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Energie & Management > Stromnetz - EVM-Vorstand widerspricht BNE-Kritik an Netzrenditen
Quelle: Davina Spohn
Stromnetz

EVM-Vorstand widerspricht BNE-Kritik an Netzrenditen

EVM-Vorstand Mithun Basu weist die Kritik des BNE an hohen Renditen von Verteilnetzbetreibern zurück. Er hält die Berechnung für methodisch verkürzt.
Mithun Basu, Vorstandsmitglied der Energieversorgung Mittelrhein (EVM), widerspricht der Kritik des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) an hohen Eigenkapitalrenditen deutscher Verteilnetzbetreiber. Die Debatte sei aus seiner Sicht eine „politische Kampagne“, schreibt er in einem Beitrag auf der Plattform Linkedin. Vor allem die Gegenüberstellung handelsrechtlicher Eigenkapitalrenditen mit der regulatorisch vorgesehenen kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung führe zu falschen Schlussfolgerungen.

Der BNE hatte am 16. Juni eine Analyse zu 18 großen Stromverteilnetzbetreibern veröffentlicht (wir berichteten). Danach habe deren marktanteilsgewichtete handelsrechtliche Eigenkapitalrendite 2024 bei 30,1 Prozent gelegen, nach 16,6 Prozent im Vorjahr. Für EWE Netz nennt die Untersuchung 61 Prozent, für Westnetz 45 Prozent und für Bayernwerk Netz 38 Prozent.

Der Verband sieht vor diesem Hintergrund ein Missverhältnis zwischen Erträgen und der Leistung bei Netzausbau, Digitalisierung und Netzanschlüssen. „Wer in einem regulierten Monopolmarkt hohe Renditen erzielt, muss mindestens auch bei Netzausbau, Digitalisierung und Kundenservice liefern“, erklärte BNE-Geschäftsführer Robert Busch.

Auch Gesellschafterdarlehen spielen eine Rolle

Nach Basus Überzeugung greift die Berechnung zu kurz. Nach Angaben des BNE werde die handelsrechtliche Eigenkapitalrendite aus dem Ergebnis vor Steuern (EBT) im Verhältnis zum ausgewiesenen Eigenkapital der Elektrizitätsverteilung ermittelt. Basu zufolge bilde dies die Finanzierungsstruktur vieler Netzgesellschaften nur unzureichend ab. Verteilnetzbetreiber seien häufig Tochtergesellschaften größerer Versorger, deren Finanzierung konzernweit organisiert werde. Neben geringem bilanziellen Eigenkapital spielten auch Gesellschafterdarlehen eine Rolle. Eine niedrige Eigenkapitalbasis könne die ausgewiesene Rendite rechnerisch stark erhöhen.

Als Beispiel verweist Basu, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz ist, auf EWE Netz. Der BNE weist für das Unternehmen 2024 eine Eigenkapitalquote von 14,64 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 60,96 Prozent aus. N-Ergie Netz kommt bei einer Eigenkapitalquote von 43,9 Prozent dagegen auf minus 17,72 Prozent. Basu sieht hier einen Hinweis darauf, dass die handelsrechtliche Eigenkapitalrendite allein keine belastbare Aussage über regulatorische Überrenditen zulasse.

Seine Kritik richtet sich deshalb vor allem gegen den Vergleich mit der kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung. Diese sei eine regulatorische Rechengröße und nicht mit einer handelsrechtlichen Renditekennzahl gleichzusetzen. Der BNE argumentiere dagegen, die handelsrechtliche Betrachtung zeige die Rendite der Eigentümer auf das ausgewiesene Eigenkapital vor Steuern. Den Durchschnitt gewichte der Verband nach Marktanteilen anhand der Zahl versorgter Standardlastprofilkunden.

Basu warnt zugleich vor sinkenden Investitionsanreizen durch die Neuordnung der Netzregulierung. Nach seiner Darstellung drohe den Verteilnetzbetreibern ab der fünften Regulierungsperiode 2029 eine um rund ein Drittel niedrigere Eigenkapitalverzinsung. Dies könne die Finanzierung des Netzausbaus verteuern. Für die EVM-Gruppe verweist er bis 2045 auf Investitionen von rund 2,9 Milliarden Euro in die Klimatransformation, davon etwa 1,6 Milliarden Euro im Geschäftsfeld Netze. Ein erheblicher Teil müsse fremdfinanziert werden.

