende Februar noch einmal ganz Europa in den Griff genommen, klirrender Frost sorgte in vielen Regionen, so auch in Deutschland, für hohen Gasbedarf.

Auch der Regelenergiebedarf schnellte in die Höhe und gleichzeitig schossen die Preise im Gashandel durch die Decke. „Das hat uns in diesen Tagen sehr stark beschäftigt“, berichtet NCG-Geschäftsführer Torsten Frank im Gespräch mit E&M. Die beiden Marktgebietsverantwortlichen NCG und Gaspool sind zuständig für die Regelenergiebeschaffung in Deutschland. Frank spricht von einer „außergewöhnlichen Extremsituation“ Ende Februar, die er so noch nie erlebt habe.

Bis zu 386 000 MWh Regelenergie pro Tag waren in diesen kalten Tagen erforderlich, bis zu 21 Mio. Euro pro Tag musste NCG für die Beschaffung aufwenden – im Januar 2017 waren es maximal 8,4 Mio. Euro pro Tag.

Die hohen Ausgaben hatten auch mit der Preisentwicklung an den europäischen Gashandelsmärkten zu tun. Franks Geschäftsführerkollege Thomas Becker berichtet von Ausschlägen der Regelenergiepreise auf ein Niveau von 100 bis 140 Euro/MWh und Angeboten bis zu einer Höhe von 400 Euro/MWh. Das derzeitige Normalniveau liege bei etwa 20 Euro/MWh. „Mir ist nicht bekannt, dass es zum Ende eines Winters eine solche Preisentwicklung schon einmal gegeben hätte.“

Frank und Becker betonen jedoch, dass auch in den frostigen Tagen kein wirklicher Beschaffungsengpass festzustellen gewesen sei. Der Markt habe den Bedarf sicher bedienen können, die Versorgungssicherheit sei nicht gefährdet gewesen. „Die Mengen, die wir brauchten, konnten wir beschaffen.“

Erdgasspeicher wurden stark entleert

Die Erdgasspeicher seien jedoch stark entleert worden. Der damit verbundene Leistungsabfall in den Speichern könnte im Falle eines erneut hohen Bedarfs die weitere Verfügbarkeit von Regelenergie reduzieren, gibt Frank zu bedenken. Wie lange die sichere Versorgung noch aufrecht zu erhalten gewesen wäre, wenn die Kältewelle länger angedauert hätte, sei schwer abzuschätzen. Frank hält es für naheliegend, „dass bei anhaltend hohem Bedarf in irgendeiner Form Schwierigkeiten aufgetreten wären“.

Deshalb hielten es die NCG-Geschäftsführer auch für sinnvoll, noch einmal über Reservemengen nachzudenken, die in den Erdgasspeichern für solche Extremsituationen in den Wintermonaten vorgehalten werden. Darüber sollte man bei der Analyse der Vorkommnisse Ende Februar noch einmal diskutieren, meint Frank. „Es könnte von Vorteil sein, wenn wir in bestimmten Situationen direkt auf Speichermengen zugreifen könnten.“ Das Bundeswirtschaftsministerium hatte 2015 die schon damals geforderte Einrichtung einer Speicherreserve abgelehnt.

Die angespannte Situation am L-Gasmarkt hält Frank trotz der Diskussionen in den Niederlanden über eine Reduzierung der Förderung zur Senkung des Risikos weiterer Erdbeben im Gewinnungsgebiet um Groningen, noch nicht für besorgniserregend. „Je enger der Markt werde, desto stärker wirkt sich das auch auf die Regelenergiebeschaffung aus“, räumt er ein. „Aktuell gehen wir nach wie vor davon aus, dass die Niederlande auch in Zukunft ihre Lieferverpflichtungen mit L-Gas oder mit konvertiertem Gas einhalten werden“, so der Geschäftsführer. Ganz überzeugt klingt er dabei aber nicht. „Wir werden das sehr aufmerksam verfolgen.“
 

Peter Focht
Redakteur
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Donnerstag, 15.03.2018, 13:48 Uhr

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