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Energie & Management > Klimaschutz - Fazit des ersten Projekts Klimaneutraler Unternehmen
Quelle: Fotolia / bluedesign
Klimaschutz

Fazit des ersten Projekts Klimaneutraler Unternehmen

Die erste Projektrunde des Verbandes Klimaschutz-Unternehmen und der Universität Kassel präsentierte die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsbemühungen von zehn Teilnehmern seit 2021.
Zehn Unternehmen gingen in den vergangenen zwei Jahren den Weg Richtung Klimaneutralität. Zwei Jahre lang entwickelten sie mit wissenschaftlicher Unterstützung in einem Pilotprojekt individuelle Maßnahmen und Fahrpläne, um Treibhausgasemissionen zu vermeiden sowie Materialien im Kreislauf zu führen. Bei der Abschlussveranstaltung am 9. Februar in Berlin stellten sie die Ergebnisse des Kooperationsprojekts vom Verband Klimaschutz-Unternehmen und dem Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (UPP) der Universität Kassel vor.

Die zehn Projektunternehmen hatten sich ambitionierte Ziele gesetzt: Fast alle richten sich nach den Science Based Targets, die auf dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens beruhen. Bis zum Zwischenziel im Jahr 2030 will die Gruppe ihre Treibhausgasemissionen von 185.000 Tonnen im Jahr 2019 um 45 Prozent reduzieren auf 103.000 Tonnen. Dies soll ein großer erster Schritt sein, um bis 2045 klimaneutral zu werden.

Erfahrungen für andere Unternehmen

In der Auswertung raten die Pilotunternehmen anderen Betrieben, allein für die Analyse ihrer Ist-Situation und das Entwickeln von Zielszenarien sowie einer Klimastrategie circa zwei Jahre einzuplanen. Wichtig sei, den Transformationsprozess als Chance sehen, denn ein geringerer CO2-Fußabdruck senke zugleich die Geschäftsrisiken, so Thomas Hoyer, Prokurist und Stabsleiter bei der teilnehmenden Energiedienstholding.

Der COO von Phoenix Contact, Torsten Janwlecke, ergänzte: „Externe Unterstützung beim Transformationsprozess ist sinnvoll, weil wissenschaftliche Expertise für Akzeptanz im Unternehmen sorgt.“ Da es noch keine Norm für Klimaneutralität gebe, habe die Uni Kassel mit den Pilotbetrieben zusammen individuelle Ziele, Strategien, Pläne und Maßnahmen für die praktische Umsetzung im Betrieb entwickelt. So sollen sie das 1,5-Grad-Ziel oder eigene Ziele erfüllen, aber auch die geplante Klimaneutralitätsnorm, erklärte Professor Jens Hesselbach als Leiter des Projekts.

Viele Hürden in den Regularien

Die beteiligten zehn Klimaschutz-Unternehmen stellten fest, dass es noch viel Hindernisse auf ihrem Weg zur Klimaneutralität gibt. 80 Prozent nannten regulatorische Rahmenbedingungen als zunehmendes Problem. „Da es keine einheitliche Definition oder Vorschriften gibt, ist unklar, was Klimaneutralität für Unternehmen beispielsweise bei Baugenehmigungen zukünftig bedeutet“, so Philipp Andree, Geschäftsführer der Klimaschutz-Unternehmen.

Hinzu komme, dass Förderungen nur bis zur Entwicklung gelten, aber nicht für die Umsetzung genutzt werden können. Andree appellierte an die Politik, Förderprogramme zu vereinfachen und die Bedingungen transparent zu machen.
 
Technologische Hemmnissse für die Klimaneutralität laut Unternehmens-Umfrage
Quelle: Klimaneutrale Unternehmen

Für die Stadtwerke Karlsruhe erläuterte Siegrun Dietz, Bereichsleiterin Umweltschutz, dass Versuche fehlschlugen, die Strommengen der Netzverluste klimaneutral abzusichern. So dürften die Netzbetreiber nicht selbst Strom herstellen, wegen des Gebots des Unbundlings. Zertifizierten Grünstrom wiederum dürfen nur Endverbraucher kaufen und der Abschluss eines Direktliefervertrags (PPA) sei nicht erlaubt, weil das Energiewirtschaftsgesetz vorschreibt, den Strom „diskriminierungsfrei zu beschaffen“. Dies betreffe bei den Stadtwerken Karlsruhe jährlich 44 Millionen kWh und auch deutschlandweit 5 bis 10 Prozent des Stromverbrauchs.

