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Bild: Trianel
BILANZ:
Ernüchtert
Erstmals greift die Trianel GmbH in ihrer Unternehmensgeschichte zu einem Sparprogramm. Die defizitären Fossil-Kraftwerke lassen von den eigentlich guten Ergebnissen nichts übrig.
 
Trianel hat den Blues: Im vergangenen Jahr hat die Stadtwerke-Kooperation bei einem um knapp 19 % auf 2,1 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz mit einen Überschuss von 0,1 Mio. Euro nach Steuern lediglich eine schwarze Null erwirtschaftet. „Das liegt deutlich unter unseren Erwartungen“, konstatierte Finanzchef Jörg Vogt ernüchternd auf der Bilanzpressekonferenz am 11. Juli. Da das Trianel-Management sowohl für dieses als auch für das kommende Jahr keinen besseren Bilanzabschluss erwartet, kündigte Vogt erstmals in der Geschichte des Unternehmens ein Sparprogramm an. Arbeitsplätze sollen zwar „über die natürliche, bei uns recht geringe Fluktuation hinaus“ (O-Ton Vogt) nicht wegfallen, aber Kosten in den nächsten Jahren um einen nicht näher bezifferten Betrag in Millionenhöhe gespart werden.

Damit reagiert Trianel auf die vor allem in den vergangenen zwei, drei Jahren rasant gesunkenen Börsenstrompreise, die bei der Stadtwerke-Allianz doppelt ins Kontor schlagen: Neben den noch weiter gefallenen Margen im Energiehandel musste Trianel ein Belastung von rund 11 Mio. Euro für sein konventionelles Portfolio verbuchen, sprich die eigenen Beteiligungen an den kommunalen Gemeinschaftskraftwerken in Hamm (Gas) und Lünen (Kohle). An dem 750-MW-Steinkohlenkraftwerk östlich von Dortmund ist die Trianel GmbH selbst beispielsweise mit 6 % beteiligt. „Diese Asset-Krise frisst unser Ergebnis auf“, so Vogt. Und beschert auch den rund 30 kommunalen Gesellschaftern ein dickes Minus: Angesichts der historisch niedrigen Börsenstrompreise haben sich die Verluste für Lünen allein im vergangenen Jahr auf rund 120 Mio. Euro summiert.

Was Trianel und den kommunalen Gesellschafter sehr weh tut, zumal die Finanzierung für den 1,4 Mrd. Euro teuren Kohleblock bis 2034 läuft. „Wir hatten uns ursprünglich für diese Scheiben entschieden, um mit den Gewinnen unsere weiteren Geschäftsaktivitäten zu entwickeln und anzuschieben“, erklärt Vogts Geschäftsführerkollege Sven Becker. Nicht das einzige Ärgernis für ihn: „Stadtwerke, die auch auf Drängen der Bundesregierung im vergangenen Jahrzehnt in neue Kraftwerkskapazitäten investiert haben und ins Risiko gegangen sind, stehen heute finanziell schlechter da als Unternehmen, die über keine Erzeugung verfügen.“

Ohne die fossilen Aktivitäten, für die Trianel noch vor wenigen Jahren branchenweit große Anerkennung eingeheimst hat, stände die Stadtwerke-Allianz heute finanziell auf jeden Fall besser da. Und nicht nur das: Bei den medial immer beliebten Großprojekten ist fast untergegangen, dass die Crew aus Aachen mit weitaus unspektakulären Themen wie Flexibilisierung, Digitalisierung oder Direktvermarktung schon früh auf das richtige Pferd gesetzt hat. Trianels Flex-Pool (so die unternehmensinterne Bezeichnung) umfasste Mitte dieses Jahres bereits 730 MW, womit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Bei der Direktvermarktung von Strom aus EEG-Anlagen zählt Trianel heute zu den fünf Unternehmen mit dem größten Portfolio, das nach eigenen Angaben Mitte dieses Jahres rund 4 600 MW umfasste.

Steinkohlekraftwerk Lünen mit 120 Mio. Euro Verlust

Bei den erneuerbaren Energien hat Trianel mittlerweile zur Aufholjagd angesetzt. Zwar hatte die Stadtwerke-Allianz bereits 2007 den Bau des Offshore-Windparks Borkum West eingeleitet, bis dann die 40 Mühlen auf See - nach unverschuldeten Verzögerungen auf Seiten Trianels - mit der Stromerzeugung loslegten, verging gut acht Jahre. Bis zum Jahr 2020 will Trianel nun über ein grünes Portfolio von 700 MW verfügen. Dazu zählen unter anderem der zweite Bauabschnitt von Borkum West, für den Trianel mit dem Partner EWE im kommenden Frühjahr die Investitionsentscheidung treffen will, sowie 275 bis 300 MW Onshorewind- und Photovoltaik-Projekte, die in der Trianel Erneuerbare Energien GmbH (TEE) gebündelt sind. An der TEE haben sich immerhin 40 Stadtwerke beteiligt, womit dieses Netzwerk von der Anzahl knapp hinter der Thüga Erneuerbaren Energien GmbH liegt.

Da Trianel verstärkt auf die Windkraft an Land setzt, ärgert sich die Führungsriege um Becker und Vogt über die jüngste Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes: „Auch wenn wir die Ausschreibungen, an denen sich demnächst die Förderhöhe orientiert, richtig halten, ist die Begrenzung des jährlichen Ausbaus auf 2 800 Megawatt brutto der wirklich falsche Weg.“ Damit werde vor allem die Ausbaudynamik des preiswertesten Energieträgers bei den Erneuerbaren gebremst. Ohnehin ist die Trianel-Führung mit den in den vergangenen Monaten verabschiedeten neuen Regelungen für den Energiemarkt wie das EEG, das Strommarkt- oder Digitalisierungsgesetz alles andere als glücklich: „Wir müssen sicherlich anerkennen, dass es zuletzt mehr neue Energie-Gesetze gegeben hat als in den letzten vier Jahren zusammen, aber ein Leitbild, wohin diese Regierung will, ist nicht zu erkennen.“

Zu den besonderen Ärgernissen zählt für Trianel die Braunkohle-Reserve, mit der die Betreiber von einigen Uralt-Blöcken sich am Ende der Laufzeit ihre Blöcke die bekanntlich goldene Nase: „Im Gegensatz dazu gibt es keine Regelungen für hocheffiziente Gas- und Kohlekraftwerke“, so Becker. Ob Trianel gegen die mittlerweile von der EU-Kommission abgenickte Regelung vor dem Europäischen Gerichtshof klagen wird, will das Unternehmen in gut zwei bis drei Monaten entscheiden.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 11.07.2016, 17:00 Uhr

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