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Enerige & Management > Wasserstoff - Erzeugung auf hoher See verspricht Kostenvorteile
Quelle: Förderverein AquaVentus / Jakob Martens
WASSERSTOFF:
Erzeugung auf hoher See verspricht Kostenvorteile
Die Wasserstofferzeugung auf See und der Transport via Pipeline ans Festland hat Vorteile in puncto Kosten, Umweltverträglichkeit und Umsetzungsdauer. Dies bescheinigt eine Studie.
 
Die Studie des schwedischen Beratungshauses "AFRY Management Consulting" sieht in der Wasserstoffproduktion auf hoher See die beste Möglichkeit, große Mengen an Offshore-Windstrom abzutransportieren. Damit bescheinigt sie den Plänen der "AquaVentus"-Initiative, die ab dem Jahr 2035 in der Nordsee bis zu 1 Mio. Tonne grünen Wasserstoff gewinnen will, gute Karten. 

Im Rahmen der Studie musste sich das Aquaventus-Konzept gegenüber anderen Systemvarianten beweisen: Neben der Wasserstofferzeugung direkt auf See und dem Abtransport via Gas-Pipeline wurden auch die Offshore-Elektrolyse inklusive Schiffstransport sowie die Offshore-Stromerzeugung in Kombination mit der Elektrolyse an Land untersucht. Die Unternehmensberaterinnen und -berater untersuchten die drei Varianten hinsichtlich Kosten, Umsetzungsdauer und Umweltverträglichkeit auf ihre Vor- und Nachteile.
 
Studie "Vergleich von Systemvarianten zur Wasserstoffbereitstellung aus Offshore-Windkraft" (zum Öffnen bitte auf das PDF klicken)
Quelle: AFRY Management Consulting

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass sich eine Pipeline für offshore erzeugten Wasserstoff bis zu fünfeinhalb Jahre schneller realisieren ließe als Seekabelverbindungen für Offshore-Strom, der erst an Land zur Elektrolyse eingesetzt wird. Die energetische Erschließung gerade weit entfernter Flächen in der Außenwirtschaftszone würde sich so erheblich beschleunigen.

Zudem müssten bis zu 6 Mrd. Euro weniger investiert werden, wodurch die Produktionskosten für grünen Wasserstoff sinken würden. Aus genehmigungsrechtlicher Sicht bedeuten 610 Kilometer Pipeline gegenüber 3.720 Kilometer Hochspannungsleitungen sowie die Verortung der Elektrolyse auf hoher See außerdem "deutliche Vorteile" mit Blick auf die Umweltbeeinflussung im Wattenmeer. Die Option eines Schiffstransports habe sich allein wegen der über 100 Schiffe, die benötigt würden, als kaum machbar gezeigt, heißt es weiter.

Klares politisches Bekenntnis gefordert

"Die nun veröffentlichte Studie belegt eindrucksvoll, dass die Aquaventus-Konzeption schneller, umweltfreundlicher und günstiger ist, als die anderen untersuchten Konzepte", erklärte Jörg Singer. Er ist der erste Vorsitzende des Aquaventus-Vereins und zugleich Helgoländer Bürgermeister (parteilos). Jedoch bedürfe es wichtiger Entscheidungen auf politischer Ebene, um die Vision der Initiative voranzubringen.

"Es braucht eines klaren Bekenntnisses seitens der Politik zur Offshore-Elektrolyse auf hoher See, um ihr Potenzial nutzbar zu machen", betont Singer. Die derzeit laufende Fortschreibung der nationalen Wasserstoffstrategie biete die Möglichkeit, einen klaren Fahrplan für den Ausbau vorzugeben und das notwendige Vertrauen herzustellen. "Konkret braucht es eine Festlegung weiterer, sonstiger Energiegewinnungsbereiche im Rahmen des Flächenentwicklungsplans. Auch eine staatliche Förderung für den Hochlauf der Technologie zur Wettbewerbsfähigkeit muss schnellstens gestaltet werden."
 

Details zur Aquaventus-Initiative

Der Förderverein Aquaventus umfasst mehrere Teilprojekte entlang der Wertschöpfungskette von der Herstellung von Wasserstoff in der Nordsee bis zum Transport zu Abnehmern auf dem Festland. Mit diesen aufeinander abgestimmten Konsortien soll der Bedarf und die Erzeugung von Wasserstoff synchronisiert und ein zügiger Markthochlauf ermöglicht werden. 

Das anvisierte Ziel der Partner ist die Produktion von 1 Mio. Tonnen grüner Wasserstoff ab 2035 zwischen Helgoland und Doggerbank. 

Zur Aquaventus-Projektfamilie gehören zum Beispiel: die Entwicklung von Offshore-Windenergieanlagen mit integrierter Wasserstofferzeugung ("AquaPrimus"), die Entwicklung eines großskaligen Offshore-Wasserstoffparks ("AquaSector") und einer zentralen Abnahmepipeline ("AquaDuctus") sowie Hafeninfrastrukturen ("AquaPortus"), maritime wasserstoffbasierte Anwendungen ("AquaNavis") und eine Forschungsplattform ("AquaCampus").

Zu den Mitgliedern zählen aktuell 96 Unternehmen, darunter Deutsche Shell Holding, Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung IFAM, Eon, RWE Renewables, Oersted, Equinor, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Siemens Gamesa Renewable Energy, Siemens Gas and Power, Vattenfall Innovation, die Hansewerk AG und die Gemeinde Helgoland.
 

Davina Spohn
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