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Enerige & Management > Stadtwerke - Erste Stadtwerke befürchten Zahlungsausfälle von bis zu 15 Prozent
Quelle: Jonas Rosenberger / E&M
STADTWERKE:
Erste Stadtwerke befürchten Zahlungsausfälle von bis zu 15 Prozent
Stadtwerke kämpfen nicht nur mit gestiegenen Einkaufspreisen für Energie, die die Liquidität − aktuell in Leipzig − gefährden. Zahlungsunfähige Kunden bergen ein zusätzliches Risiko.
 
Eine „Bandbreite von Sorgen um Zahlungsausfälle“ treibt nach Auskunft des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) zunehmend die heimischen Stadtwerke um. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte ein Sprecher des VKU, dass inzwischen Rechnungen auch unerfüllt blieben, weil Unternehmen im Zuge des Preisschocks auf den Energiemärkten Insolvenz anmelden mussten.

Stadtwerke haben schon immer mit säumiger Kundschaft zu tun. In der Regel bleiben Forderungen in der Höhe von einem Prozent der Forderungen unerfüllt. Die Energiekrise hat auch dies schlagartig verändert. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing spricht davon, dass einzelne Versorger inzwischen mit einem Ausfall von 8 % der Zahlungen rechneten, im schlechtesten Fall stellten sie sich auf Fehlbeträge in Höhe von bis zu 15 % der vereinbarten Summen ein. Diese Zahlen enstammten „Berichten aus der Unternehmenspraxis“, so der Sprecher des VKU, der mehr als 1.500 Stadtwerke und kommunale Wirtschaftsunternehmen vertritt.

Rettungsschirm in Höhe von 100 Mrd. Euro gefordert

Je nach Art und Größe der Abnahmestelle − privat oder gewerblich − schlagen unbezahlte Rechnungen unterschiedlich ins Kontor. Daher verweist der VKU-Sprecher im Gespräch mit unserer Redaktion darauf, dass 15 % der fehlenden Einnahmen nicht gleichzusetzen seien mit 15 % aller Haushalte eines Versorgers. Das bedeutet: Zahlungsunfähige Firmen tun Stadtwerken aufgrund ihrer meist hohen Energieabnahmen besonders weh.

Liebing warnt in diesem Zusammenhang vor „finanziellen Schieflagen“ von Stadtwerken. Der Sprecher des VKU ergänzt: „Die Höhe der Zahlungsausfälle hängt ganz entscheidend davon ab, ob die Bundesregierung jetzt schnell ein wirksames Entlastungsprogramm auf den Weg bringt.“ Ideen dafür gibt es einige: Sie reichen von einer Senkung der Steuern auf Energie bis hin zu gezielten Rabatten für Einkommensgruppen auch „knapp oberhalb des Transferbezugs“.

Als Präsident des VKU meldete der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sich gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zu Wort. Nach seiner Erwartungshaltung müsste ein vielfach geforderter Rettungsschirm für Stadtwerke von der Bundesregierung mit mindestens 100 Mrd. Euro ausgestattet sein. Ebling sieht in dem „Aufbruchfonds“ ein dringliches Instrument, um die aktuell „hochtoxische“ Lage vieler Stadtwerke zu heilen.

Neben gestiegenen Beschaffungskosten und den drohenden Zahlungsausfällen bereiten Ebling auch Liquiditätsengpässe der Stadtwerke Sorgen. Ende August hat mit den Stadtwerken Leipzig einer der größten kommunalen Versorger immensen Bedarf an frischem Geld signalisiert. Die Stadt Leipzig als Konzernmutter springt kurzfristig mit einem Darlehen von 150 Mio. Euro ein (wir berichteten). Erst damit können die Stadtwerke die üblichen, nun aber in die Höhe geschossenen Ausfallsicherheiten − eine Art Kaution − für vereinbarte Einkäufe an der Strombörse hinterlegen.

Je umfassender Bevölkerungsgruppen entlastet würden, so der VKU-Sprecher, desto „geringer wird das Risiko für die Energieversorger“. Nicht alle Gefahren ließen sich indes durch Entlastungspakete der Bundesregierung ausschließen. Entsprechend müsste es, analog zu Regelungen zu Beginn der Corona-Pandemie, eine Garantie geben, dass Stadtwerke als Teil der kritischen Infrastruktur nicht selbst einen Bankrott erleiden. „Wir gehen davon aus, dass es notwendig bleibt, mit einem Insolvenzantragsmoratorium den Druck zu lindern“, so der VKU-Sprecher.
 

Volker Stephan
© 2023 Energie & Management GmbH
Freitag, 02.09.2022, 08:50 Uhr

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