Mittelstand ohne Klimaschutzverträge

Die mittelständische Industrie sei bei der staatlichen Gestaltung von Differenzverträgen, sogenannten Carbon Contract for Difference (CCfD), vergessen worden, beklagte Birgitt Bendiek, CTO von Zinq Deutschland. Der Entwurf dieser Verträge nenne konkrete Branchen wie Stahl oder Zement und Mindest-Emissionen von 30.000 Tonnen CO2 pro Standort. Damit seien kleinere Unternehmen vom Genuss der CCfD ausgeschlossen, auch wenn sie im räumlichen Verbund durchaus diese Emissionen erreichen. Bendiek forderte, dies im Gesetzesentwurf noch zu korrigieren sowie ihn technologie- sowie branchenoffen zu gestalten.

Die Teilnehmer der ersten Projektrunde von Anfang 2021 bis Ende 2022 waren Energiedienst Holding, Förster Kunststofftechnik, Neumarkter Lammsbräu, Phoenix Contact, Provinzial Holding, Schöck Bauteile, Stadtwerke Karlsruhe, Weidmüller Interface, Worlee-Chemie und Zinq. Parallel zur ersten Projektrunde ist im Sommer 2022 eine zweite Runde mit zehn Betrieben gestartet.

Der Verein Klimaschutz-Unternehmen ist ein branchenübergreifendes Unternehmens-Netzwerk der deutschen Wirtschaft, das sich mit eigenen Lösungen für das Erreichen der klimapolitischen Ziele Deutschlands einsetzt. Auf Initiative des Bundesumweltministeriums, des Bundeswirtschaftsministeriums und der Deutschen Industrie- und Handelskammer gegründet, gehören dazu nach eigenen Angaben 61 Unternehmen aller Größenklassen.

Weitere Informationen zum Projekt Klimaneutrale Unternehmen stehen im Internet bereit.

Donnerstag, 9.02.2023, 14:44 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Klimaschutz - Fazit des ersten Projekts Klimaneutraler Unternehmen
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Klimaschutz
Fazit des ersten Projekts Klimaneutraler Unternehmen
Die erste Projektrunde des Verbandes Klimaschutz-Unternehmen und der Universität Kassel präsentierte die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsbemühungen von zehn Teilnehmern seit 2021.
Zehn Unternehmen gingen in den vergangenen zwei Jahren den Weg Richtung Klimaneutralität. Zwei Jahre lang entwickelten sie mit wissenschaftlicher Unterstützung in einem Pilotprojekt individuelle Maßnahmen und Fahrpläne, um Treibhausgasemissionen zu vermeiden sowie Materialien im Kreislauf zu führen. Bei der Abschlussveranstaltung am 9. Februar in Berlin stellten sie die Ergebnisse des Kooperationsprojekts vom Verband Klimaschutz-Unternehmen und dem Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (UPP) der Universität Kassel vor.

Die zehn Projektunternehmen hatten sich ambitionierte Ziele gesetzt: Fast alle richten sich nach den Science Based Targets, die auf dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens beruhen. Bis zum Zwischenziel im Jahr 2030 will die Gruppe ihre Treibhausgasemissionen von 185.000 Tonnen im Jahr 2019 um 45 Prozent reduzieren auf 103.000 Tonnen. Dies soll ein großer erster Schritt sein, um bis 2045 klimaneutral zu werden.

Erfahrungen für andere Unternehmen

In der Auswertung raten die Pilotunternehmen anderen Betrieben, allein für die Analyse ihrer Ist-Situation und das Entwickeln von Zielszenarien sowie einer Klimastrategie circa zwei Jahre einzuplanen. Wichtig sei, den Transformationsprozess als Chance sehen, denn ein geringerer CO2-Fußabdruck senke zugleich die Geschäftsrisiken, so Thomas Hoyer, Prokurist und Stabsleiter bei der teilnehmenden Energiedienstholding.

