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Energie & Management > Regenerative -
Quelle: Shutterstock / lovelyday12
Regenerative

"Fixpreise haben den Markt umgekrempelt"

Die hohen Marktwerte bleiben nicht ohne Wirkung, wie die Auswertung der 16. E&M-Umfrage zur Direktvermarktung zeigt. An der jüngsten Erhebung haben sich gleich zwei Newcomer beteiligt.
Bei den hierzulande tätigen Unternehmen in der Direktvermarktung erneuerbarer Energien scheint so etwas wie die Ruhe vor dem Herbststurm zu herrschen. Mit "Herbststurm" sind die ab September üblicherweise anstehenden Neuverhandlungen für die neuen Kontrakte im kommenden Jahr gemeint. Die jüngste E&M-Direktvermarktungsumfrage, mittlerweile der 16., zeigt, dass es zur Jahresmitte nicht viel Bewegung gegeben hat. Eine Reihe von Unternehmen hat der E&M-Redaktion Zahlen gemeldet, die sich kaum von ihren Daten zu Jahresbeginn unterschieden haben.

Ob es angesichts der seit Wochen anhaltend hohen Marktwerte demnächst zu einer größeren Wechselwelle kommt, ist spekulativ. Hendrik Sämisch, Mitbegründer und Geschäftsführer der Next Kraftwerke GmbH aus Köln, geht von keinen großen Veränderungen aus: "Die große Wechselwelle erwarte ich nicht, im Gegenteil: In diesen aktuell turbulenten Zeiten haben bewährte Partnerschaften einen besonderen Wert." Diese Partnerschaften zwischen den Vermarktern und Betreibern regenerativer Kraftwerke werden zunehmend von Fixpreisverträgen getragen, die es in dieser Fülle vor gut einem Jahr noch nicht gegeben hat. Sämisch: "Das hat den Markt in den letzten Monaten schon umgekrempelt."

Den gleichen Trend beobachten einige Kilometer rheinabwärts die Experten vom Marktführer Statkraft Markets GmbH mit Sitz in Düsseldorf. "Jeder Betreiber will sich möglichst lange das aktuelle Preisniveau sichern", beschreibt Marc Kohlenbach, der für die Skandinavier seit 2019 die Direktvermarktungs-Geschäfte in Deutschland leitet, die Marktsituation. Für die kommenden Wochen sieht er auf sein Team und sich "viel, viel Arbeit" zukommen: "Wir werden von vielen Betreibern Anfragen bekommen, welche Preise möglich sind und zu welchen Fixpreisen sie sich mit uns einigen können."

Die Deutschland-Dependance des norwegischen Energiekonzerns hatte Mitte des Jahres ein Portfolio von 12.625 MW unter Vertrag, und damit über 4.000 MW mehr als die Quadra Energy GmbH, die Nummer zwei in dem Ranking. Ob es mehr oder weniger zum nächsten Jahreswechsel werden, bei dieser Frage hält sich Kohlenbach bedeckt: "Unser Ziel ist es nach vor, wenn die Bedingungen stimmen, nicht unter die 10.000-Megawatt-Marke abzurutschen."

Vielmehr Makler als Energiehändler

Wachsen will auf jeden Fall die Lumenaza GmbH, die neben der "pure.energy GmbH" zum ersten Mal an der E&M-Umfrage teilgenommen hat. Das Wachstum dürfte Lumenaza nicht schwerfallen, da das Unternehmen zur Jahresmitte ein Portfolio von gerade einmal 150 MW gemeldet hat. Für den Software-Entwickler mit Sitz in Berlin sei die Direktvermarktung aber "ein alter Hut", sagt der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Hong Thieu: "Wir sind bislang auch als Whitelabel-Anbieter aufgetreten, wollen aber künftig die Direktvermarktung verstärkt unter eigenem Label vorantreiben."

