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Enerige & Management > Bilanz - EWE setzt auf Erfolg in Partnerschaft
Vorstandschef Stefan Dohler (r.) und Wolfgang Mücher setzen weiter auf Wachstum Foto: EWE
BILANZ:
EWE setzt auf Erfolg in Partnerschaft
Die Oldenburger EWE AG bilanziert ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 und verzichtet wegen unabsehbarer Corona-Folgen auf eine Prognose für 2020.
 
Die „neue Normalität“ nach Corona müsse mehr Klimaschutz enthalten, fordert Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der Oldenburger EWE AG. Klimaschutz und Digitalisierung müssten trotz nicht zu unterschätzender Folgen der Virus-Pandemie „ganz oben auf der Agenda“ bleiben, sagte er bei der ersten rein digitalen Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am 23. April. Die EWE sehe es weiter als ihre Unternehmensaufgabe an, nachhaltige Ansätze und grüne Technologien voranzubringen.

Im letzten Jahr haben die Oldenburger dafür gute Vorarbeit geleistet. „Wir haben unsere Ergebnisziele in allen wesentlichen operativen Segmenten erreicht oder übererfüllt“, so der Vorstandschef, der ein insgesamt erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 bilanzierte.

Den Geschäftsverlauf im letzten Jahr bewertete Dohler auch als Bestätigung der strategischen Neuausrichtung, die auf stärkere Regionalität, bessere Performance und Partnerschaften für die Entwicklung der Geschäfte setzt. Mit der Veräußerung des Türkei-Geschäfts, der Entscheidung für ein Gemeinschaftsunternehmen zum Glasfaserausbau mit der Deutschen Telekom (Glasfaser Nordwest) und der wachstumsorientierten Auswahl des neuen Gesellschafters Ardian seien im letzten Jahr „drei Transaktionen mit hoher strategischer Bedeutung für das Unternehmen“ eingeleitet und umgesetzt worden, betonte Dohler.

Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern – die wesentliche Kennzahl für die operative Geschäftstätigkeit – lag mit 455,9 Mio. Euro um 20,9 % über dem Vorjahr. Das Konzernergebnis, also der Gewinn, blieb dagegen aufgrund von Sondereffekten mit 127,5 Mio. Euro deutlich unter dem des Vorjahres (167,3 Mio. Euro).

Gute Entwicklung des operativen Geschäfts

Finanzvorstand Wolfgang Mücher erklärte die Sondereffekte als Ergebnis der verpflichtenden Stichtagsbewertung von Absicherungsgeschäften und eingekauften Energiemengen zum Jahresende 2019. Den Umsatz konnte die EWE mit rund 5,66 Mrd. Euro auf dem Niveau des Vorjahres stabil halten.

„Das operative Geschäft hat sich 2019 gut entwickelt“, resümierte Mücher. Das Segment Vertrieb, Dienstleistungen und Handel habe sein operatives Ergebnis mit 99,6 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Geschäftskunden seien dazugewonnen, Kosten eingespart worden, so der Finanzvorstand. Auch der Energiehandel habe die besondere Marktsituation nutzen können. Die Bremer Tochter SWB habe beim operativen Ergebnis (68,1 Mio. Euro) ebenfalls deutlich zugelegt.

Die größte Ertragssäule der EWE bleibe aber das Segment Erneuerbare, Netze und Gasspeicher, also das zum großen Teil regulierte Geschäft, ergänzte Mücher. Dessen operatives Ergebnis (360 Mio. Euro) lag nur geringfügig (0,5 %) unter Vorjahresniveau. Die EWE steigerte ihre vorwiegend erneuerbare Stromerzeugung um 4,3 % auf rund 4,3 Mio. kWh.

Auch die Investitionen des Unternehmens stiegen 2019 um knapp 11 % auf 587 Mio. Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr wollten sich Dohler und Mücher nicht auf eine Prognose festlegen. Dafür seien die Auswirkungen der Corona-Krise noch nicht ausreichend absehbar. EWE spüre die massiven Auswirkungen des wegen Corona eingeschränkten Wirtschaftslebens bereits sehr deutlich.

„Wir verzeichnen vertriebliche Nachteile durch den eingeschränkten Kontakt zu unseren Kunden, unser Handelsgeschäft leidet, weil die Produktion bei einigen Großkunden ruht oder stark eingeschränkt ist und die für diese Kunden eingekauften Mengen an den Energiemärkten derzeit meist nur mit Verlust weiterverkauft werden können“, sagte der Vorstandschef.

Veränderungen der Segmentstruktur des Unternehmens angekündigt

Das Unternehmen habe daher Vorkehrungen getroffen, um Liquidität zu erhalten und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auch in einer vielleicht länger anhaltenden Krise abzusichern. „Vor uns liegen große Anstrengungen, auf die wir uns mit Maßnahmen zur präventiven Stabilisierung unseres Geschäfts so gut es irgendwie geht vorbereiten“, erläuterte Dohler.

Für den angestrebten Wachstumspfad bedeute dies nicht Stillstand oder Vollbremsung – jedoch müsse mit Verzögerungen gerechnet werden. Mit geplanten Investitionen von etwa 700 Mio. Euro pro Jahr wolle EWE zu einer zügigen wirtschaftlichen Erholung in der Region beitragen.

Große Hoffnungen setzen die Oldenburger auf das am Tag vor der Bilanzpressekonferenz angekündigte Joint Venture mit dem Auricher Windenergieanlagenhersteller Enercon. Das geplante Gemeinschaftsunternehmen, das in diesem Jahr an den Start gehen soll, unterstreicht nach Dohlers Worten noch einmal den strategischen EWE-Ansatz, verstärkt Partnerschaften mit anderen Unternehmen zu suchen.

Darüber hinaus kündigte der Vorstand für die nächsten Monate auch organisatorische Veränderungen an. Für das geplante Wachstum in den Bereichen erneuerbare Energien, Telekommunikation, Netze, Energiedienstleistungen und Mobilität werde sich EWE konsequent nach einer Geschäftsfeldlogik ausrichten, erklärte Dohler. Das werde sich in einer veränderten Segmentstruktur widerspiegeln. Die finale Entscheidung dazu stehe noch aus, ergänzte Mücher. Sicher sei bislang, dass das Segment Ausland nach dem Verkauf des Türkei-Geschäfts wegfallen werde.
 
EWE 2019
 
  2019 2018 Veränderung
Umsatz 5,66 Mrd. Euro. 5,70 Mrd. Euro. -0,8 %
Operatives Ergebnis 455,9 Mio. Euro 377,1 Mio. Euro +20,9 %
Periodenergebnis 127,5 Mio. Euro 167,3 Mio. Euro -23,8 %
Investitionen 587,4 Mio. Euro 529,7 Mio. Euro +10,9 %
Mitarbeiter 8.831 8.508 +3,8 %
 

Peter Focht
Redakteur
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Donnerstag, 23.04.2020, 17:16 Uhr

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