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Enerige & Management > Bayern - "Es führt kein Weg an Erdgas vorbei"
Quelle: Fotolia / saschi79
BAYERN:
"Es führt kein Weg an Erdgas vorbei"
Trotz aller Abhängigkeiten sieht der bayerische VBEW den fossilen Energieträger Erdgas als "wichtigste verlässliche Brückentechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2040".  
 
Rund 20 % des derzeitigen bayerischen Endenergieverbrauchs deckt Erdgas ab, hinzu kommt der von Erdgaskraftwerken erzeugte Strom. Dass Erdgas zunehmend wichtiger für die Energieversorgung in Bayern wird, bekräftigt der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) in einer aktuellen Mitteilung vom 21. Februar. 

Detlef Fischer, der Geschäftsführer des Verbandes, betont: "Auch mittelfristig führt kein Weg an Erdgas – teils aus Russland – vorbei." Besonders in der Stromversorgung werde die Bedeutung des fossilen Energieträgers nach dem Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohle noch weiter zunehmen. Mineralöl im Verkehrssektor und im Heizungsbereich zu ersetzen, bleibe weiterhin erklärtes Ziel in der Energiepolitik. "Das alles bedeutet, dass Erdgas die wichtigste verlässliche Brückentechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2040 sein wird", so Fischer weiter.

Zwar sei Erdgas nicht CO2-frei, jedoch der "umweltfreundlichste fossile Brennstoff, der in Bayern zur Verfügung steht", erklärt der Verband und untermauert dies mit Zahlen. So verursache Erdgas bei gleichem Energiegehalt bei der Verbrennung 24 % weniger CO2 im Vergleich zu Erdöl und nur die Hälfte des CO2-Ausstoßes im Vergleich zu Braunkohle. Auch in der Stromerzeugung brauche der Energieträger den Vergleich nicht zu scheuen: So liege der elektrische Wirkungsgrad von Erdgaskraftwerken bei 60 % und damit höher als bei anderen fossilen Kraftwerken. 

Fischer erinnert an die wichtige Bedeutung des Energieträgers als Brückentechnologie: "Überall da, wo 100 Prozent Erneuerbare heute noch nicht geht, sollte Erdgas als Übergangslösung eingesetzt werden." Zwar habe sich der Erdgasantrieb im Mobilitätssektor nicht so recht durchsetzen können − "nachdem die Elektroautos aber nicht nur dann geladen werden, wenn gerade die Sonne scheint oder der Wind weht, wird in Form der Stromerzeugung ein indirekter Erdgasantrieb zumindest zeitweise die Realität in der nächsten Zeit sein."

Fischer: "Je grüner das Gas, desto besser"

Auch im Gebäudesektor sieht der Verband noch den Bedarf des Energieträgers in Form von indirekten Erdgasheizungen. 2020 seien im Neubaubereich in Bayern etwa 35 % der Wohnungen mit einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe ausgestattet worden. Und der Trend zur Wärmepumpe steige an. Der Strom könne jedoch nur bedingt durch die volatile erneuerbare Energieerzeugung gedeckt werden.

Wie Fischer anführt, werden in den kalten Wintermonaten 30 % der Neubauwohnungen mit Erdgas direkt und 20 % mit Fernwärme beheizt. "In Summe bleibt Erdgas im Winter besonders wichtig für die Energieversorgung in Bayern", resümiert der VBEW-Chef. 

Mit Blick auf die Importabhängigkeit des Bundeslandes, hofft der Verband auf den aus erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff. Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie erhöhe sich "ganz zwangsläufig" die Abhängigkeit vom wichtigsten Erdgasexporteur Russland. Fischer: "Eine zuverlässige Gasversorgung wird auch in Zukunft existenziell wichtig für Bayern sein, daher sollten wir zumindest auf einen breiten Mix von Gasbezugsquellen auch mit LNG- und Wasserstoff-Importen sowie Power-to-Gas-Projekten setzen. Je grüner das Gas dabei wird, umso besser."
 

Davina Spohn
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Montag, 21.02.2022, 11:07 Uhr

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