Der COO von Phoenix Contact, Torsten Janwlecke, ergänzte: „Externe Unterstützung beim Transformationsprozess ist sinnvoll, weil wissenschaftliche Expertise für Akzeptanz im Unternehmen sorgt.“ Da es noch keine Norm für Klimaneutralität gebe, habe die Uni Kassel mit den Pilotbetrieben zusammen individuelle Ziele, Strategien, Pläne und Maßnahmen für die praktische Umsetzung im Betrieb entwickelt. So sollen sie das 1,5-Grad-Ziel oder eigene Ziele erfüllen, aber auch die geplante Klimaneutralitätsnorm, erklärte Professor Jens Hesselbach als Leiter des Projekts.

Viele Hürden in den Regularien

Die beteiligten zehn Klimaschutz-Unternehmen stellten fest, dass es noch viel Hindernisse auf ihrem Weg zur Klimaneutralität gibt. 80 Prozent nannten regulatorische Rahmenbedingungen als zunehmendes Problem. „Da es keine einheitliche Definition oder Vorschriften gibt, ist unklar, was Klimaneutralität für Unternehmen beispielsweise bei Baugenehmigungen zukünftig bedeutet“, so Philipp Andree, Geschäftsführer der Klimaschutz-Unternehmen.

Hinzu komme, dass Förderungen nur bis zur Entwicklung gelten, aber nicht für die Umsetzung genutzt werden können. Andree appellierte an die Politik, Förderprogramme zu vereinfachen und die Bedingungen transparent zu machen.
 
Technologische Hemmnissse für die Klimaneutralität laut Unternehmens-Umfrage
Quelle: Klimaneutrale Unternehmen

Für die Stadtwerke Karlsruhe erläuterte Siegrun Dietz, Bereichsleiterin Umweltschutz, dass Versuche fehlschlugen, die Strommengen der Netzverluste klimaneutral abzusichern. So dürften die Netzbetreiber nicht selbst Strom herstellen, wegen des Gebots des Unbundlings. Zertifizierten Grünstrom wiederum dürfen nur Endverbraucher kaufen und der Abschluss eines Direktliefervertrags (PPA) sei nicht erlaubt, weil das Energiewirtschaftsgesetz vorschreibt, den Strom „diskriminierungsfrei zu beschaffen“. Dies betreffe bei den Stadtwerken Karlsruhe jährlich 44 Millionen kWh und auch deutschlandweit 5 bis 10 Prozent des Stromverbrauchs.

Mittelstand ohne Klimaschutzverträge

Die mittelständische Industrie sei bei der staatlichen Gestaltung von Differenzverträgen, sogenannten Carbon Contract for Difference (CCfD), vergessen worden, beklagte Birgitt Bendiek, CTO von Zinq Deutschland. Der Entwurf dieser Verträge nenne konkrete Branchen wie Stahl oder Zement und Mindest-Emissionen von 30.000 Tonnen CO2 pro Standort. Damit seien kleinere Unternehmen vom Genuss der CCfD ausgeschlossen, auch wenn sie im räumlichen Verbund durchaus diese Emissionen erreichen. Bendiek forderte, dies im Gesetzesentwurf noch zu korrigieren sowie ihn technologie- sowie branchenoffen zu gestalten.

Die Teilnehmer der ersten Projektrunde von Anfang 2021 bis Ende 2022 waren Energiedienst Holding, Förster Kunststofftechnik, Neumarkter Lammsbräu, Phoenix Contact, Provinzial Holding, Schöck Bauteile, Stadtwerke Karlsruhe, Weidmüller Interface, Worlee-Chemie und Zinq. Parallel zur ersten Projektrunde ist im Sommer 2022 eine zweite Runde mit zehn Betrieben gestartet.

Der Verein Klimaschutz-Unternehmen ist ein branchenübergreifendes Unternehmens-Netzwerk der deutschen Wirtschaft, das sich mit eigenen Lösungen für das Erreichen der klimapolitischen Ziele Deutschlands einsetzt. Auf Initiative des Bundesumweltministeriums, des Bundeswirtschaftsministeriums und der Deutschen Industrie- und Handelskammer gegründet, gehören dazu nach eigenen Angaben 61 Unternehmen aller Größenklassen.

Weitere Informationen zum Projekt Klimaneutrale Unternehmen stehen im Internet bereit.

Donnerstag, 9.02.2023, 14:44 Uhr
Susanne Harmsen

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