Die seit Wochen anhaltenden Turbulenzen hätten bei Lumenaza zu einer "radikalen Änderung" der Preis- und Geschäftsmodelle geführt: "Wir übernehmen heute eher die Funktion eines Maklers statt eines Energiehändlers und binden die Produzenten direkt an den Energiemarkt an", so Thieu. "Für die Kunden hat dies den Vorteil, transparent an dem Vermarktungsergebnis zu partizipieren und eine soliden Direktvermarkter als Partner zu haben, da die finanziellen Risiken nun direkt mit dem Vermarktungsergebnis abgedeckt sind."

Für eine Umsatzbeteiligung von 3 % und ein "kleines Dienstleistungsentgelt" ist Lumenaza seit einigen Wochen dabei, den Spotpreis "1:1" an seine Kunden bei einer einmonatigen Kündigungsfrist weiterzureichen. Das neue Konzept, sagt Thieu, komme gut an: "Mehr als 75 Prozent unserer bisherigen Kunden haben die neuen Verträge bereits nach weniger als zwei Wochen unterzeichnet, abgesprungen ist nur eine Handvoll."

Für die Lumenaza GmbH, die unter anderem einen Ökostromtarif für IBC Solar entwickelt oder der Grünstrom-Community von Eprimo technologisch auf die Sprünge geholfen hat, bedeutet der verstärkte Einstieg in die Direktvermarktung ein weiteres, wichtiges Geschäftsfeld – und zwar eines mit Wachstumsperspektive. "Wir wollen mit unserem Portfolio monatlich um fünf bis zehn Prozent wachsen", betont Thieu. Mit zu diesem Plus soll auch eine Werbekampagne beitragen, mit der Lumenaza demnächst sein neues Preis- und Geschäftsmodell für die Direktvermarktung bekannter machen will.
 
Alle wichtigen Ergebnisse zur 16. E&M-Direktvermarktungsumfrage finden Sie in der September-Printausgabe auf den Seiten 13 bis 15.

Dienstag, 30.08.2022, 14:48 Uhr
Ralf Kpke
Energie & Management > Regenerative -
Quelle: Shutterstock / lovelyday12
Regenerative
"Fixpreise haben den Markt umgekrempelt"
Die hohen Marktwerte bleiben nicht ohne Wirkung, wie die Auswertung der 16. E&M-Umfrage zur Direktvermarktung zeigt. An der jüngsten Erhebung haben sich gleich zwei Newcomer beteiligt.
Bei den hierzulande tätigen Unternehmen in der Direktvermarktung erneuerbarer Energien scheint so etwas wie die Ruhe vor dem Herbststurm zu herrschen. Mit "Herbststurm" sind die ab September üblicherweise anstehenden Neuverhandlungen für die neuen Kontrakte im kommenden Jahr gemeint. Die jüngste E&M-Direktvermarktungsumfrage, mittlerweile der 16., zeigt, dass es zur Jahresmitte nicht viel Bewegung gegeben hat. Eine Reihe von Unternehmen hat der E&M-Redaktion Zahlen gemeldet, die sich kaum von ihren Daten zu Jahresbeginn unterschieden haben.

Ob es angesichts der seit Wochen anhaltend hohen Marktwerte demnächst zu einer größeren Wechselwelle kommt, ist spekulativ. Hendrik Sämisch, Mitbegründer und Geschäftsführer der Next Kraftwerke GmbH aus Köln, geht von keinen großen Veränderungen aus: "Die große Wechselwelle erwarte ich nicht, im Gegenteil: In diesen aktuell turbulenten Zeiten haben bewährte Partnerschaften einen besonderen Wert." Diese Partnerschaften zwischen den Vermarktern und Betreibern regenerativer Kraftwerke werden zunehmend von Fixpreisverträgen getragen, die es in dieser Fülle vor gut einem Jahr noch nicht gegeben hat. Sämisch: "Das hat den Markt in den letzten Monaten schon umgekrempelt."

