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Enerige & Management > Technik - Erster Einsatz des Wasserstoffmotors im HKW Köln-Niehl
Quelle: Fotolia/electriceye
TECHNIK:
Erster Einsatz des Wasserstoffmotors im HKW Köln-Niehl
Im Heizkraftwerk der Rheinenergie wird der erste Wasserstoffmotor des Kölner Motorenherstellers Deutz ab Anfang 2022 in den Probebetrieb gehen.  
 
Nicht mal eine Woche ist es her, da verkündete der Motorenhersteller Deutz mit dem "TCG 7.8 H2" seine neueste Antriebsentwicklung. Der sechszylindrige Wasserstoffmotor baut auf einen bereits bestehenden Dieselmotor auf und konnte bereits erste Tests erfolgreich absolvieren (wir berichteten).

Für die Praxiserprobung des emissionsfreien Antriebs hat Deutz nun einen regionalen Energiedienstleister an Bord geholt: Wie das Unternehmen am 23. August mitteilt, soll der Motor im Heizkraftwerk Köln-Niehl der Rheinenergie in die Pilotphase gehen. Die Partner wollen dort Erfahrungswerte im stationären Betrieb des Motors gewinnen. Sie investieren hierzu zusammen zunächst rund 1,3 Mio. Euro. 

In einem ersten, auf rund sechs Monate angelegten, Testzyklus soll es rein um die Stromerzeugung gehen: In Kombination mit einem Generator soll der Wasserstoffmotor rund 200 kW elektrische Leistung liefern. In einer zweiten, ebenfalls über mehrere Monate angesetzten Phase, wollen die Partner die Nutzung der bei der Stromerzeugung anfallenden Abwärme aus dem Aggregat prüfen und diese in das Fernwärmenetz einspeisen. "Diese kompakte Anlage lässt sich als dezentrale Energieversorgung für klimagerechte Gebäude oder Quartiere ideal nutzen, vielleicht auch an Einsatzstellen, die bislang nicht an ein Strom- oder Wärmenetz angeschlossen sind", erklärt Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der Rheinenergie. 

Wasserstoffbereitstellung durch die Rheinenergie

Den Wasserstoff als Kraftstoff des Motors will die Rheinenergie beschaffen. Die Versorgung sei bereits gesichert, wie es seitens der Partner heißt. Aufgrund der noch fehlenden Infrastruktur wird der benötigte Wasserstoff in Vorratsspeichern über Lkw geliefert, wie ein Sprecher gegenüber der Redaktion erklärte. Es könne sein, dass dabei nicht nur grüner Wasserstoff aus der Wasserelektrolyse dabei ist, sondern auch grauer Wasserstoff aus der Dampfreformierung von Erdgas. Die "Farbe" des Wasserstoffs sei jedoch erst einmal nicht das Entscheidende. In diesem Schritt gehe es vielmehr darum, den reibungslosen Betrieb des Motors sicherzustellen. 
 
Der TCG 7.8 H2 ist der erste Wasserstoffmotor von Deutz
Quelle Deutz AG

Eine vielversprechende grüne Wasserstoffquelle hat sich Rheinenergie schon erschlossen: Im Juli erst hatte der Kölner Energieversorger seine Wasserstoffkooperation mit der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) und dem Mineralölko​nzern Shell bekannt gegeben (wir berichteten). Zusammen wollen sie eine regionale Wasserstoffwirtschaft in der rheinischen Region ausloten. Die umweltschonende Energieerzeugung und -versorgung sowie Mobilitäts- und Logistikkonzepte im öffentlichen Nahverkehr und im inländischen Schiffsverkehr haben sie dabei im Fokus. Zentraler Baustein ist der 10-MW-Elektrolyseur, den Shell Anfang Juli auf seinem Raffineriegelände in Wesseling bei Köln in Betrieb genommen hatte. Die Proton Exchange Membrane (PEM)-Elektrolyseanlage mit Namen "Refhyne I" soll jährlich bis zu 1.300 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen. 

Laut Deutz erfüllt der Wasserstoffmotor den von der EU vorgegebenen CO2-Grenzwert für "Zero Emission" und ist damit Elektromotoren gleichgestellt. 2024 soll er in die Serienfertigung gehen, wie es aus Köln heißt. Grundsätzlich sei er für alle Deutz-Anwendungen geeignet. Erst einmal sei sein Einsatz neben Generatoren auch im Schienenverkehr geplant, später dann bei Nutzfahrzeugen, Landwirtschafts- und Baumaschinen.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Montag, 23.08.2021, 14:45 Uhr

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