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Enerige & Management > KWK - Erstes Biomethan-BHKW im Ammerland startet seinen Betrieb
Die Energiezentrale in Augustfehn-Hengstforde, Quelle: EWE / Wilfried Blume
KWK:
Erstes Biomethan-BHKW im Ammerland startet seinen Betrieb
Für ein neues Quartier im niedersächsischen Landkreis Ammerland setzt der Energiekonzern EWE auf Biomethan-BHKW.
 
Der Oldenburger Energieversorger EWE setzt für das Wohnbaugebiet Augustfehn-Hengstforde im Landkreis Ammerland (Niedersachsen) eine überwiegend klimaneutrale Energieversorgung sowie ein Highspeed-Glasfasernetz um. Dafür hat das Unternehmen EWE für den Erschließungsträger, die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG), auch das Gesamtkonzept entwickelt. Erzeugt werden Strom und Wärme für das Quartier in einer Energiezentrale. Nach dem Bau des EWE-Nahwärmenetzes wurde im April 2022 das erste Herzstück der Energiezentrale geliefert – ein BHKW von Sokratherm des Typs GG 140. Ende August wird es seinen Betrieb aufnehmen.

Die ersten elf Häuser sind fertiggestellt und bezogen, weitere zwölf Häuser sind im Bau. Insgesamt gibt es im Wohnquartier etwa 300 Bauplätze. Vorgesehen ist eine Bebauung mit eingeschossigen Einfamilienhäusern und Doppelhäusern sowie mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser in nachhaltiger Bauweise. Beim Bau des Nahwärmenetzes hat EWE gleich Glasfaserleitungen mit verlegt. Durch die Glasfaserverkabelung des gesamten Quartiers ist eine Versorgung der Häuser mit Highspeed-Internet möglich.

Bei der Energieerzeugung kommt überwiegend Biomethan zum Einsatz. „Für unsere zukünftigen Bewohner hat die überwiegend grüne, zentral erzeuge Energie den Vorteil, dass KfW-Förderungen der Klasse Effizienzhaus 40 EE möglich werden“, sagt NLG-Geschäftsstellenleiterin Dörthe Meyer. Das Quartier ist zudem Teil des Zukunftsprojektes „Gemeinde 5.0 – Wie leben wir 2050?“ des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes.

Energietechnik wächst mit dem Baufortschritt mit

Je nach Baufortschritt ist die Energietechnik modular aufgebaut: Das erste Blockheizkraftwerk erzeugt bereits Energie, das zweite kommt im kommenden Jahr dazu, und das dritte soll dann − je nach Baufortschritt − in den nächsten drei bis fünf Jahren folgen. Ebenfalls bereits in Betrieb sind die Gaskessel. Das erste BHKW wird rund 5.000 Stunden im Jahr 700 MWh Strom und 1.100 MWh Wärme erzeugen, nach Auskunft von EWE. Nach der Gesamt-Fertigstellung der modular aufgebauten Energiezentrale können dann insgesamt 2 Mio. kWh Strom und 3,1 Mio. kWh Wärme erzeugt werden. In Spitzenzeiten werden künftig die bis dahin installierten drei BHKW-Motoren von zwei Gaskesseln unterstützt.
 
Im Quartier Augustfehn-Hengstforde kommen Sokratherm-BHKW zum Einsatz
Quelle: EWE / Wilfried Blume

Die Energietechnik umfasst im Endausbau drei Blockheizkraftwerke mit 500 kW thermischer und 320 kW elektrischer Leistung. Alle drei BHKW werden wärmegeführt betrieben. Die zwei dazugehörigen Pufferspeicher haben ein Volumen von je sechs Kubikmeter. Zum Einsatz kommen BHKW des Anlagen-Herstellers Sokratherm - zwei BHKW Typ GG 140 und ein BHKW GG 50 mit einer Gesamtleistung von 324 kW elektrisch und 502 kW thermisch. Diese werden für Spitzenlasten ergänzt durch zwei Viessmann-Gasbrennwertkessel mit einer thermischen Leistung von 762 kW und 952 kW. Die KWK-Anlagen sind in diesem Projekt als Dauerläufer konzipiert. Sie werden laut EWE in der Ausbaustufe an bis zu 6.000 Stunden pro Jahr unter Volllast in Betrieb sein.

Über ein 7,5 Kilometer langes Nahwärmenetz wird die Wärme im Quartier verteilt. Eine Trafostation bindet das Quartier in die lokale Stromversorgung ein. Darüber wird der im BHKW erzeugte Strom direkt in das Stromnetz eingespeist. Für die an das Nahwärmenetz angeschlossenen Quartiersbewohner bedeutet die zentrale Wärmeversorgung, dass die Häuser keinen Schornstein und keine Heizungsanlage benötigen.

„Kraft-Wärme-Kopplung gehört zu den effizientesten Formen der Energieerzeugung, die Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz sinnvoll verbindet. Kommt Bio-Erdgas zum Einsatz, ist die Ökobilanz kaum zu toppen“, sagte EWE-Projektleiter Claas Marquardt. Mit solchen Lösungen erfülle EWE für Kunden wie NLG die Anforderungen einer ganzheitlichen Energieversorgung.

Durch den Einsatz von Biomethan in den KWK-Anlagen und der Verdrängung von Graustrom durch den in den Anlagen erzeugten grünen Strom gehen die bilanziellen CO2-Emissionen (berechnet nach FW 309) gen Null, so EWE. Der Primärenergiefaktor liegt bei einem Wert von 0,26.

Neben der Errichtung übernimmt EWE im Rahmen eines Contracting auch den Betrieb der Energieerzeugungsanlagen, inklusive Fernüberwachung. Insgesamt investiert EWE 4,2 Mio. Euro.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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