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Enerige & Management > Windkraft - EWEA - Strategische Rolle der Windenergie
Bild: Fotolia.com, DeVIce
WINDKRAFT:
EWEA - Strategische Rolle der Windenergie
Unter dem Eindruck der Terrorattacken vom 13. November wurde die Europäische Windenergiekonferenz und Ausstellung EWEA in Paris eröffnet.
 
„EWEA will ihre Solidarität mit Paris und mit Frankreich zeigen, indem die Konferenz stattfindet. Wir können nicht erlauben, dass eine kleine Anzahl von Terroristen darüber entscheidet, ob unsere Industrie zusammenkommt oder nicht“, das betonte EWEA-Chef und CEO von Siemens Wind Power and Renewables Markus Tacke am 17. November bei der Eröffnung der mehrtägigen Konferenz, und so war auch der allgemeine Tenor. Rund 350 Aussteller sind nach Paris gekommen, abgesagt haben nur wenige, darunter der deutsche Windturbinenhersteller Enercon - der mitgeteilt hatte, man könne „nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen“ – sowie Vattenfall und SKF.

Das Treffen sei wichtig, so Tacke, denn in nächster Zeit stünden wichtige Entscheidungen der Politik an. „Wir können nichts als garantiert betrachten“, betonte er und nannte die wichtigsten politischen Prioritäten für die Windbranche: Es gehe um ein „robustes Governance-System“ zur Erreichung der 2030-Ziele der EU. Damit zusammenhängend will die EU-Kommission 2016 die Erneuerbaren-Richtlinie überarbeiten. „Die Richtlinie muss angepasst werden“, sagte auch Kommissionsvize für die Energieunion Marcos Sefcovic in Paris. Dies solle im Zusammenhang mit den Vorschlägen der Kommission für das Marktdesign erfolgen, kündigte er an.

EU-Kommission will nationale Anstrengungen überprüfen

Weiterer wichtiger Punkt sind die nationalen Aktionspläne für die CO2-Reduktion und die Erneuerbaren-Ziele. Auch Sefcovic betont deren Bedeutung und erinnert daran, dass bis 2030 EU-weit Emissionsminderungen um 40 % sowie ein Erneuerbaren-Anteil von 27 % realisiert werden sollen. Bisher hätten nur wenige EU-Länder Ziele für den Zeitraum nach 2020 definiert. Die EU-Kommission werde prüfen, ob die nationalen Pläne ausreichen. „Wir müssen das Gesamtziel erreichen. Dafür wollen wir im Herbst nächsten Jahres ein klares Signal senden“, so der Kommissionsvize. Die Rolle der Windenergie nennt er „strategisch“, denn die Onshore-Windkraft sei die preiswerteste erneuerbare Energie, die bereits mit der Kohle konkurrieren könne. Der Sektor wachse schnell und habe noch enormes Entwicklungspotenzial.

Für die Offshore-Windenergie ist aus Sicht des Kommissionsvizes die grenzüberschreitende Kooperation sehr wichtig. Ursache für die noch hohen Kosten von Offshore seien die unterschiedlichen Gesetzgebungen und Standards. Hier erwartet Sefcovic Fortschritte durch die Arbeit der eingerichteten High Level Group. Zudem sei die regulatorische Instabilität eines der Haupthindernisse für Investitionen, daher müsse hier mit Blick auf die Klimaziele einem klaren und starken regulatorischen Rahmen Abhilfe geschaffen werden.

Gut für Wirtschaft und Klima


Ein klares Signal gesetzt hat die Windbranche mit ihren Zielen: „Always aim high“ ist das Motto der diesjährigen Konferenz. Und so soll laut dem ambitionierten Szenario der EWEA bis 2030 der Windenergieanteil am europäischen Stromverbrauch von derzeit rund 10% verdreifacht werden und in seiner Bedeutung die Fossilen ablösen. „Windenergie kann in den nächsten 15 Jahren das Fundament des europäischen Energiesystems werden“, sagt EWEA-Geschäftsführer Giles Dickson. Der dafür nötige Ausbau auf 392 GW installierter Windkraft-Kapazität, davon rund zwei Drittel Onshore und ein Drittel Offshore, würde laut den Berechnungen dem europäischen BIP 13 Mrd. Euro bringen. Allein in der Windbranche würden 60 000 zusätzliche Jobs entstehen, verdeutlicht Tacke. „Windenergie ist benefit“, resümiert er, und zwar auch für die anstehende Weltklimakonferenz.

So sieht das auch Frankreichs Ministerin für Umwelt, Nachhaltigkeit und Energie Ségolène Royal. „Die erneuerbaren Energien bieten die Lösung für die Klimafrage“, betont sie. Zugleich gebe es eine enge Verbindung zwischen der Klimafrage und der Sicherheit. Denn der Klimawandel zerstöre den Lebensraum vieler Menschen. Auch Sefcovic stellt diesen Zusammenhang her. „Die Energiewende ist eine Zukunftsfrage“, sagt er, und sie helfe, politische Instabilität zu verhindern. Royal appelliert an die Branche, die Informationen über diese Zusammenhänge zu verbreiten, auch unter ihren Mitarbeitern. Und sie wünscht sich, dass die Menschen in den Entwicklungsländern Zugang zu den erneuerbaren Energien bekommen, ob Solarenergie für Afrika, Windenergie in Südafrika oder Meeresenergie für die Inseln. „Sie warten ungeduldig darauf“, so die Ministerin. „Engagieren Sie sich“, lautet ihr Aufruf an die Windindustrie, „die Weltklimakonferenz braucht Sie.“
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Dienstag, 17.11.2015, 17:34 Uhr

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