Die Debatte müsse sich daher stärker mit Finanzierungsbedingungen, Investitionsanforderungen und der Leistungsfähigkeit der Netze befassen, fordert Basu. Die Nennung einzelner handelsrechtlicher Renditen reiche dafür aus seiner Sicht nicht aus. (fw)

Freitag, 7.08.2026, 15:52 Uhr
Fritz Wilhelm
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EVM-Vorstand Mithun Basu weist die Kritik des BNE an hohen Renditen von Verteilnetzbetreibern zurück. Er hält die Berechnung für methodisch verkürzt.
Mithun Basu, Vorstandsmitglied der Energieversorgung Mittelrhein (EVM), widerspricht der Kritik des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) an hohen Eigenkapitalrenditen deutscher Verteilnetzbetreiber. Die Debatte sei aus seiner Sicht eine „politische Kampagne“, schreibt er in einem Beitrag auf der Plattform Linkedin. Vor allem die Gegenüberstellung handelsrechtlicher Eigenkapitalrenditen mit der regulatorisch vorgesehenen kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung führe zu falschen Schlussfolgerungen.

Der BNE hatte am 16. Juni eine Analyse zu 18 großen Stromverteilnetzbetreibern veröffentlicht (wir berichteten). Danach habe deren marktanteilsgewichtete handelsrechtliche Eigenkapitalrendite 2024 bei 30,1 Prozent gelegen, nach 16,6 Prozent im Vorjahr. Für EWE Netz nennt die Untersuchung 61 Prozent, für Westnetz 45 Prozent und für Bayernwerk Netz 38 Prozent.

Der Verband sieht vor diesem Hintergrund ein Missverhältnis zwischen Erträgen und der Leistung bei Netzausbau, Digitalisierung und Netzanschlüssen. „Wer in einem regulierten Monopolmarkt hohe Renditen erzielt, muss mindestens auch bei Netzausbau, Digitalisierung und Kundenservice liefern“, erklärte BNE-Geschäftsführer Robert Busch.

Auch Gesellschafterdarlehen spielen eine Rolle

Nach Basus Überzeugung greift die Berechnung zu kurz. Nach Angaben des BNE werde die handelsrechtliche Eigenkapitalrendite aus dem Ergebnis vor Steuern (EBT) im Verhältnis zum ausgewiesenen Eigenkapital der Elektrizitätsverteilung ermittelt. Basu zufolge bilde dies die Finanzierungsstruktur vieler Netzgesellschaften nur unzureichend ab. Verteilnetzbetreiber seien häufig Tochtergesellschaften größerer Versorger, deren Finanzierung konzernweit organisiert werde. Neben geringem bilanziellen Eigenkapital spielten auch Gesellschafterdarlehen eine Rolle. Eine niedrige Eigenkapitalbasis könne die ausgewiesene Rendite rechnerisch stark erhöhen.

Als Beispiel verweist Basu, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz ist, auf EWE Netz. Der BNE weist für das Unternehmen 2024 eine Eigenkapitalquote von 14,64 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 60,96 Prozent aus. N-Ergie Netz kommt bei einer Eigenkapitalquote von 43,9 Prozent dagegen auf minus 17,72 Prozent. Basu sieht hier einen Hinweis darauf, dass die handelsrechtliche Eigenkapitalrendite allein keine belastbare Aussage über regulatorische Überrenditen zulasse.

Seine Kritik richtet sich deshalb vor allem gegen den Vergleich mit der kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung. Diese sei eine regulatorische Rechengröße und nicht mit einer handelsrechtlichen Renditekennzahl gleichzusetzen. Der BNE argumentiere dagegen, die handelsrechtliche Betrachtung zeige die Rendite der Eigentümer auf das ausgewiesene Eigenkapital vor Steuern. Den Durchschnitt gewichte der Verband nach Marktanteilen anhand der Zahl versorgter Standardlastprofilkunden.

Basu warnt zugleich vor sinkenden Investitionsanreizen durch die Neuordnung der Netzregulierung. Nach seiner Darstellung drohe den Verteilnetzbetreibern ab der fünften Regulierungsperiode 2029 eine um rund ein Drittel niedrigere Eigenkapitalverzinsung. Dies könne die Finanzierung des Netzausbaus verteuern. Für die EVM-Gruppe verweist er bis 2045 auf Investitionen von rund 2,9 Milliarden Euro in die Klimatransformation, davon etwa 1,6 Milliarden Euro im Geschäftsfeld Netze. Ein erheblicher Teil müsse fremdfinanziert werden.

Die Debatte müsse sich daher stärker mit Finanzierungsbedingungen, Investitionsanforderungen und der Leistungsfähigkeit der Netze befassen, fordert Basu. Die Nennung einzelner handelsrechtlicher Renditen reiche dafür aus seiner Sicht nicht aus. (fw)

Freitag, 7.08.2026, 15:52 Uhr
Fritz Wilhelm

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