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Enerige & Management > Klimaschutz - Europäische Wissenschaftler mahnen Wärmewende an
Bild: Fotolia, bluedesign
KLIMASCHUTZ:
Europäische Wissenschaftler mahnen Wärmewende an
In einem neuen Bericht fordern die europäischen nationalen Wissenschaftsakademien weitreichende politische Maßnahmen, um die 25 % Klimagase aus dem Gebäudesektor zu reduzieren.
 
Über ihren Zusammenschluss EASAC erinnern die europäischen nationalen Wissenschaftsakademien an den großen Anteil, den Gebäude an den Treibhausgasemissionen haben. Um ihrem Klimaschutzversprechen im Rahmen des Pariser Abkommens gerecht zu werden, müsse die Europäische Union sicherstellen, dass alle 250 Mio. bestehenden sowie alle neuen Gebäude in der EU nahezu null Treibhausgasemissionen verursachen, forderten sie in ihrem Bericht vom 2. Juni.

Die Politik konzentriere sich bereits darauf, energieeffiziente Gebäude zu schaffen, die einen geringeren Heiz- und Klimatisierungsbedarf haben oder erneuerbare Energie vor Ort erzeugen. „Die Energie, die für den Betrieb von Gebäuden aufgewendet wird, ist jedoch nur ein Teil der Geschichte. Wir müssen uns auch die Emissionen von Baumaterialien und -methoden ansehen – sowohl für neue Gebäude als auch für die Gebäudesanierung“, fordert William Gillett, Direktor des EASAC-Energieprogramms.

Sanierungsrate mindestens verdoppeln

Derzeit werden jährlich zwischen 1 und 1,5 % des europäischen Gebäudebestands saniert. „Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, sollte diese Rate zwei- oder sogar dreimal so hoch sein", betonte Gillett. Noch wichtiger sei bei der Berechnung der Klimaauswirkungen von Gebäuden, die massiven Emissionen der Bauindustrie und der Lieferkette mit einzubeziehen.

Ein Gebäude zu renovieren, um den Energieverbrauch zu senken, mache wenig Sinn, wenn die Baustoffe und Komponenten, die für die Sanierung verwendet werden, hohe Klimagasemissionen verursachen und über weite Strecken transportiert werden. Bislang konzentriere sich die EU-Politik auf das Konzept der „Nahe-null-Energie-Gebäude" mit Schwerpunkt auf der Reduzierung des Energieverbrauchs, der für den Komfort der Gebäudenutzer benötigt wird. 
Klimabilanz über die Lebensdauer ziehen

Laut der EASAC sei diese Vorstellung überholt: „Als Indikator für die Bewertung der Klimaauswirkungen eines neuen Gebäudes oder einer Renovierung sollten jetzt die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden“, fordert sie. Sowohl die Emissionen, die durch die Produktion der Baustoffe und Bauarbeiten entstehen, als auch die Emissionen, die durch die Nutzung des Gebäudes in den Jahren danach entstehen, seien relevant.

In knapp zehn Jahren schließe sich die Tür für die Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als 1,5 °C. In diesem Zeitraum muss dringend die Entstehung von Treibhausgasemissionen in der Vorkette der Renovierung begrenzt werden, um nahezu emissionsfreie Gebäude zu schaffen", so der Appell der EASAC. Gebäude sollten künftig so konzipiert sein, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer demontiert und recycelt werden können.

Gebäudeerhalt statt Abriss

Der Bericht weist darauf hin, dass der größte Teil der gebauten Umwelt immer noch nach einem linearen „Take-Make-Consume-Dispose“-Ansatz konzipiert ist. Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft würde es dagegen ermöglichen, sowohl den Ressourcenverbrauch und den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, wie auch das Abfallproblem anzugehen.

Prof. Brian Norton, Co-Vorsitzender der EASAC-Arbeitsgruppe, sagte: „Es ist wichtig, die Wiederverwendung bestehender Gebäude in Betracht zu ziehen, anstatt sie durch neue zu ersetzen. In einer Gebäudehülle steckt eine Menge CO2, vor allem in Beton und Stahl“, erinnerte er. Der Bericht fordert daher, dass die Gesetzgebung einen Grenzwert für den CO2-Gehalt pro Quadratmeter Bodenfläche festlegen muss, der in ein Gebäude eingebracht werden darf, wenn es gebaut oder renoviert wird.

„Schätzungsweise 75 % der Gebäude, in denen die Europäer leben, haben eine schlechte Energiebilanz“, sagte Norton unter Berufung auf die „Renovierungswelle“ der EU-Kommission. „Um sie zu sanieren, wären 146 Millionen Renovierungen in nur 30 Jahren erforderlich. Die derzeitigen Anstrengungen der Mitgliedstaaten reichen nicht aus", erklärte Norton.

Forderungen der Wissenschaftler

Die EASAC fordert daher von den politischen Entscheidungsträgern, bis 2030 aus fossilen Brennstoffen auszusteigen, Gebäude, Industrie und Verkehr mit CO2-freiem Strom und Wärme zu versorgen und die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung zu beschleunigen. Private Finanzierungen für energetische Gebäudesanierungen sollten staatlich gefördert, der Gehalt von Treibhausgasemissionen in Baumaterialien und -komponenten erfasst und begrenzt werden.

Bauvorschriften, Zertifizierungssysteme und Anreize für neue und renovierte Gebäude mit nahezu null Treibhausgasemissionen sollten auch Material-Recycling, Wiederverwendung von Gebäudekomponenten und Renovierungen anstelle von Abriss fördern. Behörden und Städte müssten sowohl die Dekarbonisierung von Gebäuden fördern als auch Energiearmut vermeiden.

Der Bericht „Decarbonisation of buildings for climate, health and jobs“   steht in englischer Sprache im Internet zur Verfügung.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 02.06.2021, 09:01 Uhr

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