Den gleichen Trend beobachten einige Kilometer rheinabwärts die Experten vom Marktführer Statkraft Markets GmbH mit Sitz in Düsseldorf. "Jeder Betreiber will sich möglichst lange das aktuelle Preisniveau sichern", beschreibt Marc Kohlenbach, der für die Skandinavier seit 2019 die Direktvermarktungs-Geschäfte in Deutschland leitet, die Marktsituation. Für die kommenden Wochen sieht er auf sein Team und sich "viel, viel Arbeit" zukommen: "Wir werden von vielen Betreibern Anfragen bekommen, welche Preise möglich sind und zu welchen Fixpreisen sie sich mit uns einigen können."

Die Deutschland-Dependance des norwegischen Energiekonzerns hatte Mitte des Jahres ein Portfolio von 12.625 MW unter Vertrag, und damit über 4.000 MW mehr als die Quadra Energy GmbH, die Nummer zwei in dem Ranking. Ob es mehr oder weniger zum nächsten Jahreswechsel werden, bei dieser Frage hält sich Kohlenbach bedeckt: "Unser Ziel ist es nach vor, wenn die Bedingungen stimmen, nicht unter die 10.000-Megawatt-Marke abzurutschen."

Vielmehr Makler als Energiehändler

Wachsen will auf jeden Fall die Lumenaza GmbH, die neben der "pure.energy GmbH" zum ersten Mal an der E&M-Umfrage teilgenommen hat. Das Wachstum dürfte Lumenaza nicht schwerfallen, da das Unternehmen zur Jahresmitte ein Portfolio von gerade einmal 150 MW gemeldet hat. Für den Software-Entwickler mit Sitz in Berlin sei die Direktvermarktung aber "ein alter Hut", sagt der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Hong Thieu: "Wir sind bislang auch als Whitelabel-Anbieter aufgetreten, wollen aber künftig die Direktvermarktung verstärkt unter eigenem Label vorantreiben."

Die seit Wochen anhaltenden Turbulenzen hätten bei Lumenaza zu einer "radikalen Änderung" der Preis- und Geschäftsmodelle geführt: "Wir übernehmen heute eher die Funktion eines Maklers statt eines Energiehändlers und binden die Produzenten direkt an den Energiemarkt an", so Thieu. "Für die Kunden hat dies den Vorteil, transparent an dem Vermarktungsergebnis zu partizipieren und eine soliden Direktvermarkter als Partner zu haben, da die finanziellen Risiken nun direkt mit dem Vermarktungsergebnis abgedeckt sind."

Für eine Umsatzbeteiligung von 3 % und ein "kleines Dienstleistungsentgelt" ist Lumenaza seit einigen Wochen dabei, den Spotpreis "1:1" an seine Kunden bei einer einmonatigen Kündigungsfrist weiterzureichen. Das neue Konzept, sagt Thieu, komme gut an: "Mehr als 75 Prozent unserer bisherigen Kunden haben die neuen Verträge bereits nach weniger als zwei Wochen unterzeichnet, abgesprungen ist nur eine Handvoll."

Für die Lumenaza GmbH, die unter anderem einen Ökostromtarif für IBC Solar entwickelt oder der Grünstrom-Community von Eprimo technologisch auf die Sprünge geholfen hat, bedeutet der verstärkte Einstieg in die Direktvermarktung ein weiteres, wichtiges Geschäftsfeld – und zwar eines mit Wachstumsperspektive. "Wir wollen mit unserem Portfolio monatlich um fünf bis zehn Prozent wachsen", betont Thieu. Mit zu diesem Plus soll auch eine Werbekampagne beitragen, mit der Lumenaza demnächst sein neues Preis- und Geschäftsmodell für die Direktvermarktung bekannter machen will.
 
Alle wichtigen Ergebnisse zur 16. E&M-Direktvermarktungsumfrage finden Sie in der September-Printausgabe auf den Seiten 13 bis 15.

Dienstag, 30.08.2022, 14:48 Uhr
Ralf Kpke

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