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Quelle: Fotolia / frenta
KLIMASCHUTZ:
FfE: So verfehlt Bayern die Klimaneutralität krachend
Der Freistaat hat sich das damals schärfste Null-Emissions-Ziel unter den Ländern gegeben. Er liegt aber mit der Umsetzung "nicht im Ansatz" im Plan, so eine Studie für den VBEW.
 
Bayern ist bei keinem von acht ausgewählten Indikatoren für die Energiewende "auch nur ansatzweise im Plan". Dieses "ernüchternde" Fazit aus einer fortgeschriebenen Auftragsstudie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) hat der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) am 26. Juli gezogen. Im September 2021 hatte der Verband erste Ergebnisse veröffentlicht, nun ging es um eine Betrachtung des Gesamtjahres 2021.

"Wenn wir so weitermachen wie bisher, ist das klimaneutrale Bayern bis 2040 eine Illusion, allenfalls eine Politikshow zur Beruhigung der Bevölkerung", mahnte VBEW-Hauptgeschäftsführer Detlef Fischer. Durch das Land müsse "ein gewaltiger Ruck" gehen. Die Landesregierung müsse bei der Umsetzung genauso "überehrgeizig" sein wie bei den Zielen, forderte Fischer.
Detlef Fischer legt sich mit der bayerischen Regierung
und mit dem Kreis Freising an
Quelle: VBEW

Konkret müsse der Freistaat "mehr Druck auf seine Gemeinden und Bürger ausüben", um tatsächlich 2040 klimaneutral zu werden − fünf Jahre früher, als sich das der Bund verordnet. Bis dahin kumuliere sich jede Zielverfehlung als Last für die verbleibende Zeit. Im Energiesektor sei die gesetzlich verankerte Klimaneutralität in 18 Jahren "noch zu erreichen", wenn der Verbrauch "deutlich" gedrückt und der Zubau Erneuerbarer forciert werde.

"Kreis Freising wird wohl als letzter klimaneutral"

Fischer kündigte für den Jahreswechsel eine weitere Fortschreibung der FfE-Studie auf der Ebene der bayerischen Landkreise an, jeweils mit konkreten Handlungsempfehlungen. Er legt sich dabei mit dem Landkreis Freising an. Dieser gebe sich gerne grün. Derzeit sehe es aber so aus, dass er als letzter bayerischer Landkreis klimaneutral werde.

Zu diesem Befund kommt der VBEW-Hauptamtliche, indem er den Kerosinverbrauch des Münchner Flughafens von 10 Mio. t pro Jahr in die CO2-Bilanz des Landkreises Freising einbezieht. Das "Energieverbrauchsmonster Flughafen im Erdinger Moos" tauche nämlich in keiner CO2-Bilanz irgendeiner Gebietskörperschaft auf, ergänzte Fischer auf Anfrage unserer Redaktion.

Der Freisinger Kreistag hatte 2007 beschlossen, dass der Kreis bis 2035 nur noch mit erneuerbaren Energien versorgt werden soll. Beim Stromverbrauch sind laut Internetseite 70 % erreicht. Im Bereich Wärme und Verkehr dagegen räumt das Landratsamt ein, dass es noch "große Lücken gibt". Der Flughafen Franz Josef Strauß liegt zu 51 % auf Gemarkungen des Kreises Freising. Der Rest gehört zum Kreis Erding.

Die Kommunen hatten sich bis in die 90er-Jahre erfolglos die Ansiedlung des Airports in ihrer Nachbarschaft gewehrt und später erfolgreich gegen eine dritte Startbahn.

Freising wehrt sich

Der Landkreis Freising wies die Prognose des VBEW auf Anfrage dieser Redaktion als eine "Behauptung" zurück, die "völlig aus der Luft gegriffen erscheint". Der Kreis sei schon zu 76 % klimaneutral und sei "zuversichtlich", spätestens 2035 100 % zu erreichen, ließ Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) mitteilen. Auf die Frage, ob er in seine Rechnung den Flughafen einbezieht oder nicht, ging die Antwort nicht ein.

Die acht Energiewende-Indikatoren

Bei folgenden acht Energiewende-Indikatoren hat Bayern 2021 aus Sicht der FfE nötige Veränderungen für das 2040er-Klimaziel zwischen 0 % und 50 % erreicht:
 
Energiewende-Indikatoren für Bayern, Gesamtjahr 2021
  Soll Ist %
​PV-Zubau 1.300 MW 3.260 MW 40
Windkraft-Zubau 530 MW 25 MW 5
Sanierte/neue Heizungen 118.000 60.000 50
Sanierte Wohngebäude 65.000 27.000 40
Neue Groß-Batteriespeicher 835 Mio. kWh 14 Mio. kWh 2
Neue Groß-Elektrolyseure 125 0 0
neue Kfz mit nachhaltigem Antrieb 447.000 56.000 13
Neue/ertüchtigte Umspannwerke 55 9 16
Quelle: FfE
 

Georg Eble
Redakteur
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Dienstag, 26.07.2022, 14:15 Uhr

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