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Enerige & Management > Klimaschutz - Erneuerbare tragen 16,8 % zum nationalen Energiemix bei
Quelle: Shutterstock/24Novembers
KLIMASCHUTZ:
Erneuerbare tragen 16,8 % zum nationalen Energiemix bei
In den ersten sechs Monaten ist der Energieverbrauch in Deutschland angestiegen. Gleichzeitig kam es zu einer Verschiebung im Energiemix zulasten der Erneuerbaren.
 
Nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) erhöhte sich im ersten Halbjahr 2021 der Primärenergieverbrauch hierzulande um 4,3 Prozentpunkte auf 6.191 Petajoule (PJ) oder 211,2 Mio. Tonnen Steinkohleeinheiten (Mio. t SKE).

Verantwortlich für den Aufwärtstrend macht die AGEB insbesondere die Lockerung im Zuge der Covid-Pandemie und die dadurch wieder hochfahrende Wirtschaft. Die gegenüber dem Vorjahr deutlich kühlere Witterung sorgte zudem für ein Plus beim Verbrauch von Heizenergien. Witterungsbereinigt lag der Energieverbrauch nur knapp 2 % über dem Wert des Vorjahreszeitraums, so die AGEB in einer Mitteilung vom 3. August. 

Im Vergleich zum Vorjahr konstatiert die AGEB deutliche Verschiebungen im Stromerzeugungsmix hin zu den konventionellen Energieträgern:
  • Mineralöl: Der Verbrauch verminderte sich im ersten Halbjahr um 12,1 % auf 2.771 PJ. Der Absatz von Flugkraftstoff sank um knapp 20 %. Beim Ottokraftstoff betrug das Minus 2,6 %, der Absatz von Dieselkraftstoff verminderte sich um 7 %. Der Heizölabsatz hat sich im ersten Halbjahr nahezu halbiert. 
  • Erdgas: Der Erdgasverbrauch erhöhte sich um 15,6 % auf 1.892 PJ. Als Hauptursache nennt die AGEB die gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich kühlere und zudem in den ersten drei Monaten eher windarme Witterung.
  • Steinkohle: Um 22,7 % auf 509 PJ nahm der Steinkohleverbrauch im ersten Halbjahr zu. Als Folge der kühleren und windärmeren Witterung kam es beim Einsatz von Steinkohle zur Strom- und Wärmeerzeugung zu einem Zuwachs um rund 31 %. Ebenfalls deutlich zu nahm der Einsatz von Koks und Kohle in der Stahlindustrie (+18 %).
  • Braunkohle: Um rund ein Drittel erhöhte sich der Verbrauch von Braunkohle auf 521 PJ. Den Zuwachs führt die AGEB vor allem darauf zurück, dass die im Vorjahreszeitraum witterungsbedingt hohe Einspeisung von Strom aus Windkraft in diesem Jahr deutlich niedriger lag. Verglichen zum ersten Halbjahr 2019 weist der Verbrauch von Braunkohle im laufenden Jahr ein Minus von 12 % auf und folgt damit dem mehrjährigen Trend. 
  • Kernenergie: Bei der Kernenergie kam es in den ersten sechs Monaten zu einem Anstieg der Stromproduktion um 7 %. Der Primärenergieverbrauch lag bei 371 PJ.
  • Erneuerbare: Die Erneuerbaren verminderten ihren Beitrag zum Primärenergieverbrauch im ersten Halbjahr um insgesamt 1 % auf 1.039 PJ. Wasserkraftwerke konnten um 5 % zulegen, bei der Windenergie kam es im Vergleich zum windstarken Vorjahr zu einem Minus von 20 %. Der Beitrag der Solarenergie blieb trotz Anlagenzubaus konstant. Die Biomasse verzeichnete temperaturbedingt ein Plus von 6 %.
 
Entwicklung des Primärenergieverbrauchs im ersten Halbjahr 2021.
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Quelle: AGEB

Verschiebungen im Energiemix 

Im nationalen Energiemix für das erste Halbjahr 2021 nahm Erdgas mit einem Anteil von 30,6 % zum ersten Mal eine Führungsrolle ein. Das Mineralöl fiel mit 28,6 % auf Platz zwei. Die Erneuerbaren verloren zwar, belegten aber mit einem Anteil von 16,8 % dennoch Platz drei (Vorjahr 17,7 %). Die Anteile der Kohlen am Gesamtverbrauch erhöhten sich trotz kräftiger Verbrauchszuwächse gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur auf 8,2 % bei der Steinkohle und auf 8,4 % bei der Braunkohle. Der Ersatz von regenerativ erzeugtem Strom durch Strom aus fossilen Quellen führte laut AGEB im ersten Halbjahr zu einem Anstieg der CO2-Emissionen um 6,3 %.

BEE fürchtet um Einhaltung der Klimaziele

Mit "großer Sorge" hat der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) auf die veröffentlichten AGEB-Zahlen reagiert. Als "Einbruch" bezeichnete der Verband die rückläufige Energiegewinnung durch Erneuerbare. Diese seien der "Schlüssel für Klimaschutz und einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort", so Simone Peter.

Die BEE-Präsidentin befürchtet eine Ökostromlücke in den nächsten Jahren: "Einerseits wächst der Bedarf an grünem Strom durch die Sektorenkopplung bei E-Mobilität, grünem Wasserstoff und Wärmepumpen. Andererseits gehen durch die Vollendung des Atomausstiegs im kommenden Jahr sowie einen beschleunigten Kohleausstieg aufgrund steigender CO2-Preise konventionelle Kapazitäten aus dem Netz. Auch wenn sich Verbrauch und Wetterbedingungen ändern, muss die Deckung der Bedarfe jederzeit durch erneuerbare Energien ermöglicht werden."

 

Davina Spohn
Redakteurin
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Dienstag, 03.08.2021, 15:52 Uhr

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