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Enerige & Management > Europa - EU-Kommission plant "Gasmarkt-Dekarbonisierungspaket"
Bild: Fotolia, koya979
EUROPA:
EU-Kommission plant "Gasmarkt-Dekarbonisierungspaket"
Zentrale Inhalte sind die Schaffung einer Wasserstoffinfrastruktur, Fragen des Netzzugangs und stärkere Kosumentenrechte. Die Umsetzung in nationales Recht soll bis 2024 dauern.  
 
Die EU-Kommission wird noch in diesem Jahr das seit langem erwartete Gasmarktpaket veröffentlichen. "Und dieses wird im Wesentlichen ein 'Gasmarkt-Dekarbonisierungspaket' sein", betonte Catharina Sikow-Magny, die Direktorin für den Binnenmarkt in der Generaldirektion Energie der EU-Kommission, am 28. Januar bei der European Gas Conference.

Als wesentliche Inhalte des Pakets nannte sie die Schaffung von Infrastrukturen für die Wasserstoffversorgung, den Zugang der Erzeuger von Wasserstoff sowie von "grünen Gasen" wie Biomethan zu den Gasnetzen, die Sicherung der Gasqualität sowie die Stärkung der Konsumentenrechte.

Ferner werde die im vergangenen Jahr angekündigte Methanstrategie publiziert. Mit dieser will die EU-Kommission die Pflicht zur Messung von Methan-Emissionen aus der Gasinfrastruktur einführen. Laut Sikow-Magny wird die Bedeutung von Erdgas in der EU bis 2050 drastisch zurückgehen. Wo dieses überhaupt noch eingesetzt werde, müsse es mit Technologien zur Abscheidung von CO2 aus Kraftwerksabgasen samt anschließender Speicherung (CCS) kombiniert werden.

Gesetzgebung dauert an

Der in Sikow-Magnys Abteilung für den Gasmarkt zuständige Bartlomiej Gurba ergänzte, bis zur Einigung der Kommission mit dem Europäischen Parlament und dem Rat sei mindestens ein Jahr zu veranschlagen. Anschließend müsse dieses gesetzlich feingeschliffen und von den Mitgliedstaaten in nationales Recht übernommen werden. Der gesamte Prozess werde bis etwa 2024 dauern. Zur Kritik der Gaswirtschaft an dieser beträchtlichen Dauer konstatierte Gurba: "Wir haben unsere legislativen Prozesse. Oft sind die Märkte schneller als die Gesetzgebung. Aber das ist nicht zu ändern."

Ob die Europäische Union bei der Wasserstoffversorgung mit Russland zusammenarbeiten wird, wie dies etwa OMV-Chef Rainer Seele fordert, ist laut Gurba offen. Grundsätzlich schließe die Kommission keinen Lieferanten und keine Form von Wasserstoff aus, sei es nun "blauer" Wasserstoff auf Basis von Erdgas oder "grüner" auf der Grundlage erneuerbarer Energien. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde aber die Bepreisung von CO2 die Entwicklung "in eine bestimmte Richtung drängen". 

Schlüsselfragen der künftigen Gasversorgung offen

Ein nicht zu unterschätzendes Problem wird laut Gurba die Interoperabilität der Gasnetze sein, wenn in diese unterschiedliche Formen von Gasen eingespeist werden – neben Erdgas etwa "blauer" und "grüner" Wasserstoff, aber auch Biomethan und Biogas. Diesbezüglich werde die Kommission eine Konsultation durchführen. Als eine der "Schlüsselfragen" der künftigen Gasversorgung bezeichnete Gurba die bessere Zusammenarbeit zwischen den Betreibern der Fernleitungen und der Verteilernetze. Vor allem Biomethan und Biogas würden im Wesentlichen in die Verteilernetze eingespeist. Erfolge dies in größerem Ausmaß, seien Auswirkungen auf die Fernleitungen zu erwarten.

Intensive Diskussionen erwartet Gurba darüber, ob die Betreiber von Wasserstoffnetzen künftig Elektrolyseure zur Erzeugung von „grünem“ Wasserstoff besitzen dürfen: "Wir sind nicht davon überzeugt, dass dies erforderlich ist. Es wird ausreichend Unternehmen geben, die die Nutzung solcher Anlagen anbieten."

Was schließlich die Konsumentenrechte betrifft, sind laut Gurba noch etliche Fragen offen. Zwar beabsichtige die Kommission, sich diesbezüglich am "Clean Energy for all Europeans"-Paket für den Stromsektor zu orientieren. Jedoch habe der Gasmarkt seine Eigenheiten. So müsse beispielsweise bei der Abrechnung der Gaslieferungen deren Energiegehalt berücksichtigt werden. Diese Frage werde auch bei der eventuellen Einführung digitaler Gaszähler (Smart Meter) eine Rolle spielen.

Subventionen mit Ablaufdatum

Der Generalsekretär des europäischen Wasserstoffverbands Hydrogen Europe, Jorgo Chatzimarkakis, betonte, die "nächsten rund drei Jahre" würden entscheidend für die Nutzung von Wasserstoff in der EU sein. Bis etwa 2025 seien "massive Subventionen" für entsprechende Technologien erforderlich. Allerdings müssten diese ein "klares Ablaufdatum haben. Europa muss die Fehler vermeiden, die es bei der Markteinführung der Photovoltaik gemacht hat".

Cosma Panzacchi, der Leiter des Geschäftsbereichs Hydrogen beim italienischen Fernleitungsnetzbetreiber Snam, betonte, die Europäische Union sei der weltweite Technologieführer bei Elektrolyseuren. Sie habe daher ausgezeichnete Chancen, eine dominierende Rolle im künftigen weltweiten Wasserstoffgeschäft zu spielen. Allerdings müsse sie darauf achten, potenzielle Technologiebrüche rechtzeitig wahrzunehmen. Auch gelte es, auf Konkurrenten aus Drittländern wie etwa China, die mit Milliardensubventionen unterstützt würden, angemessen zu reagieren.
 

Klaus Fischer
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Freitag, 29.01.2021, 09:00 Uhr

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